SUICIDAL ANGELS, SKULLFIST, EVIL INVADERS, MORTILLERY

19. Oktober 2016, Weinheim, Cafe Central


Pics: Jürgen Tschamler

  

 

 

 

 

 

 

Ein hammermäßiges Gemenge aus Thrash sowie Speed Metal-Bands aus der Generation “Junge Wilde“ pflügt gerade die deutschen Clubs um. Alles Bands mit soliden Alben, tadellosem Ruf und hohem Nachrücker-Potential. So war es kein Wunder, dass sich knapp 250 Fans im Cafe Central einfanden, um sich von diesem Vierer-Package einen gepflegten Mittelscheitel ziehen zu lassen, das unter dem Slogan „Divison Of Blood“-World-Tour hier Station machte.

Den Beginn machten die Kanadier MORTILLERY um die großartige Frontfrau Cara McCutchen. Aus meiner Warte aus eine der besten Thrash Metal-Sängerinnen, die es derzeit gibt. Ihr stimmliche Breite von harten, rohen Parts sowie ansatzweise sehr hellen Screams ist einer der ganz großen Pluspunkte der Madame, die mit ihren weißen Boots an diesem Abend ein echter Blickfang war.

30 Minuten lang donnerte das Quintett ordentlich durch seine drei Alben. Der old schoolige Thrash-Sound mit vereinzelt punkigen Einlagen war ideales Moshfutter. Obwohl die kleine Bühne für fünf Musiker schon sehr beengt war, machte man das Beste daraus und feuerte aus allen Rohren. U.a. prügelte man `Shapeshifter` runter, für das man gerade ein neues Video veröffentlicht hatte. Die 30 Minuten waren im Falle MORTILLERY viel zu schnell rum, aber man hatte die Fans gut vorgeglüht.

Dass EVIL INVADERS vor SKULLFIST auf die Bühne mussten, erschloss sich mir nicht wirklich. Sind die belgischen Speed Bolzen doch absolute Rampensäue und liefern immer überragend.

Im Falle EVIL INVADERS machte sich die kleine Bühne allerdings sehr negativ bemerkbar. Denn die Jungs sind eine Vollgastruppe mit dem Bedürfnis nach großem Auslauf. Und so peitschte man zwar seine Speedgranaten brillant in die Clubatmosphäre, konnte aber aufgrund der beengten Verhältnisse kaum, wie sonst üblich, ausrasten. Der Stilmix aus EXCITER und RAZOR ist aber auch unschlagbar. Das konstante Touren der Belgier machte sich auch diesen Abend bemerkbar in Form eines ultraprofessionellen Auftritts, der dennoch soviel Herzblut und Spontanität freisetzte, dass einem die Ohren glühten. Die zwei neuen Songs (`As Life Slowly Fades` und `Raising Hell´) der aktuellen MLP `In For The Kill`, fanden sich ebenso in der Setlist wie vier ältere Speedgranaten, die alle dafür sorgten, dass die Meute vor der Bühne gut durchgemischt wurde. Für mich ganz klar der Sieger dieses Abends, obwohl dieser auch nur 30 Minuten Spielzeit hatte.

Negativ fiel eigentlich nur auf, dass die Belgier ihren kompletten Auftritt in einer fetten Rauchwolke absolvierten. Wie sich später herausstellte, war die Rauchmaschine defekt und konnte nicht abgestellt werden…

Nach so einem Auftritt mussten sich die kanadischen SKULLFIST schon mächtig anstrengen um die Meute bei Laune zu halten. Aber zu meiner Überraschung gelang es den Kanadiern und sie waren sogar in der Lage, noch einen draufzusatteln. Die Location hatte man voll im Griff. Moshpits, Dauerbangen, Hellraisen, Mitgröhlen - SKULLFIST boten die komplette Breitseite in Sachen Speed Metal.

Auf der Bühne tobte, soweit es ging, der Bär und der Funke übertrug sich flugs auf das Publikum. Das war einer schwitzenden Orgie schon verdammt nahe, insofern man das Publikum zum Maßstab nahm. Mir persönlich war das leicht eindimensional, etwas mehr Abwechslung in Sachen Songauswahl wäre nicht schlecht gewesen. Dennoch konnten die Kanadier den Auftritt als vollen Sieg verbuchen.

Der Headliner SUICIDAL ANGELS ließ sich Zeit, lieferte dafür aber eine krachende Breitseite. Die griechischen SLAYER machten ihrem Ruf alle Ehre. Vor der Bühne war die Hölle los. Moshpits der harten Sorte mit viel Ellenbogeneinsatz.

Aber das störte niemanden, denn die Riffwand der Griechen war brutal. Klar, innovativ ist anders. Aber für das, was die Jungs lieferten, wurden sie abgefeiert. Zwölf Songs lang prügelte man den Scheiss aus seinen Instrumenten. Dabei wirkte das Stageacting gewohnt SLAYER-lastig. Sprich viel Bewegung gab es nicht. `Reborn In Violence`, `Moshing Crew`, `Seed Of Evil` oder `Bloodbath` gehörten zweifelsohne zu den Highlights.

SUICIDAL ANGELS mögen eine SLAYER-Kopie sein, dafür müssen sie sich allerdings nicht schämen, denn dafür sind sie zu gut, zu brutal und zu konsequent. Alles wirkte enorm tight und professionell. Das kam bei den Fans gut an und so konnten die Griechen diesen Abend als vollen Erfolg abhaken.

Viel Schweiß, viel Thrash und Speed Metal, viel Energie, viel Spaß - was will man als Thrasher mehr? Ein starkes Tourpackage, das deutlich zeigt, auch ohne alte Hasen des Business können die „Jungen Wilden“ was auf die Beine stellen und liefern dabei äußerst professionell und authentisch. Neben der erst kurz zuvor beendeten DESTRUCTION, FLOTSAM AND JETSAM, NERVOSA, ENFORCER Tour gehörte das „Divison Of Blood“-Package ohne Zweifel zu den Thrash-Highlights 2016.

Übrigens: Alle Fotos sind OHNE Netz und doppelten Boden geknipst - sprich Moshpit. Daher suboptimal.




25.10.16
Von: Jürgen Tschamler
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