METAL ASSAULT VII

18. Februar 2017, Würzburg, Posthalle


Pics: Mario Lang

Das erste Festival-Highlight des Jahres findet traditionell in Würzburg statt. Zum siebten Mal luden Veranstalter Oliver Weinsheimer und sein Team zum 'Metal Assault' in die Posthalle. Und knapp 1.000 Fans folgten dem Ruf des internationalen Billings mit Namen wie NASTY SAVAGE, HELSTAR und ARTILLERY. Auch wenn der Headliner aus Florida äußerst zwiespältige Reaktionen hervorrief und der Sound nicht immer optimal war, lässt sich auch diese Auflage des kleinen KIT-Bruders als Erfolg verbuchen. Nicht zuletzt, weil bei der Spendenaktion für den beinamputierten Steve Grimmett beachtliche 1.640 Euro zusammenkamen.

Für streetclip.tv waren Jürgen Tschamler (JT) und Ludwig Krammer (LK) zugegen, als sich im Vorort des Metal-Himmelreiches die Tore öffneten:

 

 

BLACKSLASH

Das süddeutsche Quintett eröffnet das siebte 'Metal Assault'-Festival. Einem Großteil der um 13.30 Uhr bereits Anwesenden dürften die Jungspunde nicht viel gesagt haben, auch wenn das 'Sinister Lightning'-Debütalbum von 2015 schon ein ordentliches Kaliber war. Der Spaß und Enthusiasmus der Jungs ist zudem äußerst ansteckend, das unterhaltsame Stageacting und die saubere Spielweise ergeben zusammen eine solide Dosis German-Metal. Einige finden das Gebotene nicht so toll, weil zu austauschbar - was zu akzeptieren ist. Doch letztlich überwiegt die Freude. Der Gig endet mit einer stilechten Coverversion namens `It`s Got To Love` von RANDY, einer dänischen Band aus den Achtzigern. Zu bemängeln ist bereits hier der leise, leicht matschige Sound, den der Ersatz für den kurzfristig ausgefallenen Stamm-Mischer an diesem Samstag nie vollends in den Griff bekommen sollte. (JT)

 

 

VULTURES VENGEANCE

Auch die Italiener kämpfen von Beginn an mit massiven Soundproblemen. Während der ersten beiden Songs ist der Gesang fast komplett weg, der Rest noch matschiger als bei der Band zuvor. Doch VULTURES VENGEANCE lassen sich nicht irritieren und zelebrieren ihren epischen Metal leidenschaftlich. Dass der Stil doch etwas kauzig ist und sich somit selbst limitiert, konnte man schon auf dem letzten Release der Band, der EP `Where The Time Dwelt In`, und erst recht auf ihrer Demoproduktion erkennen. Der Gesang ist live deutlich zu dünn und die Songstrukturen sehr vorhersehbar. Da muss noch viel passieren, um die Band längerfristig im Gedächtnis zu behalten. (JT)

 

 

 

VULTURE

Nordrhein-Westfalens Antwort auf RANGER und die EVIL INVADERS schraubt die Drehzahl zwar ordentlich nach oben, so richtig will der Funke zur frühen Nachmittagsstunde aber nicht überspringen. Am ordentlichen Songmaterial der EP liegt's eher nicht, auch das neue Stück 'Electric Ecstasy' greift einem direkt an die Gurgel. Was der Band (noch) fehlt, ist Charisma. Nieten und Leder ersetzen kein Stageacting, dafür sind die beiden Coverversionen gut gewählt. 'Rapid Fire' (JUDAS PRIEST) und 'We Have Arrived' (DARK ANGEL) sorgen für verschärfte Zuckungen in den ersten Reihen. Die Bühne ist bereitet für bösartigen Schwedenstahl. (LK)

 

 

ANTICHRIST

Leider können die Satansbraten den guten Eindruck der 2013er-Show an selber Stelle nicht bestätigen. Viel zu zahm kommt der an frühe KREATOR und SLAYER erinnernde Black Thrash durch die Boxen, um mehr als das Dutzend Die-Hard-Fans vor der Bühne zu entzücken. Dummerweise scheinen auch ANTICHRIST Bewegung für überbewertet zu halten. Ausstrahlung: siehe VULTURE. Hinzu kommt der undifferenzierte Gitarrensound und die wenig erbauliche Stimme von Fronter Anton ´Steken´ Sunesson, der wie der (sehr) kleine Bruder von Martin van Drunen ins Mikro bellt. Im Studio geht halt vieles leichter. Das anstehende Zweitalbum wird zeigen, wo die Reise hingeht. (LK)

 

 

 

OSTROGOTH

Mit den belgischen Kultmetallern geht in der düsteren Halle die akustische Sonne auf. Die Show steht ganz im Zeichen des 1984er 'Ecstasy And Danger'-Albums, 'Queen Of Desire' und das herrliche Titelstück weisen den Weg. Sänger Josey Hindrix ist in starker Verfassung, auch der Sound ist plötzlich glockenklar und druckvoll. Die Fans feiern zu Melodic-Bomben wie 'Stormbringer' (traumhaftes Twin-Solo) und 'Paris By Night'. Bei den EP-Schätzen 'Full Moon's Eyes' und 'Heroes´ Museum' gehen auch in den hinteren Reihen die Fäuste nach oben. So hat zeitloser Wohlfühl-Metal zu klingen!  (LK)

 

 

 

WITCHFYNDE

Auf die Engländer hatte ich mich im Vorfeld am meisten gefreut, obwohl in der Erinnerung immer noch dieser grottige Auftritt beim KIT 2004 klebte. Mit nur 45 Minuten Spielzeit lässt sich den vielen Klassikeralben natürlich nicht gerecht werden, was dann auch einen der Hauptkritikpunkte darstellt. Der Sound ist etwas besser als bei den meisten anderen Bands, obwohl im Bassbereich etwas mehr Feintuning gut getan hätte. Die ´alten Männer´, was nicht abwertend gemeint ist, zocken letztlich gut einen runter. Allerdings manches zu schnell, so dass der kauzige Faktor kaum durchkommt. Sänger Luther Beltz macht seinen Job gut, obwohl auch hier altersbedingte Abstriche zu machen sind. Höhepunkt ist ganz klar das knackige `Give` Em Hell`, das nahezu jeder in der Halle mitbrüllt. Hat Spaß gemacht, war nett, aber nachhaltig wird sich auch diese Show nicht in meinem Gedächtnis verankern. (JT)

 

 

 

 

ARTILLERY

Eigentlich kann man die dänische Thrash-Truppe auf ihre drei ersten Scheiben reduzieren. Der Rest - nun ja...von den Line-up Veränderungen ganz zu schweigen. Mit dem 2016 veröffentlichten `Penalty By Perception` konnten sie zwar wieder einiges ihres verloren gegangen Standings gut machen, doch die ersten drei Scheiben bleiben der Maßstab. Mit Sänger Michael Bastholm Dahl haben ARTILLERY zwar einen kompetenten Mann in ihren Reihen, der eigentlich gut singt, aber für die frühen Metzeleien dann doch zu weich klingt. Das nimmt eine Menge Druck raus, für den die alten Songs eigentlich stehen. Trotzdem ist dieser Gig einer der besseren des Festivals. Wobei auch hier wieder über eine suboptimale Setlist gestritten werden darf. (JT)

 

 

 

HELSTAR

Die Texas-Legende wird ihrem Co-Headliner-Status an diesem Abend mehr als gerecht. Obwohl inzwischen neben Sänger James Rivera nur noch Gitarrist Larry Barragan von der Urbesetzung dabei ist, lässt man nichts anbrennen. Dass sich HELSTAR zuletzt in deutlich thrashigere Gefilde bewegt haben, ist an diesem Abend deutlich zu hören. Die klassischen Power-Songs epischen Ausmaßes werden runtergerattert, dass man manchmal schon Bauchweh bekommt, was gerade bei den alten Klassikern schmerzt. Das ist dann hier und da doch zu viel Geballer. Rivera selbst ist in super Form und singt tadellos, selbst mit seinen Dracula-Plastikzähnen. Der Sound ist trotz des eigens mitgebrachten Mischers viel zu undifferenziert, dennoch sind HELSTAR ein Highlight des Festivals. Dass sie als Zugabe aber ein ausgelutschtes `Sinner` von JUDAS PRIEST covern, muss bei einer Band mit neun Studioalben aber nicht sein. Apropos Alben: Dass man die aktuelle Studioscheibe `Vampiro` nicht am Merch-Stand erwerben kann, zeugt nicht gerade von Professionalität. (JT)

 

 

 

 

NASTY SAVAGE

Totaler Kult oder der letzte Akt der Selbstdemontage? Selten hat ein Headliner-Gig mehr polarisiert als dieser Auftritt der (wieder mal) reformierten Florida-Thrasher. Musikalisch ist das Gebotene in meinen Ohren zwar gar nicht mal sooo übel, wie es manche Mithörer empfinden, der Rest aber erweckt mehr Mitleid als Begeisterung. ´Nasty Ronnie´ Galletti, der längst jenseits der Dreizentner-Grenze angekommene Sänger, bräuchte eigentlich nach jedem Lied ein Sauerstoffzelt. Entsprechend lang fallen die Pausen aus, die der Ex-Catcher mit redundantem ´Oldschool´- und ´Testify´-Gelaber füllt - Spielfluss: Fehlanzeige. Aber sowieso wurscht. Denn spätestens mit 'Asmodeus' wird die Musik zur Nebensache. Ronnie zerschmettert mit einer Eisenkette zwei Röhrenfernseher und weidet die antiken Teile bis zur letzten Platine aus. So weit, so bekannt. Ins Widerliche kippt das Ganze, als sich der tapsige Koloss bei einer Wurfaktion an der Stirn verletzt und sein heraussickerndes Blut auf wirklich jedes Teil schmiert, das er in die Hand bekommt. Auch die beiden Setlisten müssen dran glauben. Vor der obligatorischen Zugabe 'XXX' faltet Mr. Savage die besudelten Zettel zu Papierfliegern und lässt sie ins Publikum segeln. Glückwunsch den Fängern! Und gute Besserung, Ronnie. (LK)

 

 

Fazit: Ein friedlicher Samstag in familiärer Atmosphäre mit größtenteils stark aufspielenden Bands - so kann das Metal-Jahr gerne beginnen. Verbesserungswürdig ist das Essen in der Posthalle. Steak- und Schnitzelsemmeln statt den Fertig-Pizzaecken würden so manchen Gang zum nahegelegenen Bahnhof überflüssig machen und einige Ausflüge zu Wein und Schmaus in umliegende Lokalitäten verhindern. Spaßig ist die Hymne des 1. FC Nürnberg, die Club-Fan Weinsheimer in jeder Umbaupause auflegen lässt: ´Die Legende lebt!´ Für NASTY SAVAGE lässt sich das leider nur noch sehr bedingt behaupten.

 




21.02.17
Von: Krammer/Tschamler
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