Very Eavy Festival 2015

03. und 04. April 2015


Fotos: Martin Brandt

Das niederländische Very Eavy Festival hat sich innerhalb von fünf Jahren zu einem echten Geheimtipp - auch für deutsche Metalfans - gemausert, denn da der Austragungsort Stadskanaal direkt hinter der Grenze liegt, ist die Anreise aus Norddeutschland ein Katzensprung. Für 2015 haben die Macher ihr bisher wohl attraktivstes Billing aufgeboten und wurden dafür mit einem ausverkauften Haus belohnt.

Freitag:

Den Freitags-Opener machten die blutjungen ENCHANTRESS aus Belgien, die mit NWOBHM-lastigen eigenen Songs und passend dazu gewählten Coversongs (u.a. 'Wasted' von Def Leppard) zumindest einen Achtungserfolg einfahren konnten.

Nachdem es VENOM ja noch gibt und mit M:PIRE OF EVIL/VENOM INC. sogar ein ähnlicher Ableger existiert, stellt sich die Frage nach der Daseinsberechtigung der holländischen Coverband VERGIF und da Frontmann Reza Spoelstra sehr negativ mit aggressivem Verhalten gegen die Festivalcrew auffiel, fällt der - schließlich sogar abgebrochene - Auftritt von VERGIF wohl unter das Fazit: Nullnummer!

 

Beim US Trio NIGHT DEMON konnte sich der VERGIF-Schwachmat dann mal anschauen, wie professionelles Verhalten und musikalisches Feuer Hand in Hand gehen. Mit den Songs ihres Debütalbums wie 'Full Speed Ahead', 'Curse Of The Damned' oder 'Screams In The Night' konnten die Jungs um den charismatischen Fronter Jarvis Leatherby das Publikum sofort überzeugen. Die sympathische Truppe bewies wieder einmal, dass sie zurzeit zu den besten Livebands im traditionellen Metal gehört und deshalb wollte der Jubel dann auch nicht abebben, als NIGHT DEMON ihren schweißtreibenden Gig dann doch beenden mussten.

Da kann die holländische Institution ELISE mit ihrem durchaus gelungenen Songmaterial und souveränen Auftritt energietechnisch dann doch nicht mehr mithalten und der Veranstalter muss sich die Frage gefallen lassen, ob der Headline nicht doch eher aus lokalpatriotischen Gründen gewählt wurde. Deutlicher Punktsieger des ersten Tages waren auf jeden Fall NIGHT DEMON.

Samstag:

 

EAR DANGER

Eigentlich sind die holländischen EAR DANGER bereits seit Anfang der Achtziger aktiv, haben es aber erst 2011 (“Full Blast At Last”) und 2014 (“Warrior Soul”) zu Alben-Veröffentlichungen gebracht. So richtig spannend war der Auftritt des Samstag Openers dann auch nicht, während die meisten Fans, die Merchstände inspizierten, liefen EAR DANGER eher als Nebenbeibeschallung und auch auf der Bühne tat sich wenig, was daran gelegen haben könnte, dass Sänger Leon Lohmann auch noch als Gitarrist tätig ist und somit an den Mikroständer gebunden ist. Die Songs wurden fehlerfrei vorgetragen, aber wirkliche Begeisterung machte sich nicht breit.

 

EAR DANGER

Warrior Soul
I Am Your Enemy
Star Illusion
Bound By The Law (Of Heavy Metal)
Burn At The Stake
Beelzebub’s Friend
City On Fire
Shock & Awe

 

THE DEEP

Über die Briten von THE DEEP wusste ich im Vorfeld recht wenig. Ich hatte lediglich gehört, dass die Band aus ehemaligen Mitgliedern von DEEP MACHINE bestehen würde und die hatten bei ihrem KIT Gig ja durchaus einen zufrieden stellenden Eindruck hinterlassen. Kurz vor dem Auftritt erzählte mir NIGHT DEMON Fronter Jarvis Leatherby noch, dass er bereits das THE DEEP Album “Premonition” gehört und es ihm gut gefallen habe, was natürlich nur für die Band spricht. Trotz dieser Vorschusslorbeeren war ich nicht darauf vorbereitet, dass THE DEEP mir aber mal so richtig gut gefallen würden, denn die Jungs um Sänger Tony Coldham waren mit Abstand die positivste Überraschung des gesamten Very Eavy Festivals. Mit tollen britischen Hardrock/Metalsongs irgendwo in der Schnittmenge zwischen SAXON und alten RIOT haben mich THE DEEP schwer beeindruckt und konnten den DEEP MACHINE Auftritt beim KIT sogar noch deutlich übertrumpfen. Tracks wie 'The Rider' oder 'Nightstalker' gingen bereits beim ersten Hören ins Ohr und dass es nicht nur mir so erging, beweist die Tatsache, dass die Fans nach dem Auftritt den THE DEEP-Merchandisestand stürmten und in Rekordzeit leer kauften. Tolle Band, tolles Album, toller Auftritt - dreimal Daumen hoch für THE DEEP!


 

THE DEEP

Premonition
The Rider
Nightstalker
Out Of Touch
When The Rains Came
You Take My Breath Away

 

AIR RAID

Nachdem ich AIR RAID nun schon ein paar Mal mit ihrem neuen Frontmann Arthur W. Andersson gesehen habe, habe ich mich auch mit der Tatsache abgefunden, dass es niemals mehr so sein wird, wie mit dem Original-Sänger Michael Rinakakis, aber das kann man dem guten Arthur nicht ankreiden. Er gibt sein bestes.

Seltsamerweise befand sich beim Very Eavy Festival bei AIR RAID schon wieder ein neues Gesicht auf der Bühne, aber das wohl nur temporär, denn für den etatmäßigen Klampfer Johan Karlsson war kurzfristig der Saitenzupfer von KATANA eingesprungen, was dem musikalischen Genuss keinen Abbruch tat. AIR RAID boten einen soliden Querschnitt aus ihren mittlerweile drei Veröffentlichungen und konnten die Fans mit Songs wie 'When The Sky Turns Red', 'Night Of The Axe' und einer insgesamt gelungenen Performance überzeugen.

 

AIR RAID

Kaos
Wildfire
When The Sky Turns Red
Sounds To Destroy
Flying Fortress
Madness
Night Of The Axe
A Blade In The Dark
Midnight Burner

 

TYSONDOG

Die älteren Herren aus Newcastle stammen aus der zweiten Reihe der NWOBHM und haben gerade mit “Cry Havoc” ein eher belangloses neues Werk eingespielt, das scheint ihnen auch aufgefallen zu sein, denn mit 'Shadow Of The Beast' und dem Titelstück wurden bei Very Eavy nur zwei Songs dieses Albums präsentiert und der überwiegende Teil der Setliste stammte von den Achtziger-Veröffentlichungen “Beware Of The Dog” und “Crimes Of Insanity”.

TYSONDOG gaben sich auch auf der Bühne wie räudige Hunde, die durch nasskalte englische Straßen streifen und alles und jeden ankläffen. Mich persönlich konnten sie mit ihrer Performance nicht wirklich begeistern. Ein paar anderen Anwesenden schien es etwas besser gefallen zu haben, aber da es auch keine wirklichen Zugaberufe gab, stellte die Band mit 'Taste The Hate' ihre Tätigkeit ein. Was ihnen zumindest einen Höflichkeitsapplaus einbrachte - einmal zweite Reihe, immer zweite Reihe.

 

TYSONDOG

Hammerhead
Don’t Let The Bastards (Grind You Down)
The Inquisitor
Cry Havoc
Blood Money
Dog Soldiers
The Machine
Painted Heroes
Shadow Of The Beast
Taste The Hate

 

SAD IRON

Neben EAR DANGER waren SAD IRON die Lokalmatadoren des heutigen Tages und wer die Band noch aus den Achtzigern kannte, der wusste, dass man nicht unbedingt auf filigrane Musizierkunst hoffen durfte. Aber irgendwie ist mit 90% der Urbesetzung - von der nur noch Gitarrist Bernard Rive übrig ist - auch einiges an Dilettantismus abhanden gekommen, denn SAD IRON waren an dem Abend überraschend stark. Angefeuert von Bernards messerscharfen Riffs boten die Niederländer ihr klassisches Songmaterial wie 'Demon's Night' oder 'We All Praise The Devil' richtig gut dar. Überraschenderweise lag das Hauptaugenmerk gar nicht auf dem - gerade von Skol Records auf CD wiederveröffentlichten - Debüt “Total Damnation”, sondern auf dem zweiten - unveröffentlichten - Album “The Antichrist”. Natürlich wurden die Jungs von ihren Landsmännern ordentlich abgefeiert, aber das hatten sie sich durch ihre energische Performance auch redlich verdient.

 

SAD IRON

Demon's Night
Prisoners
We Play To Kill
Where Warwinds Blow
We All Praise The Devil
Powerthrash
You Are Obsessed
Live Like A Rat

 

SACRED STEEL

Dass ein Song der schwäbischen Stahlschmiede SACRED STEEL 'Metal Is War' heißt, war mir bekannt, dass dies mittlerweile aber das Bandmotto sein könnte, hat mich doch etwas überrascht. Mit brutaler Härte fielen Sänger Gerrit Mutz und seine Mannen in das holländische Festival ein und hinterließen doch ein paar fragende Gesichter. Selbst grundsätzlich eher melodische Mitsinghymnen wie 'Heavy Metal To The End' wurden in ein Riffgewitter sondersgleichen verwandelt und ließen dem Publikum keine Minute zum verschnaufen.

Insgesamt kamen SACRED STEEL vielleicht nicht ganz so gut an, wie ihre Bühnenvorgänger, aber das schien ihnen ganz egal zu sein. Mit dem bereits angesprochenen 'Metal Is War', dem Death Metal-lastigen 'Slaughter Prophecy' und 'Wargods Of Metal' beendete das Quintett ihren Auftritt, von dem ich mir dann doch ein wenig mehr Melodie und ein bisschen weniger Härte gewünscht hätte. Der Triumphzug der folgenden TOKYO BLADE zeigte, dass es vielen Festivalbesuchern eventuell ähnlich ging.

 

SACRED STEEL

Maniacs Of Speed
Heavy Metal To The End
Open Wide The Gate
No God No Religion
Denial Of Judas
Metal Reigns Supreme
Blood On My Steel
Metal Is War
Slaughter Prophecy
Wargods Of Metal

 

TOKYO BLADE

Nach dem Abgang von Nicolaj Ruhnow haben die Engländer von TOKYO BLADE nicht lange gefackelt und seinen direkten Vorgänger Chris Gillen (Ex-OVERLOAD) wieder ins Boot gehört und das entpuppte sich auch für den Auftritt beim Very Eavy Festival als absoluter Glücksgriff, denn der Ami passt zur Band wie Arsch auf Eimer und scheint selbst ein großer TOKYO BLADE Fan zu sein. Er hatte auch keine Scheu, die mit Nicolaj eingespielten Tracks des immer noch aktuellen Studioalbums “Thousand Men Strong” zu singen.

Angetrieben vom melodiösen Spiel des Bandleaders Andy Boulton verzückten die japanischen Klingen ihr holländisches Publikum aber auch mit allerlei Klassikern von “Midnight Rendezvous” und “Night Of The Blade”. Insgesamt hat mir dieser Gig besser gefallen, als der Auftritt beim BYH!!! wo ich die Band zuletzt live gesehen hatte. Als zum Ende die Zeit knapp wurde, kämpfte insbesondere Sänger Chris dafür, dass noch Klassiker wie 'If Heaven Is Hell' gespielt werden konnten. Ich denke mal, die meisten Anwesenden hätten diesen Track auch ziemlich vermisst.

 

TOKYO BLADE

Someone To Love
Death On Main Street
Break The Chains
Lunch-Case
Dead Of The Night
Forged In Hell's Fire
Thousand Men Strong
Always
Lightning Strikes
Meanstreak
Love Stuck
Sunrise In Tokyo
Night Of The Blade
Midnight Rendezvous
If Heaven Is Hell

 

RAVEN

Ich kann es absolut nicht verstehen, warum es allen anderen Bands, die irgendwo zusammen mit RAVEN auftreten, nicht absolut peinlich ist, dass drei Mittfünfziger immer noch mehr Energie haben als sie. Und so waren die beiden ausgewanderten Briten und ihr amerikanischer Schlagwerker auch beim Very Eavy Festival wieder der energiegeladenste Act im Billing und wurden dafür vom Publikum zu Recht gehörig abgefeiert.

Neben Klassikern wie 'All For One', 'Rock Until You Drop' oder 'On And On' platzierten RAVEN mit 'Destroy All Monsters' und 'It's Not What You Got' auch zwei Tracks ihres neuesten Werks “ExtermiNation”. Ich persönlich habe mich sehr über 'Speed Of The Reflex' und sogar noch mehr über 'Faster Than The Speed Of Light' gefreut, aber eigentlich ist es ja fast egal, welche Tracks die Jungs in ihrer unvergleichlichen Art zum besten Geben, wer sich als Metal Fan bei einem RAVEN Gig nicht vortrefflich amüsiert, der hat offensichtlich schwerwiegendere Probleme.

 

RAVEN:

Hard Ride
Live At The Inferno
All For One
Destroy All Monsters
Rock Until You Drop
Stay Hard
Don`t Need Your Money
Speed Of The Reflex
It's Not What You Got
Faster Than The Speed Of Light
On And On
Break The Chain
Mind Over Metal

 

SATAN

Vor schwerwiegende Probleme sahen sich auch SATAN gestellt, denn obwohl sie mit “Life Sentence” ein - in dieser Form nicht erwartetes - unglaublich starkes Comeback Album vorgelegt hatten, war es sicher keine leichte Aufgabe, nach der Powervorstellung von RAVEN auf die Bühne zu folgen.

Aber mit den “Court In The Act” Klassikern 'Trial By Fire' und 'Blades Of Steel', wählten SATAN zumindest schon mal einen perfekten Einstand und auch sonst machten die NWOBHM Heroen eigentlich keine Fehler. Während Graeme English (b) und Sean Taylor (d) für den Rhythmus sorgten, fiedelten Steve Ramsey und Russ Tippins auf ihren Klampfen Melodien für die Ewigkeit. Über allen thronte der wie immer erhabene Gesang von Brian Ross, der wieder mal äußerst mitteilsam war und jede Song-Pause mit interessanten und lustigen Anekdoten zu füllen wusste.

SATAN spielten die Tracks von “Court In The Act” im fleißigen Wechsel mit Songs des aktuellen Longplayers “Life Sentence” - aber auch ein Demotrack wie 'Oppression' (vom ersten SATAN Demo, 1981), sowie die beiden Songs der 1982er “Kiss Of Death” Single ('Heads Will Roll' und 'Kiss Of Death') schafften es in die Setliste. Leider blieb z.B. 'Broken Treaties' außen vor, aber auch so boten SATAN einen sehr gelungenen Headliner Gig, der in Gegensatz zum RAVEN Auftritt vielleicht etwas weniger rabiat, aber dafür etwas melodischer gestaltet war - beides hat mir gut gefallen.

 

SATAN

Trial By Fire
Blades Of Steel
Time To Die
Twenty Twenty Five
Break Free
Cenotaph
Life Sentence
The Ritual
Siege Mentality
Oppression
Incantations
Testimony
Alone In The Dock
Heads Will Roll
No Turning Back
Kiss Of Death

 

Wiedermal war das Very Eavy Festival ein tolles Erlebnis mit einem ausgewogenen Line Up und einigen echten Highlights. Ich hoffe, die Macher können im nächsten Jahr in Stadskanaal daran anknüpfen, obwohl gerüchteweise wohl bereits ein paar Probleme aufgetaucht sind, die gegen eine Fortführung des Festivals sprechen. Ich hoffe, es wendet sich noch alles zum Guten und auch 2016 gibt es wieder ein Very Eavy Festival. Ich würde diese kleine Underground Perle doch schon vermissen.




13.05.15
Von: Martin Brandt
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