NIKKI LANE, RUBY BOOTS

29.05.2017, Frankfurt, Nachtleben


Fotos: J.Tschamler

In den USA zählt NIKKI LANE zu den aufstrebenden Country-Ladies und hat gerade mit `Highway Queen` ein großartiges Album abgeliefert. NIKKI LANE steht nicht für die abgehobene Glamour Country Welt in riesigen Stadien, in denen Country-Multimillionäre sich an Megashows abarbeiten. Aber vielleicht kommt sie irgendwann da auch mal hin, wer weiß. Zumindest jetzt hat man die Möglichkeit, die Lady im sehr kleinen Rahmen zu sehen. Im Frankfurter Nachtleben stehen knapp 100 Leute vor der Bühne und müssen erst einmal die Australierin RUBY BOOTS über sich ergehen lassen.

 

RUBY BOOTS hat mit Country eher weniger zu tun. Ihr Stil setzt sich mehr aus Blues, Rock, Folk und eben einer kleinen Prise Country zusammen. Klassische Songwriter Mucke auf die man stehen muss. Es ist nicht jedermanns Sache, einer Lady mit ihrer Akustikgitarre zuzuschauen bzw. zuhören, deren Songs recht einfältig und banal klingen. Die Lady hat zwar durch ihr enorm kurzes Outfit eine sexy Ausstrahlung und obendrein eine kräftige Stimme, nur das Songmaterial ist nicht wirklich überzeugend. Die 30 Minuten ziehen sich und kein Song will zünden, da hilft auch die Verstärkung mit einer elektrischen Gitarre des NIKKI LANE-Gitarristen nichts. BOOTS kommt sympathisch und locker rüber, die Performance ist dennoch einfältig platt. Erwähnenswert sind allerdings die geilen Schuhe der Lady. Glam is back!

NIKKI LANE tingelt vor der Show fast schon eher unerkannt beim Merch (offenes Haar, tighte Jeans, ungeschminkt… ) rum, das unverschämt teuer ist für eine Clubtour. 30 Euro für ein T-Shirt, 25 Euro fürs Vinyl, für die limitierte Pic-Disc mit zwei Songs werden sogar 35 Euro aufgerufen. Poster einen Zehner…. Dementsprechend zurückhaltend ist der Konsum.

LANE und ihre Dreimannband gehen unspektakulär auf die kleine Bühne. LANE selbst hat sich zwischenzeitlich in eine pubertäre Collegeschülerin verwandelt - mit Zöpfen, einem Minidress und einer Gitarre, die ihren zierlichen Körper mehrheitlich verdeckt. Man steigt ohne Ansage gleich mit dem Titeltrack des aktuellen Albums ein, `Highway Queen´, und schiebt umgehend den zweiten Hit des Albums nach, `700.000 Rednecks`. Klingt alles arschtight und die Stimme imponiert. Kräftig, sehr dominant und dennoch schwingt dieses Country-Timbre mit, der dem Material diese unverwechselbare Note verleiht.

Von Show kann man hier nicht reden. Die Musiker stehen weitgehend auf der Stelle, während LANE mittig in der Bühne im Rampenlicht steht. Wobei Rampenlicht übertrieben ist. Lightshow - No. Show generell - No. Alles sehr minimalistich gehalten. LANE selbst wirkt auch eher unscheinbar, einzig die kräftige Stimme lässt aufhorchen. Wenig Ansagen, dafür gute, beeindruckend Songs, die zeigen, dass hier ganz klar der Focus auf der Musik liegt und nicht auf personalisierter Star-Attitüde oder Showelementen. Das ist auf der einen Seite langweilig, weil grundsätzlich nichts auf der Bühne passiert, hat aber den Vorteil, dass man sich auf die Songs konzentriert und eben diesen prägnanten Gesang.

In knapp 80 Minuten liefert NIKKI LANE eine optisch langweilige Show, musikalisch überzeugt sie jedoch umso mehr. Der überwiegende Teil des Gigs besteht logischerweise aus den Songs des aktuellen Albums, nur vereinzelt greifen sie auf Songs des Vorgängers zurück.

Sie beenden den Auftritt mit einer Bob Dylan-Coverversion von `You Ain`t Going Nowhere` in einer Longversion, die einen nach dem rockenden `Jackpot` zuvor wieder auf den Boden holt.

Dass im letzten Drittel des Gigs die zuvor erwähnte RUBY BOOTS Backing Vocals singt und sogar noch einmal einen Country-Song alleine singen darf, sei noch erwähnt, aber nicht zwingend notwendig gewesen.

Ein unspektakulärer Montagabend mit knapp 100 Zuschauern und geerdeter Stimmung, da wird so mancher Musiker mit der Realität konfrontiert, der in den USA einen ganz anderen Status genießt.




11.06.17
Von: Jürgen Tschamler
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