VINSTA - Vinsta Wiads

2017 (Trollmusic) - Stil: Folk/Prog Death Metal


Weite, Licht, frische Luft, Freiheit, Melancholie - das sind die ersten Assoziationen, die mir beim Blindhören des folkloristischen Violinen-Intros von VINSTAs Debüt ‘Vinsta Wiads’ in den Sinn kommen. Beim ersten Lied träume ich mich dann, was die Heimat der Musiker angeht, nach Skandinavien, Finnland, vielleicht sogar Island; okay, ein Stadtteil Stockholms heißt genauso, also: Schweden.

Doch damit bin ich komplett auf dem Holzweg! Spätestens sobald Christian Hölls Gesang im Dialekt der Salzburger Alpen einsetzt, fällt endlich der Groschen - und dieses großartige Konzept macht mich mehr als neugierig. “Mountain Inspired Metal” aus Österreich, lese ich in der Presseinfo, und wundere mich, dass zuvor noch niemand auf die geniale Idee kam, progressiv-melodischen Deathmetal mit der rauhen, doch gleichzeitig singenden Mundart dieser Gegend zu verbinden. Und in dieser Wundertüte findet sich tatsächlich auch noch beides - wunderschöner, mehrstimmiger Klargesang und harsche Growls, ja, sogar feierliche, ausdrucksvolle Jodler (‚Aufgongsjodler’)! 

Aber es kommt noch besser: die Musiker verwenden für die akustischen Ethno-Parts nicht nur Geige und Flöte, sondern auch das regional so typische Hackbrett, was dem Gesamtklang der Band eine faszinierende und einzigartig warme Note gibt.

Im Gegensatz zu den meist düsteren Texten über eine menschenverachtende, gefühlskalte Umgebung steht die stets positiv stimmungsvolle Leadgitarre, die ihren Åkerfeld-Einfluss nicht verleugnen kann, aber vor allem von der Schönheit der allgegenwärtigen, mächtigen Natur der alpenländischen Heimat erzählt. Zwischenspiele wie Sturmtosen und Krähengekrächze leiten die Phantasie immer wieder hinaus ins Freie. Dazu puckern die sehr abwechslungsreichen Bassläufe mollig, fast funky im Hintergrund voran. Generell sind die verschiedenen Instrumente raffiniert wie in changierenden Schichten arrangiert, die den Hörer wie im Tanz umgeben, fast schützend einhüllen und trotz ihrer mächtigen Dynamik beruhigen. Nie steht das Schlagzeug in den melodischen Parts zu sehr im Vordergrund, wird es zornig-heftig (´Vinsta Wiads´, ´Dei Ruaf´ oder das abschließende Kammerspiel ´Gedonknschwa´) wechseln die Rollen und die Rhythmussektion gewinnt mehr an Gewicht, dabei bleibt jedoch alles stets wunderbar ausbalanciert und voller Spannung. Höll hat Musiker um sich geschart, die wie er selbst mit enormem Können und noch viel mehr Herzblut bei der Sache sind.

Es ist das immerwährende Spiel der Gegensätze zwischen der kalten Härte großer Herausforderungen und der hoffnungsvollen, seelenwarmen Leichtigkeit des Lebens, was diese Lieder so lebendig macht. Die ständigen Stimmungswechsel zwischen fragiler Melodie und kraftvoller Leidenschaft erinnern mich an spätere ALCEST oder AMORPHIS (´Elegy´-/´Tuonela´-Phase); und auch wer OPETHs Kleinode zu ‘Blackwater Park’-/‘Damnation’-Zeiten schätzt, kann hier bedenkenlos zugreifen.

VINSTA wie die Wolken über dem dunklen Bergsee des Covers sehe ich die Zukunft dieser jetzt schon sehr eigenständigen jungen Truppe keineswegs - sich vollends aus dem Schatten der Vorgenannten zu lösen, wird ihre Aufgabe für die Zukunft sein.

(7,5 Punkte)

https://vinsta.bandcamp.com/album/vinsta-wiads

Und für diejenigen, die nun Blut geleckt haben, hier noch der link zum vorangegangenen Demo: https://vinsta.bandcamp.com/album/vinsta

Herzlichen Dank an Dominik für diesen großartigen Tip!




04.09.17
Von: U.Violet
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