ROBERT PLANT and THE SENSATIONAL SPACE SHIFTERS - Lullaby … And The Ceaseless Roar

2014 (Warner) - Stil: Rock


ROBERT PLANT, LED ZEPPELIN. Bei dieser kleinen Aufzählung fehlt mindestens noch ein Name, JIMMY PAGE, um eine der kongenialsten Partnerschaften der Musikgeschichte zu konkretisieren. Unvergleichliche, atemberaubende Magie entstand zwischen beiden aber immer nur im gemeinschaftlichen Verbund mit John Paul Jones und John Bonham als Gruppe. Denn Page/Plant haben zwar auch als Solo-Künstler brilliert, aber wie McCartney/Lennon und viele andere, nie Glanz und Gloria der Bandformation erreichen können.

Jimmy Page wartet wohl seit über dreißig Jahren, während er das Audio-Erbe von LED ZEPPELIN akribisch überwacht und immer wieder neu veröffentlicht, auf seinen Partner Plant. Doch dieser ließ sich bisher - außer bei dem kurzfristigen Projekt `No Quarter´ (1994) und dem formidablen ´Walking Into Clarksdale´ (1998) - zu keinen weiteren längerfristigen sowie gemeinsamen Aktivitäten hinreißen, immer der Angst erlegen, gemeinsam zu sehr mit der LED ZEPPELIN-Vergangenheit verglichen zu werden. Aus diesen Gründen kann allein Plant mit vielen Solo-Alben, nach dem Ende des Zeppelins, aufwarten, die aber auch er in den letzten Jahren zu sehr mit Cover-Song-Projekten ausgefüllt hatte.

Mit ´Lullaby … And The Ceaseless Roar´ präsentiert Plant nun seit ´Mighty Rearranger´ aus dem Jahre 2005 sein erstes Werk mit frischen und vor allem neuen eigenen Songs. Und Plant ist mit seinen mittlerweile 66 Jahren erfahren genug, kein möglicherweise erhofftes Retro-Rock Album in der LED ZEPPELIN-Schiene abzuliefern, denn dies hat er noch nie getan und bleibt somit weiter auf der Suche nach neuen Soundlandschaften. Und dabei benötigt, sucht und findet er immer wieder die passenden Mitmusiker.

Natürlich darf bei einer Band wie den THE SENSATIONAL SPACE SHIFTERS weder ein roh rockendes Werk à la `Now And Zen´ oder ein brillant pop-rockiges, mit wohlklingenden Melodien gesegnetes Werk im Stile von `Fate Of Nations´ aus früheren Solo-Tagen erwartet werden, aber auch kein müdes Alterswerk. Wie bei `Mighty Rearranger´ ist auch Gitarrist Justin Adams dabei, der ferner durch sein Schaffen mit den genialen Sahara Desert-Bluesern TINARIWEN bekannt wurde, und ebenso Liam 'Skin' Tyson, der Gitarrist der Britpop-Band CAST, die sogar Miesepeter Liam Gallagher mag. Interessant ist auch die Beteiligung des Keyboarders John Baggot und Bassisten Billy Fuller, beide Mitglieder von PORTISHEADs Geoff Barrow’s Nebenspielwiese BEAK>. Allein nur diese genannten Musiker lassen schon einen Rückschluss auf die Musik zu, die einen düsteren Rock beschwört, der sich aus Blues, Psychedelic über Folk bis hin zu Wüsten-Sounds mit leichten Trance und TripHop-Anklängen zusammensetzt. Plant experimentiert also weiter auf der Höhe der Zeit, wie seinerzeit seine smoothigen Synthie-Klänge schon zu Beginn seiner Solo-Karriere Anfang der 80er Jahre belegen.

Die beiden Songs `Little Maggie´ und `Arbaden (Maggie's Babby)´ rahmen das gesamte Liedgut ein. In einer Shisha-Bar treffen dabei Banjo-Klänge aus LED ZEPPELIN III auf rauchverhangenen TripHop. Nebel liegt dabei zuhauf in der Luft, wobei `Arbaden´ dem Melodie-Zauber am Ende dann noch Fulani-Gesang hinzufügt. Dazwischen erklingen Plant´sche Prachtwerke wie `Rainbow`, das eine gewisse Nähe zu U2, wie auch später der Rhythmus von `Up On The Hollow Hill`, nicht verbergen kann, und das großartige `House Of Love´. Einzig das eher zur Plant/Alison Krauss-Kollaboration passende `Poor Howard´ will nicht so ganz in den Songfluss passen. Aber zerbrechlich melodiöses (´Pocketful Of Golden´), episches und dabei im Delirium feurig aufspielendes (`Embrace Another Fall´), erhabenes (`Somebody There`), herrlich rhythmisches und dabei an `Manic Nirvana´ gemahnendes (`Turn It Up´) Songgut machen dies wieder wett. Weit mehr als PETER GABRIEL zelebriert Plant rockende World Music, er blüht geradezu in allen Liedern auf, versinkt in den Soundkaskaden, lässt eines seiner besten Solo-Werke entstehen und seine noch immer überragende Stimme erklingen.

(9 Punkte)




10.10.14
Von: Michael Haifl
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