ROCKFELS 2017

15. bis 17. Juni 2017, RockFels Festival, Loreley


 

Zum dritten Mal rief uns der Fels ins Rheintal. Seit dem letzten Jahr hat sich einiges verändert. Nicht immer nur zum Guten.

Als Erstes fällt der neue Eingangsbereich auf. Er ist großzügig ausgelegt und erlaubt nun den Zugang zur Freilichtbühne ohne Treppen steigen zu müssen. Rollstuhlfahrer haben nun eine eigene Tribüne. Dann fällt der Blick auf die neue Bühnenüberdachung. Die alte Konstruktion war den aktuellen Anforderungen nicht mehr gewachsen und wurde komplett ersetzt. Die komplette Location soll im Laufe der Zeit modernisiert und aufgehübscht werden. Momentan ist aber noch alles im Umbau begriffen, so dass das Festival quasi auf einer Baustelle stattfindet und beim aktuellen Wetter zu einer staubigen Angelegenheit wird.

Tag 1, 15. Juni

Wie schon im letzten Jahr, eröffnen die Berliner TXL das musikalische Treiben. Viel ist noch nicht los vor der Bühne. Das liegt aber weniger an der Klasse der Musiker, sondern eher am schleppenden Einlass, der Tatsache, dass viele Besucher von dort zurück ans Kassenhäuschen geschickt werden, da sie dort ihre Rücksäcke und andere Gegenstände, die nicht aufs Gelände dürfen, abgeben müssen. Wer es dann ins Innfield geschafft hat, sucht erst einmal Schatten unter den Bäumen oder in den ersten Reihen. Das Trio, das bereits im letzten Jahr zwei Auftritte hier hatte, ist als Anheizer gut gewählt.

Mit KISSING DYNAMITE geht es dann gleich explosiv weiter. Das schwäbische Abrisskommando geht in die Vollen und kann sich über eine kräftig angewachsene Schar Fans vor der Bühne freuen. Auch wenn die Truppe schon eine ganze Weile aktiv ist, zählt sie doch noch immer zum Nachwuchs. Aber auf den dürfen wir mal richtig stolz sein.

Nach den Jungspunden kamen mit UGLY KID JOE alte Veteranen auf die Bühne. Obwohl Sänger Whitfield Crane seinen linken Arm in einer Schlinge trug, schaffte er es mühelos das Publikum zu animieren.

Auch durch leichte technische Probleme ließen sich die Amerikaner nicht aus der Ruhe bringen und lieferten ihren funkigen Hardrock ab. Besonders bei den Hits ging die Post ab. Nicht unbedingt meins, aber gut.

Wenn wir einmal bei alten Männern sind. Das Schweizer Urgestein KROKUS um Chris von Rohr und Marc Storace ist schon über 40 Jahre aktiv. In dieser Zeit hat sich ein riesiger Fundus an Songs angehäuft, aus dem sich die Band nun munter bedient. Und das überaus erfolgreich. Bis kurz vorm Gig sah es nach Regen aus und einige wenige Tropfen fanden auch den Weg an die Loreley, doch mit Beginn des Auftritts verschwanden die dunklen Wolken. Soviel zum Thema alte Männer. Das war eine sehr solide Angelegenheit.

Obwohl die Schweizer das Gewitter verjagt haben, hören wir zum Konzertbeginn von AXEL RUDI PELL schon wieder Donnergrollen. Das kommt aber glücklicherweise vom Band. Der Gitarrenvirtuose aus Wattenscheid ist auch schon über 30 Jahre aktiv und inzwischen eine feste Größe im deutschen Musikgeschäft. Vor wenigen Wochen wurde sein fünftes Balladen-Album veröffentlicht.

Bei den Songs greift die Band aber auch auf rockige Nummern zurück, so dass der Gig eine kurzweilige Sache wird. AXEL brilliert an der Gitarre und die Mitstreiter haben ebenfalls ihren Spaß. Sänger Johnny Gioeli rennt wie angestochen über die Bühne und singt dennoch überragend. Feine Sache.

Mit GOTTHARD steht als Headliner des Abends eine weitere Schweizer Band auf der Bühne. Die Tessiner haben die Organisatoren mit ihrem Auftritt vor zwei Jahren wohl dermaßen beeindruckt, dass sie die Truppe erneut verpflichtet haben. Eine gute Wahl. In der langsam einsetzenden Dunkelheit kommt auch die Lichtshow zur Geltung. Mit einem Mix aus aktuellem Material und älteren Songs macht die Band nix falsch. Höhepunkt ist dann eine abschließende Jamsession mit den Kollegen von KROKUS. Das war ein würdiger Abschluss des ersten Festivalabends.

 

Tag 2, 16. Juni

Der Radiosender Rockland Radio veranstaltet jährlich einen Wettbewerb um die beste Cover-Band in Rheinland-Pfalz. In diesem Jahr hat sich MOTÖRHAZE den Sieg und damit den Opener-Platz am Freitag erspielt. Der Name der Band lässt Rückschlüsse auf die dargebotene Musik zu. Und wirklich glauben wir, dass Lemmy persönlich auf die Loreley zurückgekehrt ist. Obwohl die Band als Quartett auf der Bühne agiert, werden meist Songs aus der Frühphase des legendären britischen Trios dargeboten. Als Muntermacher waren Songs wie ´Bomber´ und ´Ace Of Spades´ genau richtig. Super.

Der Kontrast zur nächsten Band könnte nicht größer sein, da mit XANDRIA nun eine Opernsängerin mit Gefolge meine gut geölten Gehörgänge strapaziert. Einzige Möglichkeit, ich flüchte. Sorry. Als ´ROCKFELS SHOW BAND´ angekündigt, treten TXL erneut auf, diesmal mit Coversongs. Auch diese Darbietung zieht mich nicht wieder vor die Bühne.

Erst als SANCTUARY mit ihrem Set beginnen, bin ich wieder am Ort des Geschehens. Was ich da sehe ist starker Tobak. Sänger Warryl Dane sieht aus, als hätten ihn seine Jungs gerade von der Straße weggefangen. Teilweise macht er einen verwirrten Eindruck, singt aber genial und kann sich auch verständlich artikulieren.

Der Sound klingt allerdings leicht übersteuert und komischerweise wird der Song ´Future Tense´ nicht gespielt, obwohl er auf der Setlist steht. Auf die spätere Nachfrage, warum die Band ihren Termin zur Autogrammstunde nicht wahrgenommen hat, kam die erstaunte Aussage: Da hat uns niemand etwas davon gesagt. Schade.

Mit DELAIN kann ich leider auch nix anfangen und daher genieße ich lieber den Ausblick vom Biergarten auf den Rhein um dann bei SALTATIO MORTIS wieder vor Ort zu sein. Bisher habe ich die Spielleute noch nie live gesehen und war durchaus positiv überrascht. Der Mittelalter-Metal, gepaart mit teilweise sozialkritischen Texten, gefällt. So wie SUBWAY TO SALLY im letzten Jahr, passt die achtköpfige Truppe gut ins Billing. Da sich die Sonne den ganzen Tag meist hinter Wolken versteckt hielt, sorgen die Flammenwerfer und die Pyroshow für ordentliche Hitze.

BLIND GUARDIAN verzichten auf Feuerspielereien und starten, wie schon seit Jahren, mit ´The Ninth Wave´ ihren Set. Der hat es aber heute in sich. Ab dem fünften Song wird die komplette ´Imaginations From The Other Side´ in kompletter Länge präsentiert. Hansi hat das Publikum im Griff und spätestens beim ´Bard's Song´ singt das komplette Rund mit. ´Mirror, Mirror´ ist dann der Rausschmeißer und entlässt uns fasziniert und dankbar in die Nacht.

 

Tag 3, 17. Juni

Passenderweise werden wir auch am heutigen Morgen wieder an eine große Band erinnert. OHRENFEINDT aus Hamburg erinnern noch immer leicht an AC/DC und erweisen sich als perfekter Opener für den dritten Festivaltag. Das Halbrund vor der Bühne ist schon gut gefüllt und das hanseatische Trio rockt ordentlich. Dabei kommen auch schon Songs der in einer Woche erscheinenden neuen CD ´Zwei Fäuste Für Rock'n'Roll´ zum Zuge. Die Autogrammstunde direkt neben der Bühne zieht sich dann bis zum Auftritt der nächsten Band.

Diese nennt sich FIREWIND und ist das Baby des Gitarristen Gus G., der auch schon in Diensten von Ozzy Osborne stand. Hier bietet er seinen eigenen Stoff an, der sich als melodiöser Power Metal entpuppt. Besonders beeindruckend, neben den Fähigkeiten des Gitarrenhelden, ist die Vielseitigkeit seines Mitstreiters an der zweiten Gitarre, der gleichzeitig noch in die Keyboardtasten haut. Henning Basse als Sänger passt perfekt zum Sound der internationalen Band. Coole Sache.

Die alten Recken von KINGS X passen mit ihrem progressiven Rock nicht ganz in das Rooster, finden aber dennoch Anklang und werden von einigen Fans ordentlich abgefeuert. Sänger Doug macht sich besonders durch seine Ansagen Freunde im Publikum und wird beklatscht. In einem kleinen Club, vor echten Fans, macht so eine Band sicher mehr Sinn, war aber als Farbtupfer sehr interessant. Und der Kontrast zur nächsten Band könnte nicht größer sein.

Den Faschings-Schunkel-Metal von ALESTORM wollte ich mir nicht antun und habe die Zeit für Nahrungsaufnahme genutzt. Die Zielgruppe war aber sicher zufrieden.

Von QUEENSRYCHE habe ich noch keinen schlechten Auftritt gesehen. Und auch der heutige macht da keine Ausnahme.

Sänger Todd gibt wieder alles, die Gitarristen Michael und Parker brillieren super und Bassist Eddie legt im Zusammenspiel mit dem Aushilfsdrummer Casy einen soliden Rhythmusteppich. Traditionsmetaller haben hier ihren wahren Headliner gesehen. Die Show hätte gerne länger gehen dürfen.

Auch wenn die Musik von TARJA, von ferne gehört, garnichtmal soooo übel klingt, die Stimme der ehemaligen NIGHTWISH-Sängerin ist nix für meine Ohren. Zumindest die hohen Töne nerven mich, in normaler Tonlage klingt das Mädel durchaus interessant. Nur leider singt sie so fast nie. Auch hier gilt: Es gibt ein Zielpublikum und das wird erreicht. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Und ich hab nicht ein Foto von dem Auftritt gemacht. Warum nur?

Nach drei Tagen auf dem RockFels wollen POWERWOLF die letzten Kraftreserven in uns wecken. Und das schaffen sie mit ihrer Metal-Messe auch. Mag man von der Musik halten was man will, egal ob eingängig oder simpel, die theatralische Inszenierung, die aufeinander abgestimmten Details, drei verschiedene Bühnenbilder und ein wenig Feuer sorgen für einen gelungenen Abschluss des Festivals.

Was bleibt ist die Hoffnung, dass die Organisatoren bis zum nächsten Jahr die vielen kleinen Fehler und Ärgernisse, die einem den Tag versauen können, beheben und ein feines Billing zusammenstellen. Einen Termin für 2018 gibt es noch nicht, der wird aber sicher zeitnah auf der Homepage www.rock-fels.de veröffentlicht.




19.06.17
Von: Jensonaut Knutson
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