B.S.T. - Die Illusion

2013 (Eigenproduktion) - Stil: Doom


Eine norddeutsche Band, die sich dem brachialen Doom hingibt und ihn zudem mit deutschen Texten versieht, darauf hat die Musikwelt gewartet. Und zweifellos war diese Schritt für B.S.T. der einzig richtige. Selten passen Musik, Lyrik und die musikalische Gesamtatmosphäre so geschlossen zusammen wie hier. Gegründet wurde die Band noch unter dem Namen BLUT SCHWEISS TRÄNEN, doch mit Verschwinden der Core-Wurzeln wurde auch der Bandname verkürzt, so dass B.S.T. seit nunmehr 2009 in dieser Zusammensetzung musizieren. Nach zwei EPs liegt nun das Full-Length-Debüt der Band vor und der Hörer fragt sich schon nach dem allerersten Durchgang, wieso nicht viel mehr Gruppen auf den Nutzen der schönen deutschen Sprache zurückgreifen und wieso nicht gerade im Metal-, und hier auch im düsteren Doom-Bereich, die als so hart gepriesene deutsche Sprache folglich auch hier die einzig richtige Wahl ist? Da es nun mal keine anderen Gruppen dieser Art gibt, fallen somit etwaige Vergleiche natürlich ungemein schwer, destotrotz assoziiert das Ohr in Verbindung mit so einigen Gehirnteilen beim Lauschen der Klänge einige doom-fremde Gruppennamen, die wie wild von den Gehirnströmen hin und her geschossen werden. Einem Gehirnstrang fallen BAFFDECKS, einem anderen WEISSGLUT und dem nächsten die göttlichen EISENVATER ein, doch alles ohne jegliche Gewähr, da niemand dieser Gruppen Doom im Sinne der Definition gespielt hat. Mit `Die Illusion` steigen B.S.T. schön böse in das Album ein und halten den Hörer mit ihrer Schwermut lange bis zur Erlösung ("es ist die illusion, in der nacht, dass ich die emotionen spüre, gibt mir macht") hin. Gerade die lyrische Ader der Band beweist, dass die Songs nicht nur lebensverneinend sein müssen, nein, verzichtet endlich auf Euer Zaudern, auf Anstand und Moral und genießt das Leben. Denn wer beim anschließenden Refrain von `Die Moral` nicht auf den Knien sitzt und die Sonne aufgehen sieht ("lass uns leben, komm und nimm meine hand, auf dem weg, ich kann dir nichts besseres geben, nenn es freiheit, nenn es nichts zu verlier'n, all mein stolz, wird gebraucht zum überleben"), der befindet sich schon mindestens sechs Fuß unter der Erdoberfläche. Doch `Die Lüge´ hält eine weitere Steigerung parat. Beginnt der Song noch wie ein CANDLEMASS-Gedächtnis-Song, schwenkt er kurzerhand ins akustische über und lässt eine fast 70s-artige-Prog-Poesie-Lyrik erklingen, um sich dann wieder herrlich in Sternenregionen empor zu kriechen („was die nacht verbirgt, das zeigt der morgen, die unnachgiebigkeit, die du nicht verstehst, wenn man den hass verliert, dann ist es bald soweit, dein schutzschild liegt in trümmern, jenseits und in deiner macht“). Damit endet unvergleichlich gut die erste Seite des Vinyl-Albums und der Song `Die Bilder` eröffnet die B-Seite. Der einzige Song, der nicht ganz die Höhen der anderen erklimmen kann. Doch `Die Nacht` - besser können WARNING den Doom auch nicht zelebrieren, denn diese vermögen es nicht ihre Riffs mit solch passender deutscher Lyric zu schmücken („die nacht, ist am schönsten allein, egal, wie verlockend es klingt, ich warte darauf, laufe nicht hinterher, die nacht, ist am schönsten allein") - und das abschließende `Die Hoffnung` lassen den Hörer gen Sternenhimmel schweben. Hart, düster und zugleich himmelhochjauchzend - B.S.T. !!

(9 Punkte)

 

In der Vinyl-Edition zu empfehlen:

B.S.T. Bandcamp

HOMEPAGE B.S.T.




02.02.14
Von: Michael Haifl
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