ROCKFELS

7. / 8. August 2015, Freilichtbühne Loreley


Die Loreley hat eine lange Geschichte als Konzert- und Festival-Location. Vor fast 40 Jahren begann alles mit einem Konzert von GENESIS. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte sah das Halbrund eine Menge internationaler Größen, zu denen auch immer wieder Vertreter der härteren Gangart gehörten. Nun also soll das RockFels an diese Tradition anknüpfen und Fans des melodiösen (Power)Metal verwöhnen. Das Festival wird direkt vom Betreiber der Loreley Venue Management GmbH veranstaltet. Wir waren bei der ersten Ausgabe vor Ort.

Als Freitags-Opener müssen SERIOUS BLACK gegen 13 Uhr auf die Bühne. Im weiten Rund ist noch reichlich Platz. Nur die ersten Reihen vor der Bühne sind gefüllt. Unter anderem liegt es wohl auch daran, dass sich eine längere Schlange vor dem Eingang gebildet hat. Davon lassen sich die Süddeutschen mit dem schwedischen Sänger nicht abhalten und zocken locker sieben Songs ihrer am Jahresanfang erschienenen Debütscheibe. Sänger Urban Breed hat schon bei TAD MOROSE oder BLOODBOUND bewiesen, dass seine Stimme für diese Art von Musik wie geschaffen ist. Die Band wird von den treuen Fans vor der Bühne abgefeiert, auch wenn die beiden Protagonisten Thomen Stauch und Roland Grapow nicht im aktuellen Line-up vertreten sind.

Nach einer erfreulich kurzen Umbaupause rocken mit AXXIS weitere Szenebekannte die Freilichtbühne. Sänger Bernhard Weiß hüpft wie ein Flummi über die Bühne und albert mit dem Publikum herum. Die Band besteht inzwischen über 25 Jahre, was für genügend Songmaterial sorgt, das von den Besuchern vor Ort amtlich abgefeiert wird. Trotz der Hitze verharren die Fans vor der Bühne. Zwischen den Auftritten erhalten sie Abkühlung aus dem Wasserschlauch, den ein freundlicher Security-Mitarbeiter über den Köpfen der ersten Reihen schwenkt. Auf Wunsch wird auch mal ein Shirt komplett durchweicht. Überhaupt ist die Security das ganze Festival über sehr nett und entspannt. DRAGONFORCE entern die Bühne wegen eines durch Hitzeeinwirkung abgerauchten Mischpults mit reichlich Verspätung. Um so enthusiastischer feuern die Jungs ihren Power Metal in Hochgeschwindigkeit ab. Die Flitzefinger an den Saiten werden von einem mindestens genauso schnellen Keyboarder unterstützt und auch der Sänger ist gut dabei. Teilweise macht er seine Ansagen in Deutsch. Da die Sonne sich so langsam hinter die Zeltmuschel absenkt, kommen die ersten Reihen in den Genuss von Schatten. Der ist sonst nur noch ganz oben am Ende des Geländes unter den Bäumen zu finden, wo weitere Gäste sich das Spektakel aus einiger Entfernung zu Gemüte führen. Durch die Verzögerung zu Beginn, müssen die Jungs aber 20 Minuten ihres Sets kürzen.

Mit weiteren 20 Minuten Verspätung betritt die zahlenmäßig größte Truppe die Bühne. Die RED HOT CHILLI PIPERS präsentieren altbekannte Rocksongs in neuem Gewand und mit für Metalfans recht ungewöhnlichen Instrumenten. Dudelsäcke, und Blechblasinstrumente sorgen für den besonderen Sound, den die Band als „Bagrock" bezeichnet. Da auch noch Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard zur Besetzung zählen, kommen auch etwas konservativere Rockfans auf ihre Kosten. Die Mischung macht's und so können die PIPERS diesen Auftritt als Gewinn verbuchen

Leider treten auch die PRETTY MAIDS mit Verspätung auf. Das sei ihnen aber verziehen, da sie mit ihrem Best-of-Programm schnell für glückliche Gesichter sorgen. Die Dänen haben ja auch inzwischen genügend Material angehäuft, mit dem sie locker einen mehrstündigen Gig bestreiten könnten. Allerdings kommt es leider doch nicht soweit. Nach der regulären Spielzeit ist Schluss. Zwischendrin animiert Sänger Ronnie, der noch immer sehr gut bei Stimme ist, das Publikum zu Mitsingspielchen und unterhält es mit einigen deutschen Vokabeln. Inzwischen füllt sich die Freilichtbühne und sieht nicht mehr ganz so verloren aus. Am Ende geben die Veranstalter 2500 zahlende Besucher zu Protokoll. Da hatte man sich sicher mehr erhofft, aber eine Woche nach Wacken waren einige wohl noch zu schlapp - oder einfach pleite.

GOTTHARD trumpfen mit einem „Bang!“ auf, so lautet der Titel der jüngsten Scheibe. Da die Zeit inzwischen fortgeschritten ist, versinkt die Sonne im Westen und die Lichtshow kommt zur Geltung. Das Schlagzeug von Drummer Hani ist als Ami-Schlitten verkleidet, was gut zur Musik der Eidgenossen passt, die sich gern von der Musik aus den Staaten inspirieren lassen. Neben eigenen Songs wird mal eben „Hush“ gezockt. Zwischendrin jammen Gitarrist und Drummer, der Rest klinkt sich ein. Sänger Nic hat sich gut in die Band integriert und agiert selbstbewusst. Die passionierten Biker passen perfekt auf dieses Festival.

Die Verzögerungen vom Nachmittag werden nicht mehr aufgeholt. Das macht jetzt aber auch nichts mehr. Zumindest schafft es die Stagecrew das aufwendige Bühnenbild, das durch zwei seitliche Drops ergänzt wird, zeitnah zu installieren. Ich glaub ich steh im Wald. Hinter dem erhöhten Schlagzeug, das seitlich durch Treppen erreichbar ist, erhebt sich ein altes Schloss, das von Bäumen umstanden wird. Inzwischen ist es komplett dunkel und die farbig wechselnden LED-Scheinwerfer hüllen die Bühne in verschiedenste Farbtöne. HAMMERFALL ist übrigens die erste Band des Tages, die ohne Keyboarder auskommt. Die Schweden zelebrieren ein 80-minütiges Programm, das Songs aus allen Dekaden erhält. Auf der Bühne geht es bewegungsfreudig zur Sache und auch das Halbrund der Freilichtbühne feiert eine Party. Zwar ist es noch immer warm, aber die drückende Hitze ist weg und ein leichter Wind sorgt für Abkühlung.

Nachdem der letzte Song verklungen ist, warnt eine Mitarbeiterin des Veranstalters vor einem Unwetter und bittet darum die Pavillons abzubauen, da es stürmisch werden soll. Zum Glück bleibt es die ganze Nacht über trocken. Gewitterleuchten und ein paar Windböen sind alles, was uns vom Unwetter erreicht.

So kann der Samstag mit einem zünftigen Frühstück beim Besucherzentrum beginnen. Es soll auch da schon wieder Alkohol geflossen sein. Eigentlich sollten BEYOND THE BLACK um 13 Uhr das Programm eröffnen. Um diese Zeit ist die Bühne aber noch leer. Etwas später erscheint die „Unwetterwarnerin“ vom Vorabend und verkündet, dass die als zweiter Akt eingeplanten MANTAR nicht spielen können und daher der Opener einen längeren Set bekommt. Das erneut noch nicht sehr zahlreich vor der Bühne befindliche Publikum honoriert das mit Beifall. Es sind wohl ein paar Fans der Band um die junge Sängerin Jennifer Haben am Start. Bei Sonnenschein und leichtem Wind ballert die Truppe ihren Mix aus Gothic und sinfonischem Bombast in die Runde. Neben der klaren Stimme der Chanteuse steuert einer der Gitarristen tiefe Vocals bei. Der Rezensent genießt derweil den Ausblick vom Biergarten ins wunderschöne Rheintal.

Trotz längerem Set kann die Lücke im Programm nicht voll gefüllt werden. So stehen die Schwaben BRAINSTORM schon zehn Minuten vor der geplanten Zeit auf der Bühne und feuern ihren Power Metal unters anwesende Volk. Sänger Andy B. Frank unterhält die Anwesenden mit schwäbischer Mundart. Der Band ist der Spaß an der Sache direkt anzusehen. Hier stehen Leute auf der Bühne, die ihre Musik leben und lieben. Aber auch vor der Bühne befinden sich Metaller mit Herzblut. Sie singen bei den Singspielchen, die Andy immer wieder mal anstimmt, gern mit und intonieren bereits den Chor von „All Those Words“ bevor der Song überhaupt angekündigt ist. Der Set dauert am Ende fünf Minuten länger als geplant. Sehr, sehr geil. Irgendwann im Laufe des Nachmittags schafften es die Jungs auch ihr Merch an den Start zu bekommen und zeigen durch die günstigsten Preise aller Bands Fannähe.

Eigentlich hätte ich persönlich BRAINSTORM mindestens eine Stufe höher im Programm angesiedelt, diese Position haben die Veranstalter aber PINK CREAM 69 zugesprochen. Außer einem Backdrop haben die Jungs nichts auf der Bühne. Die sieht so zwar etwas kahl aus, das wird aber durch die Musik wett gemacht. Die aus Karlsruhe stammende Band mit internationalen Mitgliedern zeigt, dass sie auch heutzutage noch zu den besseren deutschen Kapellen in diesem Metier zählt. Da zwischenzeitlich immer mal Wolken die Sonnen verdecken, was im Zusammenspiel mit dem leichten Wind für Entspannung sorgt, lässt es sich vor der Bühne aushalten. Die dort ausharrenden Musikfans gehen gut ab und feiern die Truppe gebührend. Wer sich stärken will, kann dies übrigens weiter oben auf dem Gelände, wo Fleischfresser und Vegetarier gleichermaßen zufriedengestellt werden. An den strategisch gut verteilten Getränkeständen sind kaum Wartezeiten zu verzeichnen. Das liegt sicher auch am noch immer nicht überragenden Zuschauerzuspruch. Hier ist noch Luft nach oben.

Auch wenn das Publikum nicht mehr so arg unter der Hitze leiden muss, die folgende Kapelle hätte sich definitiv noch kühleres Wetter gewünscht. Unter ihren Latexmasken läuft den Monstern von LORDI der Schweiß in Strömen. Sänger Mr. Lordi stellt das auch in teilweise deutschen Ansagen und deutlichen Worten klar. „Es ist scheiße fucking heiß.“ Dennoch wird das Programm komplett durchgezogen. Das beinhaltet Entertainment vom Feinsten, inklusive Konfettiregen und Trockeneisnebel. Passenderweise spielen die Finnen „The Man Behind The Mask“ von ALICE COOPER und natürlich auch „Hardrock Halleluja“. Zu „Scareforce 1“ trägt Mr. Lordi dann noch eine Pilotenmütze. Vor diesen Monstern muss keiner Angst haben. Die wollen nur spielen und tun das auch zur Freude der Gäste ausgiebig.

Warum U.D.O. mit leichter Verspätung beginnen, wird nicht ganz klar, ist aber auch nicht wichtig. Angekündigt als „The Tank“ betritt der Mann die Bühne, der schon Tarnhosen getragen hat, als SABATON noch Lätzchen trugen. Doch Udo Dirkschneider ist heute nicht der Einzige mit diesem Nachnamen. Seit diesem Jahr trommelt nämlich sein Sohn Sven in der Band. Und es ist kaum zu glauben, obwohl Udo schon lange im Geschäft und die Loreley schon fast genauso lange eine Konzertbühne ist, hat die Band des Solingers noch nicht hier gespielt. Eine doppelte Premiere also. Das Hauptprogramm der aus größtenteils jungen Musikern bestehenden Mannschaft besteht aus U.D.O.-Songs, aber als Zugabe gibt es erst „Metal Heart“ und dann, mit Unterstützung von Obermonster Mr. Lordi, „Balls To The Wall“. Geiles Programm. Im nächsten Jahr geht Udo als „Dirkschneider“ mit einem Accept-Set auf Tour um das Thema dann für immer ad acta zu legen.

Was Udo in Deutschland, ist Biff Byford in Großbritannien. Eine Persönlichkeit mit einer markanten Stimme und langer Historie. Die stellt er seit mehreren Jahrzehnten in den Dienst seiner Band SAXON. Mit denen entert er nun die Bühne vor einer inzwischen ordentlich gefüllten Arena. Man konzentriert sich bei der Songauswahl vorwiegend auf älteres Material, präsentiert aber mit dem Titelsong der im Herbst erscheinenden neuen Platte „Battering Ram“ auch nagelneues Material, das wohlwollend aufgenommen wird. Die Anwesenden sind somit die ersten, die den Song in Deutschland live auf der Bühne erleben dürfen. Das Team um Biff strahlt Spielfreude aus und hat sichtlich Spaß. Bassist Nibbs wirft fast inflationär mit Plektren um sich, die teilweise im Publikum, teilweise aber auch vor und auf der Bühne landen. Die Hits „Wheels Of Steel“ und „Denim & Leather“, bei dem Biff die Kutte eines Fans trägt, beenden den Set. Für SAXON war dies der letzte Auftritt in Europa auf ihrer aktuellen Tour. Nun geht es nach Amerika, bevor die Jungs im November für die Shows mit MOTÖRHEAD zurückkehren. See you!

Nach einem solchen Gig ist es für die nachfolgende Band schwer, noch einen drauf zu setzen. Das wissen sicher auch die Herren von HELLOWEEN. Hier helfen dann nur ein gigantisches Bühnenbild und Eier aus Stahl. Über beides verfügen die Hamburger. Passend zum Cover der erst wenige Wochen zuvor veröffentlichten CD „My God Given Right“, erhebt sich hinter dem mit vier Bassdrums ausgestatteten Drumkit der Kopf der Freiheitsstatue. Nach dem Intro „Its A Long Way To The Top“ erklingen zwei Klassiker bevor der Titelsong der aktuellen Scheibe zu Gehör gebracht wird. So wechseln die Herren sich mit älterem und jüngerem Material ab. Ob es aber das lange Drumsolo gebraucht hätte? Mir wäre ein weiterer Song lieber gewesen. Sänger Andi Deris hat das inzwischen ausgelaugte Publikum im Griff und trifft die Töne. Gegen Ende werden dann mehrere Hits in einem Medley zusammengefasst und die Oldies „Futureworld“ und „I Want Out“ beenden des Set und damit die erste Auflage des RockFels-Festivals.

Der Veranstalter bedankt sich bei den Anwesenden und verspricht eine Neuauflage im nächsten Jahr. Wir sind gespannt und kommen gern wieder zu einer der geilsten Locations in Deutschland.




13.08.15
Von: Jensonaut Knutson (Text und Fotos)
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