SMALLTAPE - The Ocean

2017 (Independent) - Stil: Artrock


Kühl und doch voller Leidenschaft. Das ist SMALLTAPE. Als ob sich dunkel-graue Wolken über der trüben, aufgewühlten See aufreiben, so wie es das Coverartwork des zweiten Albums von SMALLTAPE veranschaulicht.

SMALLTAPE ist der Berliner Philipp Nespital, der sich als Musiker und Sound-Designer sieht. Leider kommt es für den Rezensenten erst mit ´The Ocean´ zum Erstkontakt mit dem Projekt des gebürtigen Neustrelitzers, wartet das im September 2011 georderte Debüt ´Circles´ weiterhin auf den üppigen Bergen ungehörter Schätze sehnsüchtig darauf, angespielt zu werden. Zwischendurch komponierte Philipp Nespital aber in 2014 sein erstes Orchesterstück ´One Life´, anschließend widmete er sich völlig dem Zweitwerk von SMALLTAPE, das sich ohne einige Gastmusiker zum Solo for One entwickelt hätte.

´The Ocean´ findet sich mit solch einer Verve ein, wie es zuletzt in 2016 allein SECOND RELATION (siehe hier) vollbrachten. Die ersten Minuten von ´When The Waves Divide´ führen den Hörer zwar mit einem Streichquartett aus Violinen, Viola und Cello diverser Gastmusiker in den Kosmos von SMALLTAPE ein, bereiten ihn aber längst nicht auf all dies vor, das in der anschließenden, überlangen Stunde folgen soll. Denn bereits das dramatische ´The Ocean Pt. 1´ lässt den Streicherorkan aufwallen, bis sich heftige Gitarrenanschläge ihr Recht verschaffen und Klaviertasten ebenso in den Vordergrund drängen. Eine seltene, sich in Ekstase spielende Vereinigung von Chamber und Alternativ Rock. ´The Sailor’s Tale´ wandelt sodann gar in Sphären der Schweden RITUAL, mit der Frage aller Fragen, die in der heutigen Zeit nicht nur Roger Waters beschäftigt:

Is this what you want from life?
Without asking yourself why
does this feel like lying to yourself?

Verschiedene Einflüsse beherbergt das teils hyperventilierende ´Mirror´, auch einen springenden Bass und ein hektisches Klavier, geradezu im Sinne früher SYLVAN. Die Streicher liefern sich mit der Akustikgitarre im über 15-minütigen Longtrack ´Kaventsmann´ ein unter die Haut gehendes Gefecht, das die Elektrifizierung kurzerhand auflöst, um jazzigen Klängen den Weg zu ebnen. Grandios scheint in ´Concrete Silence´ die Vereinigung von der amerikanischen Progressive Rock-Band ECHOLYN mit den britischen Alternative Rockern RADIOHEAD vollzogen zu sein.

Will I ever have enough?
Am I ever gonna stop?
Won´t you ever just shut up?
Cause I will take this truth escaping silence...

Wundervoll perlt der Akustikgitarren Rock von ´The Shore´, inklusive Tenor-Saxophon-Solo von Otis Sandijo, sowie im unglücklich wirkenden ´The Diver´, das dennoch seine Lebensfreude hinausposaunt, dahin. Die Schwere der Musik trägt ´The Ocean Pt. 2´ zurück ins Geschehen und endet im instrumentalen Exzess, bevor die Violinen in ´Picture Of A Dawn´ die aufstapelten Walls becircen, das Klavier seine Tastenkreise zieht und der Vorhang fällt, von einem mehr als außergewöhnlichen Werk.

(Big 8 Points)

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09.07.17
Von: Michael Haifl
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