Rockbücher, Biografien - die lesbare Seite des Metals


Wann ist eine Musiker-/Bandbiographie (bzw. Rockbuch) gut? Wenn es, für den Durchschnittsfan, unerreichbare Sex, Drugs and R`n`R Stories beinhaltet? Tiefergehende Hintergrund Infos/Stories parat hält? Die Karriere/Laufbahn sehr genau aufarbeitet? Jede Menge Insiderwissen Preis gibt oder gar bisher unveröffentlichte Fakten bietet? Oder ist es schlicht wichtig, dass das Buch Lesespaß vermittelt? Für mich selbst ist das Buch gut, wenn all diese Aspekte weitgehendst berücksichtigt wurden. Die letzten Jahre wurden ja gerade inflationär viele Biographien aus der Rockwelt veröffentlicht. Ganz klar verkaufen sich hier große Namen wie Slash, Mötley Crüe, Ozzy, Sammy Hagar etc. besser als eher im Untergrund, bzw. zweiten Reihe etablierte Bands. Wer sich die Zeit nimmt und sich durch die eine oder andere Bio liest, arbeitet noch einmal die Geschichte eine Band auf mit dem Nebeneffekt, dass man manche Alben ganz anders sieht bzw. hört als zuvor. Habe ich ein Buch beendet, ist es nicht selten der Fall, dass ich mir von dem Musiker/Band den Backkatalog komplett durchhöre und zuweilen auch fehlende Alben kaufe, um einen Kontext zu dem eben gelesenen herzustellen. Das geschieht eher unbewusst, wenn man sich mit einem Buch sehr intensiv auseinandersetzt, zumindest ist das meine Erfahrung. Allerdings habe ich auch Bücher gelesen, die letztendlich das Gegenteil bewirkten, was jedoch äußerst selten vorkam, aber meine Meinung zu diesem Artisten revidierten. Bücher gibt es inzwischen jedenfalls genug, da ist für jeden etwas dabei. Und ich kann einem das lesen solcher Bücher nur empfehlen, anstelle sich im Internet die Infos zusammen zusuchen. Lesen ist Unterhaltung und ein gutes Buch ist die investierte Zeit wert. Außerdem ist der Preisverfall von Büchern enorm. Ist man nicht darauf scharf, gleich bei erscheinen eines interessanten Buches dies zu kaufen, wird man 4-6 Monate später nicht selten mit dem halben Preis belohnt und kann sich somit eine gute Rock-Bibliothek aufbauen. Ein kleiner Nachteil ist event. der Umstand, dass viele Bücher als erstes nur in englischer Sprache erscheinen und viel später erst eine deutsche Übersetzung kommt, oder es kommt überhaupt nicht zu einer deutschen Übersetzung wenn der Verlag merkt, das Buch ist eher ein Randthema. Oder der Verlag legt so eine kleine Auflage auf, die es nicht lohnt zu übersetzen. Allerdings sind viele der englischen Bücher in einem relativ „simplen“ Englisch geschrieben, dass auch Menschen mit weniger ausgeprägten Englischkenntnissen viel verstehen. Ausnahmen gibt es allerdings und die machen es einem dann wirklich nicht leicht. Trotz diesen Umstandes macht es Laune sich mit einen guten Buch auseinander zusetzen.....

Anfangen will ich mit einem Buch, von dem ich mir eigentlich viel versprochen hatte und das weitgehendst positiv in der einschlägigen Presse besprochen wurde. „Century Media-Do It Yourself: Die Geschichte eines Labels“ (Verlag Nicole Schmenk).

Über weite Strecken wirkt das Buch wie eine Promoplattform für Century Media Bands und geht auch recht unkritisch mit diesen um. Der Einstieg ins Buch vermittelt ganz gut die Anfänge des von Robert Kampf gegründeten Labels. In manchen Passagen kann man sich gut in die damalige Situationen der beteiligten Personen hineinversetzen und hier und da wird sehr plastisch dargestellt wie die Szene damals funktionierte. Je größer das Label aber wird, umso oberflächlicher wird das Buch. Es kommen viele involvierte Mitarbeiter und langjährige Szenenmenschen zu Wort, aber man hat dann immer das Gefühl hier will man niemanden wehtun. Gerade Rock Hard Schreiber werden hier immer wieder befragt, was doch ein bisschen ein Geschmäckle hat, wenn man weiß wie eng die Büros von den beiden Firmen zusammen lagen. Werden von Label- Mitarbeitern Probleme mit jener oder dieser Band angesprochen, wäre es doch interessant gewesen darüber zu lesen, zumindest ansatzweise, nein.... der weitere Text geht meistens über in eine Art Bandbiographie. Zu all dem kommen aber auch einige wenige, dafür gravierende Fehler. Zum Beispiel werden Jag Panzer „die texanischen Power-Metal-Pioniere“ genannt! Ups..... Aber das sind Ausnahmen. Erst gegen Ende des Buches wird es wieder richtig interessant und hier geben aktuelle Mitarbeiter Statements ab, die szenenkritischen Musikfans in ihrer Meinung bestätigen. Hier geht es um Marketing, Zukunftsansichten etc... Eine Aussage zur Krise der Musikindustrie spiegelt zumindest den Sachverstand des Labels wider. Insgesamt ist das Buch, zumindest was Beginn des Labels und die aktuelle Situation betrifft, lesenswert, der Rest wirkt wie Bandbio an Bandbio gereiht. Da hätte man deutlich mehr daraus machen können. Eher, nein, recht belanglos.

Seit NWOBHM wieder im alltäglichen Sprachgebrauch der Metalfans angekommen ist, kamen einige echt unnötige Bücher zu diesem Thema raus. Richtig lesenswert ist dagegen `Brian Tatler –Am I Evil?`.

Der Diamond Head Leader hat hier zusammen mit der britischen Schreiblegende (u.a. Co-Author der Biff Byford Bio und NWOBHM Koryphäe) John Tucker ein äußerst kurzweiliges und sehr persönliches Buch über sein Leben und Diamond Head verfasst. Das nur in englisch erschienene Buch kam in einer Erstauflage von 500 Büchern raus und ist nur noch äußerst schwierig zu bekommen. Am meisten Glück hat man aktuell noch auf der Diamond Head Hompage, wo es allem Anschein noch ein paar Restexemplare gibt. Lars Ulrich (Metallica) sowie Dave Mustaine (Megadeth) haben Vorwörter beigesteuert und dabei die Wichtigkeit und Bedeutung Diamond Head´s für die Karriere beider Bands sowie für den NWOBHM generell, hervorgehoben. Die meisten der s/w-Fotos in dem Buch sind selten größer wie eine halbe Spielkarte, leider. Aber das Fotomaterial ist historisch zu nennen. Der chronologische Werdegang Tatler`s bzw. Diamond Head´s ist gut beschrieben und man kann sich sehr gut in die Situationen hineinversetzen. Eines wird jedoch deutlich, bzw. bewahrheitet sich: Diamond Head könnten heute ganz wo anders stehen wenn Dumpfbacke Sean Harris nicht sein übergroßes Ego über Tatsachen gestellt hätte. Sein Gesang hat den Status der Band mitgeprägt, sein Ego hat die Band allerdings auch in kommerzieller Hinsicht zerstört. Tatler, für mich überraschend, hält sich aber weitgehendst mit Schuldzuweisungen zurück, lässt aber immer wieder erkennen wie frustrierend diese Grabenkämpfe mit Harris waren. Tatler selbst ist ein pragmatischer und vor allem sehr bodenständiger Mensch, der weiß, dass er Glück hat in solch exponierter Stellung stehen zu dürfen. Das Buch läst sicher noch einige Fragen offen, ist aber in seiner Gesamtheit ein wirklich informatives Stück Zeitgeschichte was Diamond Head betrifft. Hervorzuheben sind sicher die Anmerkungen der beiden Schreiber, wie sich Ende der Siebziger/Anfang der Achtziger die Bands durch die englische Clubszene kämpfen mussten und jeder Menge Vorurteilen ausgesetzt waren. Für NWOBHM Anhänger ein absolutes „Muss“ kann ich nur sagen.

Als Hanoi Rocks Fan warte ich ja schon seit Jahren auf die Übersetzung der finnischen Bio von Michael Monroe, die aber immer noch auf sich warten lässt. Sein ehemaliger Bandmitstreiter hatte da kurioserweise mehr Glück gehabt und unter dem Titel `Andy McCoy-Sheriff McCoy- Outlaw Legend Of Hanoi Rocks` (Bazillion Points Publishing) seine knapp 180 seitenumfassend Bio in englisch veröffentlicht (schon 2001).

So sehr ich diesen Typen als Musiker schätze, das Buch ist relativ oberflächlich, hat enorme Zeitsprünge und läst einen schon bei der Einleitung die Stirn runzeln. Hier schreibt McCoy, dass er das Buch nun (2009) noch einmal gelesen hätte und wenn er es zum aktuellen Zeitpunkt geschrieben hätte, wäre es sicher anders ausgefallen, da sich in seinem Leben einige Prioritäten verschoben hätten. Wie immer man das deuten muß. McCoy ist Drogen nicht abgeneigt, was schon immer bekannt war und hier im Buch eigentlich massiv bestätigt wird. Daher sind manche Passagen in Frage zu stellen, denn in Anbetracht seines Drogenkonsums dürfte er sich an manche Dinge gar nicht mehr erinnern können, unterstelle ich ihm einmal. Sein Ansichten sind teilweise spirituell geprägt, aber sein Herz schlägt für den Rock`n`Roll. Der größte Teil des Buches betrifft die Erfolgsphase von Hanoi Rocks, ihre Heyday-Tage und stellt McCoy als Vollblut Rock `n`Roller da. Wer mit der Geschichte von Hanoi Rocks vertraut ist findet immer mal wieder die eine oder andere Fußnote die die Hanoi Rocks Geschichte in einem neuen, teilweise anderen Licht erscheinen lässt. Das sind jedoch rare Ausnahmen. Für die knapp 180 Seiten sind relativ viele Fotos im Buch (alle s/w). Eher ein Buch für echte Hanoi Rocks Manicas als für Rock`n`Roll Interessierte, die ihre Wissenslücken schließen wollen.

Aus ganz andere Qualität ist `Kicking & Dreaming- A Story Of HEART, Soul, and Rock`n`Roll` (!t-HapercollinsPublishers) der Schwestern Ann und Nancy Wilson, bekanntermaßen die Köpfe von Heart. Leider ist das letztes Jahr erschienene Buch noch nicht als deutsche Ausgabe geplant, dabei ist das Buch ein recht gutes Lesevergnügen mit hohen Informationsgehalt, sofern man auf Heart steht. Heart sind ein integraler Bestandteil der amerikanischen Rockszene der späten Siebziger bis zu den frühen Neunziger Jahren. Ihre Liste an Megahits ist beachtlich und die Band steht zudem noch für die Emanzipation der Frauen in der Rockwelt.

Das Buch zeigt die Wilson Schwestern in manchen Themen sehr persönlich, lässt aber dafür in anderen Bereichen weiterhin Fragezeichen. Deutlich wird beim lesen Eines: Ann, die Ältere, war ist und bleibt die treibende Kraft hinter der Band. Der enge Geschwisterbund ist eine tragende Säule des riesigen Erfolgs von Heart über all die Jahrzehnte. Family first (Eltern, Schwestern) ist die Devise der in Seattle ansässigen Band. Während ein Drittel des Buches ausführlich über die Kindheit handelt, was nicht unbedingt zwingend wäre, geht es bei den eigentlich wichtigen Themen und Zeitfenstern eher oberflächlich zu. Gerade die Phasen der Megaerfolge mit ihren Hits werden äußerst schnell abgearbeitet. Dafür erlangt man die Erkenntnis, dass gerade Ann Wilson, die in der Öffentlichkeit eher als echte Lady gilt, nackt in Hippie-Camps ihre erste sexuellen Erfahrungen machte, nie verheiratet war, und gerade in jüngeren Jahren diesen Umstand ausgenutzt hatte. Eine Affäre mit Ian Hunter ist hier hervorzuheben. Auch Oben-ohne Fotos gibt es von der Dame, die aber seit den Achtzigern in einem Schließfach liegen und auch nach ihrem Tod wohl nie an die Öffentlichkeit kommen werden. Überraschend ist zudem, dass die Wilson Schwestern den Beginn der Grunge Welle maßgeblich mitunterstützt haben und Ann eine Bettgespielin von Jerry Cantrell (Alice In Chains) war. Interessant sind die persönlichen Probleme der Geschwister die trotz Ruhm und Reichtum nie in der Lage waren eigene Kinder zu zeugen und dementsprechend Adoptivkinder groß zogen/ziehen. Desweiteren erfährt man mehr über Ann`s massive Gewichtsprobleme, die große Selbstzweifel bei ihr aufkommen lassen. Wer mehr über diese bedeutende Band erfahren möchte kommt an diesem gut zu lesenden, knapp 300 Seiten Buch nicht vorbei, auch wenn man hier und da mangelnden Tiefgang in manchen Karrierephasen und eine spärlichen Auswahl von Fotos bemängeln muß.

Sammy Hagar`s Bio wurde ja schon im Vorfeld der Veröffentlichung groß beworben und nicht wenige erwarteten eine dicke Abrechnung darin mit Van Halen. Dass das Buch in die US-Buch Charts gehen würde war irgendwie auch klar, hat Hagar doch in den USA einen ganz anderen Status als in Europa. Ich persönlich stehe der Person und dem Entertainer Hagar sehr positiv gegenüber. Ich bin ein Die-Hard Fan dieses Mannes. Daher ging ich auch eher unkritisch an `Red- Mein Leben Unzensiert` ran.

Die deutsche Übersetzung ist ganz gut zu lesen, unterscheidet sich aber zur amerikanischen Version im Format (die deutsche ist größer) und teilweise beim Fotomaterial, was dann schon etwas komisch ist. Da ist die US-Version mit dem viel besseren, umfangreicheren Fotomaterial vorzuziehen. Hagar ist ein Talent, ein Typ der das macht was er für richtig hält und seit er finanziell absolut unabhängig ist macht er eh was er will. Geld spielt bei ihm keine Rolle, obwohl es auch für ihn ein harter Weg war dahin zukommen wo er jetzt steht. Das Buch beleuchtet seine Kindheit/Jugend und zeigt im weiteren Verlauf, wie aus dem naiven Jüngling ein exzellenter Businessmann wurde. Hagar geht nicht ganz wie erhofft in die Tiefe in Sachen Van Valen, tritt aber schon manch mal richtig aus. Allerdings liest sich das nicht gehässig, eher sarkastisch. Hagar, das geht gut aus dem Buch hervor, hat sich über die Jahre hinweg ein feines Gespür für lohnenswerte Geschäftsideen angeeignet. Er war der erste Ami der auf Mountainbikes setzte, eine sehr erfolgreiche Firma aus dem Boden stampfe, viel Geld damit machte etc.. Rr machte Geld mit Reisebüros, fiel mit einer Kleidungsfirma auf die Nase und über sein Schnapsimperium wurde ja eh viel in der Mainstream Presse geschrieben. Dieser Deal machte ihn zum Multimillionär und finanziell total unabhängig. Die musikalische Seite seiner Karriere wird auch entsprechend ausgeleuchtet und gerade die Kapitel als Van Halen die absoluten Superstars waren sind amüsant zu lesen. Die Herren haben es vielleicht krachen lassen. Das Buch liest sich gut und man möchte es nicht aus der Hand legen. Sicher bleiben viele Fragen unbeantwortet, aber man kommt dem Menschen Hagar schon ein Stückchen näher und das macht ihn noch sympathischer als diese Person, die einen von den Fotos immer angrinst. Hagar ist ein Überzeugungstäter, ein Rock`n`Roller durch und durch, ein echtes Talent. Daher kann ich das Buch jedem Fan des Red Rockers an Herz legen. Kurzweiliges, amüsantes Leseentertainment.

Im Zuge des Films über The Runaways (mit Dakota Fanning und Kristen Stewart) war die erste gecastete All-Girl Metal Truppe vor ein paar Jahren wieder in aller Munde. Lita Ford hatte diesen Umstand zu einem Comeback benutzt, Cherie Currie war kurzfristig in aller Munde, Joan Jett dementierte grundsätzlich ihre Teilnahme an einer Reunion und doch kamen Gerüchte über eine Reunion der verbliebenen ex-Runaways Mitglieder wieder auf. Der Film war Müll, das Buch dazu, `Neon Angel-A Memoir Of A Runaway` (Harbor Collins Books) ist doch deutlich besser. The Runaways sind eine Legende, das ist Fakt auch wenn sie während ihres Bestehens in den Siebziger nie einen großflächigen Erfolg hatten. Gerade in den USA ging das Konzept der Straßenschlampen, von Kim Fowley, zwielichtiger Produzent und Songwriter, nicht auf.

Dafür waren Europa und Japan für die All-Girl Heavy Metal Bands erfolgreiches Terrain. The Runaways scheiterten jedoch an grundsätzlich Dingen wie musikalischer Ausrichtung (Joan Jett wollte punkiger, Lita Ford metallischer werden) , falsche Vermarktungsstrategie und einem Fowley der die Girls gnadenlos abzockte. Das zum Film erschienene Buch ist weniger eine The Runaways Bio als eine Cherie Currie Bio, die ursprünglich 1989 im Taschenbuch Format erschien und schlicht `Neon Angel-The Cherie Currie Story` hieß. Inzwischen vergriffen und teuer. `Neon Angel-A Memoir Of A Runaway` wurde deutlich mit mehr Details als das Original Taschenbuch ausgeschmückt und zieht sich dementsprechend in manchen Kapiteln.

Grundsätzliches wird in diesem Buch auch gar nicht beantwortet, dazu ist es viel zu oberflächlich, leider. Als richtige Bio ist dieses Buch auch nicht zu werten, dazu wurden zu wenige ehemalige Beteiligte involviert. Für jemanden der in das Thema The Runaways einsteigen will ist das Buch gerade noch akzeptabel. Wer dann Blut geleckt hat sollte sich die DVD `Edgeplay` von ex-Runaway Vicky Blue besorgen (wird spotbillig verramscht) und bekommt durch ganz interessante Interviews mehr Einblick ins damalige Innenleben einer sehr kontrovers diskutieren Band, die jedoch für viele nachkommende Girltruppen die Türen aufstießen. `Neon Angel-A Memoir Of A Runaway` ist ein netter Versuch die Geschichte einer wegbereitenden Band aufzuarbeiten, was jedoch gänzlich scheiterte. Einzig die Person Cherie Currie steht hier überwiegend im Mittelpunkt, sprich Drogen-, Depri-, Sexeskapaden, sowie ihre familiären Probleme. Schade, der Ansatz war gut, die Ausführung weniger. Vielleicht gibt es aber in naher Zukunft eine authentische The Runaways Bio die es in sich hat.

`Blood, Sweat & Beers` (Harper Collins Publishers) von Murray Engleheart ist neben `The Encyclopedia of Australian Rock and Pop` das wichtigste Buch über die australische Rock Szene das bisher veröffentlicht wurde. Engleheart ist ein Insider und enger Freund vieler Musiker in dem Buch und vielleicht sogar der meistrespektierteste australische Rockjournalist ever. Der Buchtitel ist Programm. Engleheart erzählt vom Beginn des Phänomens „Australian Pub Rock“ und liefert Fakten und Augenzeugenberichte aus erster Hand. Er war bei den ersten Shows von Rose Tattoo, X, etc. dabei und kann das gesehene und erlebte sehr gut rüberbringen.

Liest man sich in das Buch rein, fühlt man sich wie in einer Zeitmaschine. Die Fakten erschlagen einen, jede Menge Hintergrundstories, jede Menge Infos, jede Menge klärende Artikel. Die Szene und Zusammenhänge werden beleuchtet und Interviews mit den involvierten Musikern sind teils sehr persönlich. Das Fotomaterial ist nicht übermäßig, dafür teilweise spektakulär. Ich hätte mir mehr davon gewünscht, denn Murray sitzt an der Quelle, seine Kontakte zu allen wichtigen australischen Rockfotografen aus den Siebzigern sind bekannt. Wer schon immer wissen wollte was in Australien in Sachen Rock`n`Roll in den Siebziger und Achtziger los war, bekommt dies hier aus erster Hand fundiert und mit Herzblut geschrieben. Man merkt Engleheart seinen Enthusiasmus bezüglich der Bands an, und dass Rose Tattoo, The Angels und Billy Thorpe seine Faves sind kommt in diesem Buch überdeutlich rüber. Dementsprechend gibt es hier Stories die ein umhauen, zum lachen aber auch zum weinen bringen. Das Buch ist für Fans des australischen RnR absolute Pflichtlektüre. Leider aber auch nur in englisch erschienen, aber gut zu lesen.

Pat Benatar war in den Achtzigern die Rock-/Pop Ikone schlechthin. Ihre Megahit-Liste ist gewaltig und durch ihre unverwechselbare Stimme hat sie sich einen Ehrenplatz in der Rockgeschichte gesichert. Außerdem ist sie eine äußerst interessante Person die weder durch Skandale oder ähnliches auffiel, ihr Privatleben weitgehendst abschottet und in Sachen Frauenpower ein gewaltiges Wort mitzureden hat. `Between A Heart And A Rock Place` (Harper Collins Publishers) ist ihre Biography, die einige hochinteressante Dinge über die Lady offenbart. Etwas zu langatmig sind die Kapitel ihrer Kindheit, wo aber schon deutlich wird, dass Disziplin eines der wichtigsten Dinge im Leben von Fr. Benatar, wahrer Name Patricia Mae Andrzejewski, darstellt. Lesenswert sind die Schritte von der schüchternen Gesangsschülerin zum Rock Vamp und welche Auswirkungen dies auf die altbackene Denkweise der Plattenindustrie in den frühen Achtzigern hatte. Benatar wurde zur Rock- Emanze, öffnete Türen für alle nachfolgenden Frauen im Rockgenre. Ihr Kampf gegen Klischees, sabbernde, sexistische Entscheidungsträger bei Labels, frauenfeindliche Denkweise bei Promotern und Radioleuten etc.... war hart, aber hat sich letztendlich gelohnt. Und genau das sind die wirklich lesenswerten Themen in diesem Buch.

Etwas zu kurz kommt der steile musikalische Aufstieg zur Rock-/Pop Ikone, hier hätte man sich etwas mehr Details gewünscht. Dafür nimmt sie aber auch kein Blatt vor den Mund als es um den Einbruch ihrer Karriere ging. Hier wird weitgehendst analisiert warum ,wieso und wie der zukünftige Weg der Dame sein wird. Ehemann, Produzent und Gitarrist Neil Giraldo, das wird mehr als deutlich, ist wesentlich mitverantwortlich für die große Karriere von Benatar die mit über 22 Millionen verkaufter Platten und neunzehn Top-40 Singles zu den ganz Grossen gehört. Das bisher leider nur in englisch erschienene Buch enthält nicht all zuviel Fotos, was ein deutlicher Nachteil ist. Kritisieren muß man auch einige zu große Lücken zwischen den Alben, aber ansonsten bekommt man einen ersten guten Eindruck wie die ganze Sache für Pat Benatar lief. Kann man empfehlen.

`Suzie Smiled...The New Wave Of British Heavy Metal` (Independent Music Press) von John Tucker (siehe auch Diamond Head/Brain Tatler Bio) ist ein klassischer Fall von Pflichtlektüre. Hier bekommt man Fakten aus erster Hand, denn Tucker war damals dabei, Vorort und Teil dieser Bewegung und kennt alle beteiligten, noch lebenden Musiker persönlich. Das Buch wirkt wie eine Zeitmaschine. Man beginnt zu lesen und schon nach ein paar Seiten in man in dieser Materie voll eingetaucht. Tucker liefert eine unglaubliche Fülle an Fakten, gut garniert mit eigenen Ansichten, Erfahrungen, Erläuterungen. Hier gibt es nichts aus zweiter/dritter Hand, Tucker und alle involvierten Personen sind Zeitzeugen und somit wirkt das hier niedergeschriebene absolut authentisch. Der einzige wirkliche Kritikpunkt sind die spärlichen Fotos im Mittelteil des Buches.

Da hätte man ruhig mehr bieten können und diese vielleicht aus Layoutgründen zu den jeweiligen Kapiteln hinzufügen können. Ansonsten ein echt überragendes Buch, das nichts als Fakten liefert, gut geschrieben ist, tolle Unterhaltung bietet und dem NWOBHM-Fan eine echte Lektion erteilt! Man merkt Tucker den Enthusiasmus beim schreiben dieses Buches, seine Art den Lesern den NWOBHM näher zu bringen, ist beeindruckend. Leider nur in englisch erhältlich, aber auch gut zu lesen für Fans mit weniger ausgeprägten Englischkenntnissen. Beim amazon für wenig Geld abzugreifen. Aber als Fan würde ich mir die Mühe machen und das Buch bei Tucker selbst bestellen: www.johntuckeronline.com

Tauffrisch ist anders, aber ein gutes Buch kann man auch noch vorstellen wenn es schon Dekaden hinter sich hat. In diesem Falle dreht es sich um Chris von Rohr´s Buch `Hunde Wollt Ihr Ewig Rocken`- seine Biographie in Bezug aus Krokus. Wie man weiß ist heutzutage wieder alles Friede, Freude, Eierkuchen im Hause Krokus und Chris von Rohr ist wieder Bestandteil der Schweizer Rocker. Dieses sehr unterhaltsame Buch ist äußerst amüsant geschrieben, mit viel Sarkasmus gewürzt und in Teilen enorm schonungslos. Chris beschreibt seine Geschichte bei Krokus bis zu seinem Ausscheiden 1983.... und bekanntermaßen hat CVR ein Mundwerk wie eine Machete... und dies kommt in diesem Buch deutlich zur Geltung. Die 14 Kapitel geben die Sicht seiner Dinge, was bei Krokus damals ablief. Sein Schreibstil ist locker, man hat das Gefühl man sitzt mit einem guten Kumpel beim Bier und er erzählt von seinem Trip in die Welt des Rock`n`Roll.

Man bekommt einen guten Einblick wie das Rockbusiness Ende der Siebziger/Anfang der Achtziger funktionierte und wie eine Truppe aus der Schweiz zu Stars in den USA werden, dort fette Arenen voll machen, megagroße Tourneen spielen und die kurz vor der letzten Stufe zum absoluten Rockolymp, ins stolpern geraden. Das Buch ist packend geschrieben, es fällt schwer es aus der Hand zu legen wenn man mal begonnen hat. Einzig die ersten Kapitel zu Rohr`s Jugend etc. sind etwas zu lange, zu zäh ausgefallen. Bleibt man aber da dran, geht es Ruckzuck in den Rock`n`Roll Ring und da geht es dann zur Sache. Rohr verschweigt auch nicht den Vorteil den man als Musiker mit Erfolg bei Frauen hat, und das ist ein häufiges Thema. Es gibt viele Insider Themen die einen letztendlich überraschen. Etwas zu kurz kommen Fotos, die es zwar gibt, allerdings in schwacher Qualität. Was wohl auch daran liegt, dass das Buch nur als Taschenbuch damals erschien. Heutzutage vergriffen, hat man vielleicht Glück auf ebay oder sonst wo eines zu ergattern, aber mit Preisen von 40-50 Euro muß man schon rechnen. Rohr selbst scheint noch minimale Restbestände zu besitzen, denn auf seiner HP wird das Buch noch für 33 Schweizer Franken angeboten. Zudem ist es als Hörbuch veröffentlicht worden. `Hunde Wollt Ihr Ewig Rocken` ist ein Kracher in seinem Metier und auch wenn man kein großer Krokus Fan ist, bleibt das Teil ein Must read! Die knapp 450 Seiten sind sein Geld wert. Perfekte, authentische Rock`n`Roll Unterhaltung!

Über Thrash Metal und speziell über die Szene in der legendären Bay Area wurde schon viel geschrieben und auch an Büchern gibt es da einiges. Gutes und schlechtes liegen da nahe beieinander. Der Maßstab in Sachen Bay Area Thrash Metal nennt sich allerdings `Murder In The Front Row` (Bazillion Points) von Harald Oimoen und Brain Lew. Das Buch ist eher als Fotobuch zu kategorisieren, definitiv nicht als reines Lesebuch.

Harold und Brain waren Anfang der Achtziger so clever und haben überall ihre Kleinbildkameras mit hingeschleppt und alles und jeden fotografiert. Was manche damals für bescheuert hielten und vielleicht über dieses abnorme Verhalten lachten, heutzutage sind diese Aufnahmen musikgeschichtliches Kulturgut. Die beiden waren hemmungslos und haben überall draufgehalten und so finden sich in diesem großformatigen Buch Fotos, die einem schlicht die Kauleiste runterklappen lassen. Die Jungs waren bei den ersten Exodus, Slayer, Metallica, Medadeth, Possessed Shows in der Bay Area dabei, haben diese Shows festgehalten und somit unglaubliche Zeitdokumente geschaffen. Klar, unter professionellem Aspekt sind viele Shoots nicht optimal, aber gerade das macht das Buch so sympathisch. Die vielen Backstage- und privaten Fotos sind aber die wahren Highlights dieses Buches. Z.B. wenn Mustaine mit Hetfield sich auf einem Bett rumsuhlen, wenn Ron McGovney und Mustaine ihre Marshalls aus den Vans hieven, wenn Paul Baloff Mustaine verschwitzt abschleckt, wenn Slayer mit Metallica in einem versifften Backstage Raum posen, es ist einfach der Wahnsinn was hier an unglaublichen Fotos vorkommt. Zu jedem Foto gibt es ein paar Zeilen im Zusammenhang wo, was, wie, warum. Für Thrash Metal Fans ist dieses Fotobuch PFLICHT. Hier hat man die frühen Thrash Legenden in jeder Sekunde fotografisch festgehalten. Dazu kommen Linernotes von Ron Quintana ( Herausgeber des legendären, kurzlebigen Metal Mania Fanzines) ), Gary Holt (Exodus),Robb Flynn (Machine Head, ex-Vio Lence), Alex Skolnick (Testament) etc... Harald Oimoen und Brain Lew gehören auch noch heute zu einer handvoll Thrash Metal Geeks, die das Rückgrat der alten Szene bilden. Oimoen spielt derzeit bei D.R.I. und wenn die mal bei euch um die Ecke spielen, geht hin, der Typ freut sich über jede Unterhaltung zum Thema Thrash Metal.

Das Kapitel ist hier nicht zu Ende, im Gegenteil. In loser Folge werde ich die Story up daten. Also immer mal bis zum Ende scrollen und checken ob neue Bücher dazu gekommen sind. Hier steht noch einiges im Regal rum!






09.05.13
Von: Jürgen Tschamler
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