SULA BASSANA - The Ape Regards His Tail

2017 (Sulatron Records) - Stil: Electronik


SULA BASSANA aka Dave Schmidt (u.a. ZONE SIX, KRAUTZONE, WELTRAUMSTAUNEN, LIQUID VISIONS und ELECTRIC MOON) ist uns sowohl als Labelbetreiber (SULATRON RECORDS, inklusive angegliedertem Versandhandel für exquisite Tonträger) als auch und gerade als Musikschaffender sicher irgendwie ein Begriff. Viele seiner musikalischen Projekte halten den experimentellen Sound der frühen 70er durch frische Impulse lebendig und reißen den Hörer stets in einen Strudel aus Visionen. Und diesen Strudel generiert der gute Dave auf ganz unterschiedliche Arten.

Auf dem kommenden Soundtrack-Album ´The Ape Regards His Tail´ stürzt er sich ins Abenteuer Elektronische Musik. Wobei tanzwütige Zeitgenossen jetzt schon mit dem Lesen aufhören dürfen. Dave Schmidt ist hier kein Beatmeister, welcher die Massen hypnotisieren will, er malt Bilder mit Klängen. Verschiedenste Tasteninstrumente und Synthesizer, die meisten davon analog, dazu eine mächtige Batterie an Effektgeräten und seine geliebte E-Gitarre kommen zum Einsatz. Die Sitar beim zweiten Stück ´Dreams´ ist derweil nur eine Illusion von Dave mit eben jenen synthetischen Klangerzeugern und Effektgerätschaften hervorgerufen - wie eine Fata Morgana, die im trockensten Wüstensand eine sprudelnde Wasserquelle vorgaukelt.

Mystik strahlt die Musik auf diesem Album aus. Dunkel und geheimnisvoll in ihrer betörenden Melodik fesselt sie Deine Aufmerksamkeit an sich und projiziert Bilder unaussprechlicher Sinnlichkeit in Deine Seele. Entspannt fließen die Harmonien und dezenten Andeutungen von Melodien aus den Boxen gleich einem vielfarbigen Nebel. Sie legen sich wie ein lindernder Balsam auf Deine Sinne. Langsam schiebt sich eine Schicht an Klangfarbe über die nächste. Es entstehen Wege durch einen Garten der Lüste, wo die bezauberndsten Gewächse ihre Düfte verströmen und Du Dich als vollkommen gefangener Hörer komplett von der tristen, grauen, hektischen Realität zurückziehen kannst. Wenn ich sagen würde, dieses Album sei ein Schlüssel zur inneren Welt (ohnehin die einzige die zählt), manch einer würde mich für närrisch erachten.

Doch wenn Florian Fricke und Edgar Froese das hier noch hören könnten, die beiden wären stolz auf Dich, Dave. Ebenso sollte ein Manuel Göttsching sich dieses Meisterwerk elektronischer Klangmalerei einmal tieftun. Hier kehrt sich alles um, hier wird der Inspirierte zum Inspirierenden. Dave Schmidt setzt im Grunde auf die Grundmuster der alten Meister elektronischer Musik aus Deutschland. Ich höre und ordne zu. Aber genau diese Grundmuster werden mit neuer Bedeutung ausgefüllt und das Ergebnis hievt den Schüler auf eine Stufe mit den Lehrern. Die Grenzen zwischen den Zeitfenstern werden verwischt, zerrissen, schiere kreative Energie, die endlos in alle Richtung strömt, ist das Resultat. Und bei aller kosmischen Tiefe ist dieses Album so lebendig, so warm und voller Liebe.

Ich habe Dave nun schon mit ELECTRIC MOON live aufspielen sehen und ich kenne so manches seiner Werke. Sein Claim ist sehr eindeutig abgesteckt, sein Territorium festgelegt, aber stets weiß er zu überraschen. Wenn man denkt, dass elektronische Soundtrackmusik eigentlich eine reine Filmuntermalung bleiben sollte, so führt er diese Gedanken ad absurdum. Den Film dazu lässt der Hörer allein in seinem Kopf entstehen.

Es lohnt sich neben dem reinen Trippen auch ein genaueres Hinhören, da die Musik auf diesem Album doch oftmals vielschichtiger angelegt ist, als das Ohr zuerst wahrnehmen möchte. Es ist spannend und schön, in die Tiefe dieser Stücke zu gleiten und die verschiedensten Klangmuster zu erleben.

Dieses Album macht mich fertig und reinigt nebenbei meine Seele. Ich bin ihm verfallen und will mehr, will immer wieder auf diese faszinierende Reise gehen, die mich jedes Mal an einen anderen Ort führt. Daher gebe ich Euch jetzt noch den Tipp, sofern Ihr Freunde von Klaus Schulze, TANGERINE DREAM, POPOL VUH, Manuel Göttsching Solo und generell krautiger Elektronik seid, leiht diesem Meisterwerk beide Ohren und die Seele.

(10 Punkte für zeitlose Schönheit)




09.06.17
Von: Sir Lord Doom
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