HOWLING SYCAMORE - Howling Sycamore

2018 (Prosthetic Records) - Stil: Avantgarde Metal


"Der Sturm naht. Der Wind zieht mit seinem Hemd alles Irdische unter seine Arme. Mit einer Souveränität, einem Hauch von Erhabenheit sowie garstiger Kälte entreißt er alle Substanz in Erdnähe und aus dem Boden. Die frischen Windböen ziehen über den Erdball hinweg. Ein undurchdringlicher Wall, aus der Erde gewachsen, von Schlamm umringt, stellt sich diesem entgegen. HOWLING SYCAMORE, aus San Francisco, Kalifornien, soll er genannt werden. Erschaffen von dem 38-jährigen, gebürtigen Italiener Davide Tiso (GOSPEL OF THE WITCHES, ex-EPHEL DUATH), der Gitarre und Bässe aus der Finsternis in den Orkan schickt. Gepriesen von dem 52-jährigen Jason McMaster (DANGEROUS TOYS, ex-WATCHTOWER), der keinesfalls so klar wie zu Zeiten von ´Energetic Disassembly´ singt, sondern wie der Rabe kratzig, knarzig und knödelig die wirrsten Hochtöne überfliegt. Die monströse Wand kittet Hannes Grossman (NECROPHAGIST, OBSCURA) mit jedem Trommelschlag ein. Feurig die Stöcke auf das lodernde Feuer schlagend. Wirbel um Wirbelschlag. Gewaltig erscheinend, undurchdringlich. Hart und wuchtig, sind die Anschläge. Dicke Bass-Saiten pumpen das Blut durch die letzten Zuckungen. Finster ertönen die Gitarren. Reichliche Gitarren. Gar auch im blackmetallischen Hufaustritt. Kevin Hufnagel (GORGUTS, DYSHYTHMIA) und Fester (Burials, Humorous) sind als Gäste zu diesem Zweck anwesend, reißen energisch an den stromdurchleiteten Gitarrenbrettern. Ein Gefecht tobt inmitten von Naturphänomenen. Immer und immer wieder treibt das Saxofon von Bruce Lamont (YAKUZA, CORRECTIONS HOUSE) die Kompositionen in den Wahnsinn. Orgiengleich ergießen sich Ströme und Säfte im Andenken an John Zorn. Das Gebläse skizziert Kaskaden an den Erhebungen. Weinerliches Geschrei ist zu hören. Brodelnd schwillt die Atmosphäre. Unwiderstehlich. Unikal. Außerir... bruzzll...knarzz", tönt es auf der Frequenz von ANTENNE YELLOW, ehe die Verbindung aufgrund der extremen Wetterlage nach diesen letzten Sätzen zusammenbricht.

Dabei sollte die Abhandlung über das Debüt von HOWLING SYCAMORE weit ausufernder über den gelben Äther gejagt werden. Denn dieses selbstbetitelte Fabelwerk erschließt sich keineswegs sofort nach den ersten Umkreisungen. Hastige Hörer legen es entnervt zur Seite. Ein beträchtlicher Fehler. Nach und nach erschließen sich die Wirren der jaulenden Platane. Jason McMaster singt über einem überragenden, tackernden Schlagzeug, solange bis dieses Gnade walten und einem Satzgesang einen Lichteinfall in das Auge des Orkans ermöglicht. Aber auch das Saxofon treibt seinen Irrsinn johlend voran. Ein überirdisches Zusammenspiel zwischen bösem Schlagzeug, Bass und Saxofon, dem sich die Gitarren nicht entziehen können und es einem Wunder gleichkommt, dass sich der Rabe trällernd darüber entfalten kann (´Upended´ aka „I'll Stare Back Into Darkness“). Trommelblitze, mörderischer Natur bilden das Gerüst des hektischen Treibens über dem McMaster wie eine angekratzte Gottheit schlendert. Die Hemdsarme des Windes scheinen zu dirigieren. Am Ende siegt das Trommelfeuer, der Irrgesang und die einschreitende Tröte (´Obstinate Pace´ - aka „Fire Is Power, Power Is Silence“). Im orientalischen Melodienreigen schlängelt es sich hernach ganz eindrucksvoll, dunkle Unwetter fallen ein, treiben Donnerrhythmik in die Tiefe des Sturms, wo seine Heimstätte ist (´Let Fall´ aka „Push Till“). Zurückgenommen breitet sich eine Aura der Leidenschaft, der Besessenheit bedachtsam hin zur Spitze aus (´Midway´). In der Ruhe, in der Komfortzone des Sturms ertönt Dunkelfolk. Knarzende Gitarren, akustische Saitenanschläge halten den Ausbruch im Zaum, die Ekstase im Antlitz (´Chant Of Stillness´ aka „Right Now, Right Here“). Hämmerndes Voranschreiten ermöglicht melodisches Singen im Windesrausch. Aufwallende Böen keilen sich hinein. Hysterie drängelt. Brandende Winde sausen herbei. Angekommen. Zuhause. (´Descent To Light´ aka „I Am Home“). Allmählich löst sich der Sturm auf. Normalität hält Einzug. Nichts wird mehr so sein wie es war.

(9 Punkte)

https://www.facebook.com/howlingsycamore/
https://howlingsycamore.bandcamp.com/




19.01.18
Von: Michael Haifl
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