METAL ASSAULT VI

30. Januar 2016, Würzburg, Posthalle


Photos: Mario Lang

Das Metal Assault ist das erste Highlight im schwermetallischen Festivalkalender. Rund 900 Fans hatten sich zur sechsten Auflage des kleinen KIT-Bruders am letzten Januar-Samstag in der Würzburger Posthalle eingefunden.

Zehn Bands, ein straffes Programm. Und mit Motörhead-Klassikern die passende Umbaumusik. Der kleine Lemmy-Altar am linken Bühnenrand war ein geschmackvoller Tribut für die verstorbene Ikone. Streetclip.tv schwelgte, bangte und notierte mit.

                                           

 

 

 

ANGEL SWORD

Die Finnen ANGEL SWORD durften das sechste Metal Assault eröffnen. Die Newcomer Truppe aus Helsinki hat gerade ihr Debüt `Rebels Beyond The Pale` veröffentlicht, die wenigsten Anwesenden konnten daher mit der Band etwas anfangen.

Musikalisch lieferten die Finnen simplen Heavy Metal mit leichtem Kauz-Faktor und einem Gesang, der alles andere als hochklassig zu nennen ist. Gerade dieser Gesang stieß vielen negativ auf. Irgendwo zwischen VENOM und frühen deutschen Achtziger Bands, die keinen fähigen Sänger fanden und deshalb auf den Saufkumpel in der Stammkneipe zurückgreifen mussten. Auf CD wirkt das etwas geschmeidiger.

Die Jungs boten eine wenig erfrischende Show, teils wirkte das alles ziemlich unterkühlt. ANGEL SWORD sind eher was für den Kauz-Metal-affinen Fan der mit Teil-nervigem Gesang kein Problem hat. Der Applaus hielt sich in Grenzen.
(JT)

Setlist:

Louder Than God
Bombs Over Heaven
Devastator
Lightning Runners
Lords Of Thunder
Sign Of The Raven
Heavy Metal Night
Midnight Survivor
Break The Chains

HYPNOS

Die Schweden haben mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum 2014 ein echtes Juwel veröffentlicht. Niemand beschwört den Geist der alten JUDAS PRIEST besser als das erst 2013 gegründete Quintett um Sänger Philip Lindgren.

Und auch auf der Bühne der Posthalle gehörten HYPNOS zu den Tagessiegern. Tight, selbstbewusst und mit einer Spielfreude, die greifbar war, zockten sich die Herren durch einen Set, der auch vielversprechende, teils an alte DIAMOND HEAD erinnernde Lieder vom dieses Jahr noch erscheinenden Zweitwerk beinhaltete. Spätestens als Lindgren beim Übersong ´Hands Of Evil´ die Querflöte auspackte, hatten auch die Fans Feuer gefangen. HYPNOS, ich liebe Euch! (LK)

Setlist:

Hypnos
Unrockables
I’m On The Run
Nightmares
Hands Of Evil
The Mountain
Moving Too Fast

BLIZZEN

Mit ihrer ´Time Machine´ EP haben sich die Hessen direkt in die Spitzengruppe des deutschen Speed-Metal-Nachwuchses katapultiert, auch in Würzburg wurden BLIZZEN ihrem guten Ruf überaus gerecht.

Achtziger-Denim & Leather-Feeling, schnörkelloser MAIDEN-meets-RUNNING WILD-Sound mit eingängigen Refrains - damit gewinnt man zwar keinen Originalitätspreis, aber zumindest die Herzen der Oldschool-Gemeinde, die nach einiger Aufwärmzeit ordentlich mitging. Dem Vergleich mit STALLION können BLIZZEN meiner Meinung nach locker standhalten, auch wenn Sänger Daniel Stecki durch sein Bass-Spiel in Sachen Stageacting natürlich eingeschränkter ist als Japanhosen-Träger Pauly.

Daumen nach oben für diese sympathische Band! Auf das erste vollständige Album darf man zu recht gespannt sein.
(LK)

Setlist:

Strike The Hammer
Masters Of Lightning
Pile On The Pressure
Hounded For Good
Peace Is For The Weak
Blizzen
Time Machine
Gone Wild

SEPTAGON

Die von Markus „Ulle“ Ulrich (LANFEAR, A COSMIC TRAIL) gegründeten Melodic-Thrasher hatten keinen leichten Stand auf dem Metal Assault. Das erste Album ´Deadhead Syndicate´ erschien just an diesem Samstag, wirklich vertraut mit dem Material waren demnach nur die wenigen Vorab-Hörer.

Das bekannteste Gesicht ist natürlich Markus Becker, der mit ATLANTEAN KODEX ja durchaus schon deutsche Metal-Geschichte geschrieben hat. Bei SEPTAGON war dem Mann die Lockerheit und Erfahrung mit den Epic-Abräumern deutlich anzumerken. Lässige Bühnenansagen, um technische Probleme zu überbrücken, eine supersympathische Ausstrahlung und dazu der starke, kräftige Gesang - wunderbar!

Der Stil lässt sich mit einer Mischung aus alten ANTHRAX, FORBIDDEN, FLOTSAM & JETSAM und HEATHEN beschreiben, sinnigerweise fand sich in der Setlist auch ein spitzenmäßig dargebotenes ´Goblin’s Blade´-Cover. In Sachen Stageacting und Tightness war nicht alles auf allerhöchstem Level, trotzdem machte es einen Riesenspaß, die Jungs durch den Gig zu begleiten. Wer auf melodischen, anspruchsvollen aber nicht zu verfrickelten Thrash steht, sollte sich den Namen SEPTAGON umgehend auf den Einkaufszettel schreiben. Im März gibt’s das Album auch auf Vinyl.
(LK)

Setlist:

Revolt Against The Revolution
Unwanted Company
Septagon Conspiracy
Ripper
Deadhead Syndicate
Exit…Gunfire
Goblin’s Blade
Secret Solver Panorama Machine

AMBUSH

Mit zwei sehr starken Alben im Rücken, hatten es die fünf Schweden nicht schwer, die durch SEPTAGON enorm aufgeheizte Stimmung noch weiter zu befeuern.

Der Sound kam knackgeil aus der PA, die Gitarren brannten ein wahres Feuerwerk ab (obwohl immer mal wieder ein Klampfe kurzzeitig ausfiel) und die Jungs lieferten auf der Bühne mächtig viel Bewegung, viel Action und eine klasse Spielfreude. Der leicht an PRIEST erinnernde, aber deutlich speedigere Stil traf den Nerv der Anwesenden. Sound, Songauswahl, Stageacting - alles fett, da ließ sich nichts kritisieren.

Heavy Metal schön gepflegt auf die Zwölf, ohne allzu filigranen Kleinmist. Das kam an und die Bangerfraktion hatte enormen Spaß. Für mich ein echtes Highlight und hoffentlich bald wieder auf hiesigen Bühnen zu sehen.
(JT)

Setlist:

Firestorm
Possessed By Evil
Desecrator
The Chain Reaction
Rose Of The Dawn
Natural Born Killers
Heading East
Southstreet Brotherhood
Don`t Shoot (Let`em Burn)

EVIL INVADERS

Auf die Belgier ist Verlass. Ich habe noch keine einzige Show der Jungs gesehen, bei der sie durchhingen. Sie haben immer überzeugt, und so auch an diesem Abend. Hatte ich so meine Zweifel nach dem geilen AMBUSH Auftritt, dass EVIL INVADERS keinen mehr draufsetzen könnten, lag ich falsch.

Wie erwartet - sauschnell und ein unbändiges Gepose und Gehüpfe auf der Bühne. Feueralarm! Wer bei EVIL INVADERS Abwechslung erwartet, liegt falsch. Das ist Vollgas-Mucke ohne Gnade. Gitarrist und Fronter Joe ist die perfekte Rampensau. Aber auch die anderen Herren gaben alles und lieferten ein fulminantes Speed`n`Thrash Metal Feuerwerk ab. Da wurden Meter auf der Bühne gemacht.

Die Kopfschüttelfraktion hatte es schwer, in diesem schnellen Takt mitzuhalten. Das EXODUS-Cover 'Fabulous Disaster' jagten die Burschen brutal schnell und dreckig durch die Boxen, als gäbe es kein morgen. Nur geil.
(JT)

Setlist:

Driving Fast
Pulses Of Pleasure
Shot To Paradise
Siren
Stairway To Insanity
Fabulous Disaster
Victim Of Sacrifice
Master Of Illusion

RAM

Die Rammböcke sind eine Naturgewalt. Und für viele der befragten Fans in Würzburg waren die Schweden einer Hauptgründe für die Anreise. Mit ´Svbversum´ haben RAM eines der großen reinen Metal-Alben 2015 abgeliefert. Und was sie in Würzburg

auf die Bretter zimmerten, war in jeder Hinsicht absolute Weltklasse. Höhepunkt: das fantastische ´Machine Invaders´, bei dem die Halle erstmals an diesem Tag komplett in Ekstase geriet und den Sound beim Refrain beinahe übertönte. Damit wären wir auch beim einzigen Schönheitsfehler dieses Konzerts: Die Band war zu leise!

Irgendwer musste aus übertriebener Vorsicht den Volume-Regler heruntergedreht haben. Mit ein paar Pfunden mehr wäre der Gig noch durchschlagender gewesen. Ach ja, und ´Forbidden Zone’, der beste Song der neuen Scheibe, fehlte mir schmerzlich.

Trotzdem gehörten RAM ganz klar zu DEN Abräumern des sechsten Metal Assault. Kettensägen rausgeholt, Rübe ab!
(LK)

Setlist:

Omega Device
Under The Scythe
Flame Of The Tyrants
Awakening The Chimaera
Suommussalmi
Return Of The Iron Tyrant
Eyes Of The Night
The Usurper
Forced Entry
Machine Invaders
Infuriator

GRIM REAPER

Die Kultkapelle um Supersänger Steve Grimmett konnte in Würzburg nicht viel falsch machen, das war schon im Vorfeld klar. Dass der Gig ein derartiger Triumphzug werden würde, hätte ich jedoch nicht gedacht.

Über die Songs an sich muss man an dieser Stelle nichts schreiben, es gab fast ausnahmslos Klassiker-Material zu hören. Die Darbietung geriet jedoch dermaßen mitreißend, dass kein Kopf ungebangt, kein Arsch ungewackelt blieb. Beseelt aufspielende Instrumentalisten und ein fantastisch aufgelegter Grimmett, der auch das DIO-Cover ´Don’t Talk To Strangers´ mit Bravour meisterte, sorgten für Staunen und Begeisterung. Beim abschließenden ´See You in Hell´ verwandelte sich die Hallenbesetzung in einen großen Chor, der am liebsten die ganze Nacht weitergesungen hätte. Momente aus purem Gold. Danke dafür!

(LK)

Setlist:

Rock You To Hell
Night Of The Vampire
Lust For Freedom
Wrath Of The Ripper
Now Or Never
Fear No Evil
Liar
Rock Me Til I Die
Matter Of Time
Don’t Talk To Strangers
Wasted Love
See You In Hell

VENOM INC.

Schon beim letztjährigen KIT gehörten Tony Dolan, Mantas und Abaddon zu den Stimmungs-Königen, in Würzburg glich der vordere Teil der Halle beim Gig des Trios einem Schlachtfeld.

Cronos hin oder her, was Dolan am Mikrofon bot, war evil as fuck - ob bei den eigenen Songs oder den Kult-Klassikern, die VENOM INC. in Serie abschossen. Perfekter Sound, überschäumende Stimmung, ausgelassene Hüpftänze bei ´In League With Satan’. Da mussten auch ein paar (namentlich nicht genannte) Skeptiker anerkennend mit dem Kopf nicken. Amtliche Vollbedienung! (LK)

Setlist:

Die Hard
Don’t Burn The Witch
Live Like An Angel, Die Like A Devil
1000 Days In Sodom
Schitzo
7 Gates Of Hell
In Nomine Satanas
Bloodlust
Welcome To Hell
Black Metal
Countess Bathory
Witching Hour

LIEGE LORD

Nicht wenige stellten die Frage, warum LIEGE LORD der Headliner waren und nicht VENOM INC. Doch nach dem Auftritt der Amis war jedem klar, warum Veranstalter Oliver Weinsheimer die Band an die höchste Stelle des Billings gesetzt hatte. Konnten die Herren schon 2013 auf dem KIT richtig abräumen, taten sie es hier mit links.

Die Setlist deckte alle drei LIEGE LORD-Alben ab und somit waren die knapp 90 Minuten Auftrittszeit mit feinstem US-Metal bestückt. Joe Comeau war bestens bei Stimme und ein paar Kilo schwerer als vor drei Jahren. Die Band spielte tight, die Gitarrenwand erschlug einen förmlich und die generelle Power der Band war atemberaubend. Schon das Opener-Doppel `Fear Itself` und `Eye Of The Storm` vom ´Master Control` Album überfuhren einen im ICE-Tempo. Danach gleich `Dark Tale`- was will man mehr?

Unnötig war eigentlich nur ein langgezogenes Drumsolo von Frank Gilchriest (RIOT V), das zudem mit Keyboardsamples unterlegt war. Und auch die Mitsing-/Klatsch-Spielchen hätte man sich schenken können. Ansonsten harmonierten die Herren prächtig und klangen perfekt aufeinander abgestimmt. Bewunderswert in Anbetracht der Tatsache, dass man keine drei Shows pro Jahr spielt. Mit `Transgressor` gab's ein unerwartetes Bonbon und Joes kurzer Einschub zu den kürzlich verstorbenen Rocklegenden brachte weitere Pluspunkte.

Als DIE Highlights des Sets gehen sicher `Rage Of Angels` und das unfassbar kraftvolle `Master Control` durch! Mehr US-Metal geht nicht. Klasse Auftritt, bei dem nebenbei noch herauskam, dass LIEGE LORD an einem neuen Album arbeiten. Aber das sagten sie auch schon 2013. Nur meinte Gitarrist Tony Truglio bei einem Kaffee, die Songs wären komplett fertiggeschrieben und müßten noch aufgenommen werden. Stilistische Richtung: `Master Control`!
(JT)

Setlist:

Fear Itself
Eye Of The Storm
Dark Tale
Cast Out
Kill The King
Transgressor
Feel The Blade
Rapture
Broken Wasteland
Speed Of Sound
Vials Of Warth
Rage Of Angels
Master Control
Prodigy/Wielding Iron Fists
Fallout

 

 

TOP 3 Ludwig Krammer:

1. LIEGE LORD
2. HYPNOS
3. RAM

TOP 3 Jürgen Tschamler:

1. LIEGE LORD
2. AMBUSH
3. EVIL INVADERS




01.02.16
Von: Jürgen Tschamler, Ludwig Krammer
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