UNCLE ACID AND THE DEADBEATS, SPIDERS

25.10.2015 – Frankfurt, Zoom Club


(Fotos: J.Tschamler)

Die Konzertdichte Ende Oktober ist enorm. Eigentlich kann man jeden zweiten Tag zu einem interessanten Konzert gehen. Diese Situation macht es nicht gerade für die tourenden Bands leichter, Zuschauer zu aktivieren. Vor allem ist das ja auch eine finanzielle Frage.

Dennoch hat sich an diesem Sonntagabend eine beachtliche, nach Retrosound gierende Meute in den Zoom Club aufgemacht, um sich das hochinteressante Tourpackage UNCLE ACID AND THE DEADBEATS/ SPIDERS reinzuföhnen. 

Punkt 20 Uhr standen Göteborgs SPIDERS um Frontfrau Ann-Sofie Hoyles auf der Bühne und ließen es auch gleich krachen. Zwar war die Band platztechnisch auf der kleinen Bühnen sehr eingeschränkt, was ihnen jedoch den Spaß am Auftritt nicht vermieste. Aktivposten Fr. Hoyles ackerte für ihre Gage, keine Frage, während die Herren Hoyles und Griphammer sich eher dezent bewegten. Die Songauswahl war gelungen. Gerade die Stücke vom letzten Album `Shake Electric` überzeugenden umgehend. Allen voran das wunderbare `Hard Times` bei dem die großartige Stimme von Ann-Sofie perfekt zur Geltung kam. Gänsehaut pur!

  

Zur Tour hatte man gerade die 3-Track-EP `Why Don`t You` veröffentlicht, und deren Titeltrack fand sich nun auch in der Setlist. Gute Wahl. Die Band spielte souverän, sehr selbstsicher und brachte die Anwesenden schnell auf Betriebstemperatur - mit einer ausgewogenen Songauswahl. Gut zu sehen, dass die Band sich Live nicht nur auf ihre schnellen Songs konzentrierte, sondern auch groovige Stücke spielte, die den ganzen Gig auflockerten. Ein runder, makelloser Gig der SPIDERS, die aufgrund ihres unverwechselbaren Stils deutlich populärer sein müßten. Musikalisch vielleicht nicht der perfekte Opener für die Briten von UAATD, die ja einen ganz anderen Stil fahren, aber eine gute Möglichkeit sich auch Fans zu präsentieren, die die Truppe noch nicht auf dem Schirm hatten.

Im Frühjahr 2014 waren UNCLE ACID AND THE DEADBEATS mit BLACK MOTH im Nachtleben live zu bestaunen. Der Laden glich damals einer Sauna, was im Zoom Club an diesem Abend glücklicherweise nicht der Fall war. Deutlich mehr Publikum als letztes Mal war leider ebenfalls nicht anwesend. Ist das nun gut oder schlecht? Im Falle der Briten eigentlich weniger gut, denn die Fanbase scheint nicht sonderlich gewachsen zu sein, trotz eines großartigen dritten Albums, das erst kürzlich veröffentlicht wurde (`The Night Creeper`).

Auf der letzten Tour hatte man während des Auftritts noch einen kleinen Showeffekt hinter dem Drumkit laufen lassen: Filmchen mit Blubberblasen und Softporno-Szenen. Auf dieses Gimmick hatte man dieses Mal verzichtet. Wie schon auf der letzten Tour kamen die vier Briten mit Strassenklamotten auf die Bühne, sprachen nicht viel und hatten auch sonst nicht viel Interesse mit dem Publikum zu kommunizieren.

Kevin Starrs (V/G) Gesicht konnte man erneut nur erahnen, Slash-like waren die Haare konstant im Gesicht. Neuzugang Vaughn Stokes am Bass bewegte sich in einem Radius von max. 50 cm. Dafür poste Yotam Rubinger an der zweiten Klampfe überraschenderweise immer mal wieder. Seine coolste Aktion war, einer Nervbacke in der ersten Reihe den Mittelfinger ins Gesicht zu strecken! Das hatte dieser auch mehr als verdient! Monk.

Musikalisch war dagegen alles perfekt. Vier Songs vom aktuellen Album `The Night Creeper` fanden sich in der Setlist: `Waiting For Blood` (mit dem man den Gig eröffnete), `Murder Nights`, `Pusher Man` sowie `Melody Lane`. Gerade die beiden letztgenannten Songs waren echte Highlights und gut für Gänsehaut! Natürlich waren die Stücke noch eine ganze Schippe intensiver als auf Platte, da fiel einem fast schon das Esszimmer aus der Verankerung. Kevin Starrs Gesang war beeindruckend, gerade was die helleren Töne betraf- Dass er aber teilweise Texte ablesen musste, war dann doch etwas irritierend.

Ebenfalls etwas irritierend die Fans ... zwischen den Songs gab es immer mal wieder kleinere Pausen…und dazu Stille ... sehr ungewöhnlich ... keinen Mucks, kein Geschrei. Welche Vermutungen läßt dies aufkommen: Das Publikum war ausgepowert, zu alt oder vielleicht sogar zu intellektuell? Jedenfalls war das eine ganz komische Sache.

Insgesamt haben UNCLE ACID erneut bewiesen, dass sie in einer eigenen Liga spielen - mit ihrem unverwechselbaren Sound, der einen konstant mit dem Körper mitschwingen läßt, insofern die Herren ihre grandiosen Rhythmen in die Atmosphäre blasen.

So gut wie die Platten sind: Nach so einem Gig wünscht man sich, dass die Band die Gitarrenpower ihrer Liveshows auch im Studio forcieren könnte, was den Platten noch mehr Intensität verleihen würde.

Geiler Abend und ein echtes Konzert-Highlight!

Frechheit des Abends: 30 Euro für das Doppel-Vinyl von `The Night Creeper`!

 

 




28.10.15
Von: Jürgen Tschamler
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