M'ERA LUNA FESTIVAL 2017

12. + 13. August, Flugplatz Drispenstedt, Hildesheim


Pünktlich einen Monat vor Heiligabend möchte ich euch nochmal die Sonne aus ungewohnter Perspektive scheinen lassen. Der Sommerhöhepunkt August lässt seit meinem intellektuellen Zugang zum damals schlicht 'Independent' genannten unkommerziellen Gegenpol zu unserem geheiligten Metal den Wind of Change blasen und ich flirre gen Hildesheim, um mich unters tiefschwarze Volk zu begeben, welches in den letzten Jahren genau wie wir sein liebes Leid mit immer bunter werdenden Party- und Kommerzrandgruppen hat.

Bevor das NOAF die Open Air Saison beschließt, lasse ich mir die Ohren und den geschundenen Nacken durch Beats und ungewohnte Frequenzen kalibrieren und schwinge zur Auflockerung vorm metallischen Jahresende das EBM-, Indie- und Mittelalter-Tanzbein. Die gegenseitige Beachtung bzw. Verschmelzung zweier Szenen aus unangepassten Individualisten und Musikfans sollte Grund genug sein, hier auch mal von dem größten deutschen Festival dieser Art abseits des Wave Gothic Treffen in Leipzig zu berichten.

 

SAMSTAG

 



Keiner könnte als Starter das diesjährige Horrorclown-Thema auf dem Festivalplakat und der Karte optisch besser umsetzen als CIRCUS OF FOOLS. Ein Growler in Rob Zombie- Manier im Duett mit hübschem Zirkusmädchen, dazu eine ordentliche Portion Metal inklusive Bratsche. Stimmige Dunkelzirkusoutfits und genau die Stilmischung, von der ich sprach. Ein durchaus gelungener Auftakt.

 



Der LEICHTMATROSE ist ein Stück erwachsener geworden. Poppig, aber anspruchsvoll intoniert er seinen Independent-Chanson mit teilweise grandiosen Stimmausbrüchen. Für den kultivierten 80iger Pophörer auf alle Fälle ein Ohr wert.

 



Nun ist es wieder so weit. Meine persönlichen Retter des Festivals vor ein paar Jahren, als gruseligster Schunkelschlager auf der Mainstage geboten wurde und die Flucht vor dem Blödsinn mich auf EDEN WEINT IM GRAB stoßen ließ, erfreuen uns endlich wieder mit ihren schaurig-schönen Moritaten.



'Traumtod' lädt mit Cello und Geige zur 'Bon Voyage' in dunkle Gefilde ein, aber was ham' die irren Soundmischer ähnlich wie auf dem ROCK HARD FESTIVAL bei THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA (hier lesen) nur mit dem Kloppebass? Ist dies ein perfides Verschwörungsszenario, um die besten Bands zu sabotieren? Leck' mich, 'Der ewige Bergmann' ruft nichtsdestotrotz zum Einstieg in 'Die Jenseitsflugmaschine', die uns Punkt zwölf Uhr mittags zur 'Geysterstunde' und dem 'Leierkastenmann' befördert. Zwischen Gesang und growling sind die lyrisch faszinierenden Texte hervorragend zu verstehen und wir trinken ein letztes Ale zusammen 'In der Totentaverne'. Überragend!

 





Uffbasse! - oder 'aufgemerkt', wie man in dialektfreiem Schuldeutsch sagt. Mit AMBASSADOR 21 kommen wir now to something completely different. Das Frau-Mann Duo Natasha und Alexey hat unter Hinzunahme eines organischen Drummers wie einst die Urväter DAF einen weiteren Schritt in Richtung 'Thrasher der Elektroszene' gemacht, wie bereits zuvor alleine mit ihrer unbarmherzig kompromisslosen Art. Eine derartige Energie und Brutalität ohne Gitarren entzückt mich und erscheint mir wie das Noise Experiment Metal. 'Fuck All Systems' - ja, da geht was und das waren genau die Frequenzen, nach denen ich forsche.

 



Zurück auf der Mainstage geben sich UNZUCHT extrem professionell und schön heavy, aber möglicherweise auf dem Scheideweg zum Kommerz? Egal, der Erfolg gibt ihnen recht, es muss ja nicht jeder im Underground rumdümpeln, gute Songs ham sie oiwei im Gepäck und die Präsenz auf der Bühne lässt keine Wünsche offen.

 

Mit SHE PAST AWAY bekommt man geradezu klassischen zwei Mann Darkwave so wie es sein muss: mächtig Hall und dunkle Stimme würden nicht auf den türkischen Migrationshintergrund schließen lassen, daher gibt es from Germany to Turkey 9 politikverachtende Points. Zudem haben die Jungs die Fähigkeit große Stimmungen heraufzubeschwören, teilweise wie very early SISTERS OF MERCY. Sehr schön.

 

Bei OST+FRONT stellt sich wie immer die alte Frage: Klon oder letzter Provokant des Planeten? Textlich wohl klar billiger als RAMMSTEIN, aber weit unter der lyrischen Lindemann'schen Gürtellinie. Als Paradebeispiel sei nur mal 'Gangbang' genannt. Musikalisch ist es allerdings für den geneigten Gourmet die Vollbedienung. Eindimensionale Hits wie 'Ich liebe Es‘, 'Mensch‘ oder 'Schlag mich‘ funktionieren live ohne Frage und abermals weiß ich bei dem Ausklangsjingle der DDR-Hymne immer noch nicht, was ich von ihnen halten soll, aber einen hohen Unterhaltungswert kann ich ihnen nicht absprechen.

 

Die Durstbeschleuniger von FEUERSCHWANZ fallen heute dem Regen, dem Hunger und der dänisch-deutschen Freundschaft zum Opfer. Mehr oder weniger trockenes Lagerleben kann so entspannend sein.

 

PAUSE (selbstauferlegt)

 

Während die auf ihren Alben großartigen, aber live nichts darstellenden MESH spielen, fällt uns am Lager die unerreichte Klasse von BLUE ÖYSTER CULT aus der Konserve auf. Der nebenbei gehörte Liveact erscheint mir jedoch zumindest aus der Ferne zu vorhersehbar, austauschbar und mainstreamig, sorry.

 

WHITE LIES nennen sich die folgenden unscheinbaren, aber mit Eigenständigkeit und innovativen Oldschoolsoundideen versehenen Helden. Mainstreamtauglich aber qualitativ weit über der Masse erinnern die Briten an die EDITORS, doch deren Präsenz bleibt nach wie vor unerreicht. Dafür bekommen wir extrem starke Titel geboten.

 

Das Duo ASHBURY HEIGHTS begeistert mit einer außergewöhnlichen Stimme, die die charttaugliche Musik veredelt. Ein spezieller Hit, dessen Namen mir entfallen ist, hat sogar die zweifelhafte ZDF Fernsehgarten Klasse, es wird aber auch über die Gesamtperformance immer für positive Überraschungen und Abwechslung gesorgt. Sehr gut.

 

Irgendwann ist ein stressfreier Wechsel zwischen Hangar und Main Stage nicht mehr möglich, also beginnt nun der stark komprimierte Teil der Berichterstattung.

 

PROJECT PITCHFORK ist nicht nur ein Relikt, sondern eine Koryphäe der deutschen Indieszene - hat das schon mal einer erwähnt? Nach all den Jahren immer noch nicht kopierbar, nicht ersetzbar und auch live immer wieder mitreißend ohne Verschleißerscheinungen. Abwechslung pur - alle gebotenen Stile vereint in einer Band. That's Independent. Mein Lifetime Award geht an die Hamburger und die sind heute mein geheimer Headliner. Punkt.

 



Es regnet nicht, die Stimmung ist gut, deshalb werde ich den Hangar bis auf weiteres vernachlässigen und hefte mich weiterhin an die Mainstage. Ich nehme es SUBWAY TO SALLY immer noch ab, dass sie Spaß auf der Bühne haben, ehrlich genug sind sie und werden es hoffentlich auch bleiben. Frau Schmitt war sich dieser Verantwortung wohl klar, als sie das Staffelholz bzw. den Geigenbogen unlängst an die fantastische Ally weitergegeben hat, bevor es zu spät ist. Die Potsdamer präsentieren sich auch heute als bärenstarker Entertainer und haben sich über die Jahre des öfteren selbst neu erfunden. Mit Werken wie 'Kleid aus Rosen‘,‘Unsterblich‘ oder 'Falscher Heiland‘ sind und bleiben sie die Number One des Crossover zwischen Mittelalter und ECHTEM Metal. Stets Fan-nah und vielleicht eine der konstantesten Gruppen derzeit, die NICHT im ZDF Fernsehgarten spielen dürfen und wer meine Phobie kennt weiß, das dies einem Ritterschlag gleicht. Weiter geht’s mit 'Arme Ellen Schmitt‘ und 'Sieben‘, womit SUBWAY ihr Publikum fest im Griff haben und ihre einmalige Ausnahmestellung in der deutschen Musiklandschaft untermauern. Fabulös.

 

Kleine Geschichte am Rande: Als der Großteil der Metaller ein gewisses hammermäßiges Magazin wegen der Neuausrichtung auf die Neunziger hasste, ermöglichte dieses mir jedoch den Zugang zu einer Mischung, die niemand als möglich erachtete. Heavy Metal und Elektronik in trauter Fusion ließ damals den Ausspruch „ich höre Metal, weil mir alles andere zu soft ist“ absurd erscheinen, denn KMFDM haben Teile drauf, die jeden Thrasher neidisch werden lassen. Und wer dies heute live von den Metal-Elektro-Industrial Pionieren miterleben durfte, weiß wieder mal, wer den Metal Hammer ebenfalls zu schwingen vermag. Schweißtreibend!

 

Danach: dänisch-deutsche Freundschaft Teil zwei, es galt noch Sunes Geburtstag zu feiern inklusive Flucht vor dem erneuten unvorhersehbaren Fuck-You-Weltuntergang-Dauerregen, dem verpassten Stromausfall bei ASP und dem Motivationsversagen, zu den musikgeschichtlich immens wichtigen KORN nochmal auf dem überschwemmten Platz der Ehre aufzulaufen. Schnüff.

 

So, nun zu dem organisatorischen Knackpunkt. Alles sehr viel schicker geworden hier, hip und fancy. Werbeparolen über Lautsprecher, Futter aller Art für jede Unverträglichkeit. Aber das Hauptproblem der letzten Jahre bleibt bestehen: Wird die Bierbude doppelt so groß und shiny, brauche ich aber doppelt so viel Personal und zweimal so gut organisiert. Sorry, ihr lieben Bauernopfer und Ferienjobler - nicht eure Schuld, Fuck the System. 







Auch groovy: für eine stinkende Pißrinne anstehen.

Positiv: Die Szene lebt. Rückgang von buntem Partyfolk und Selbstdarstellern dank Regen? Ansonsten unglaublich viele nette Menschen wie bei ‚uns‘ auch, alleine deshalb wackelt mein Entschluss, aufgrund der Größe 2018 nicht mehr teilzunehmen, mir würde das fehlen. Alleine deshalb: probiert es aus. Die echten Fans teilen alles mit dir und du kommst unkompliziert in jedes Gespräch. Wenn auch in der Regel EBM-ler, die Gitarren verachten, niemals mit True Metallern, die sich vor Keyboards fürchten, zusammen vor einer Bühne stehen werden, bleibt doch immerhin eins: einen zusammen trinken können wir trotzdem!

 

SONNTAG

 

Hartes Riffing eröffnet Tag zwei. JOHNNY DEATH SHADOW erweist sich als bockstarker Opener für Fans von THE KOVENANT oder DEATHSTAR, aber mit genug Eigenständigkeit, um begeistern zu können. Die Hamburger Skullfaces legen einen richtig starken Gig mit Bewegung und musikalischer Klasse hin. Als Anspieltipp sei euch der Track 'Ghost' vom Album 'Bleed With Me' wärmstens ans dunkle Herz gelegt. Guten Morgen Hildesheim!



 

Zu den bereits seit 1996 unter diesem Namen agierenden ACCESSORY fällt mir nicht viel ein, dafür aber nur Gutes: feinster harter EBM der alten Schule. Bei Knallern wie 'Tanzrichtung vorwärts' oder 'Voran' muss derjenige, der stillsteht, taub oder ganzkörperlich gelähmt sein. Hart und Fair.

 

Bei SCHWARZER ENGEL scheiden sich aufgrund der Mitsingrefrains wie immer die Geister. Trotzdem sehr geeignet für Metalnebeneinsteiger, die sich nicht vor deutscher Sprache fürchten. Schlagen Sie hierzu im Germanika Handbuch unter ASP und CREMATORY nach, welche ebenfalls in beiden Welten leben. Beispielhaft der Titelsong zu 'Schwarze Sonne'...nnnnghhmmpf - mir alles in Allem aber zu nichtssagend, nichtsdestotrotz funktioniert es aber gut bei einem Publikum, das auch vermehrt auf heavyness und untergeordneter Elektronik steht. Aber ehrlich, statt des Römerbrustpanzers von Toys R Us in zwei Nummern zu groß über'm Hemd, hätte ich mir doch rechter Flügel aus Pappe angeschnallt, müssen ja nicht so massiv wie die Lindemann'schen sein. Geschmackssache.

 

Hoppla, dem Less gefällt mal was nicht? Yepp, außerordentlich identitätslos mit zwei Akkorden weniger als notwendig und einem Scheißsound kommen mir THE ARCH auf die Belanglosigkeitsliste. Und dabei denke ich die ganze Zeit an den heiligen John gleichen Namens und der Highlander in mir weiß: Es kann nur einen geben.

 

Dass kommerziell chancenreiche Musik auch mit Power, Anspruch, toller Stimme und starken Refrains glänzen kann, beweisen DARKHAUS, die NICKELBACK in gut, MATCHBOX 20 oder SHINEDOWN der Indieszene. In meiner Welt reiht sich hier ein Top Ten Hit wie zum Beispiel 'Ghost' (ja, wie auch die erste Band einen an Bord hatte) an den anderen, jedoch erfreulicherweise mit fetten Heavyriffs unterstützt. Großes Potential.

 

Abwechslung ist Trumpf, deshalb heißt es erneut Hangartime mit den ABSURD MINDS. Das steht für fette Elektrobeats mit Melodie, zwei Sängern und Elektrodrumkitbearbeiter, was live immer besser kommt als die totale digitale Konserve. Qualitativ erreicht man fast das Niveau, aber nicht die Spielfreude und Kompromisslosigkeit von ACCESSORY. Dafür gewinnt man aber den Trockeneisnebelbattle mit Bravour. Dichte Performance.

 

Mittelalter goes Singer-Songwriter Ja, bei VERSENGOLD funktioniert's und die steigende Position im Billing gibt den Bremer Hansestadtmusikanten recht. Das großartige 'Paules Beichtgang' gibt uns die Absolution für ALLE Sünden und wird mit Irish Fiddle erteilt. Gerade dieser Wechsel von irischen Einflüssen und Mittelalterrock unterstreicht die Ausnahmestellung dieser spielfreudigen, mitreißenden Combo im Vergleich zu den vielen festgefahrenen Dudelsackfetischisten und der Abgesang in der klassischen Comedian Harmonists Tradition hinterlässt ein komplett befriedigtes Publikum. Wahrhaft goldig.

 

Now to something completely different...again: Wir turnen zu einem 'Frequenzwechsel' in den Hangar und unterwerfen uns klassischem EBM im 'Maschinenstaat' der ebenfalls bereits seit den 90igern gewaltig lostanzenden TYSKE LUDDERn. Die 'Maßnahmen zur Erhaltung der Macht' zünden und es gibt ordentlich akustisches 'Meskalin' über die Ohren in den Organismus bis hin zum Urhit 'An vorderster Front'. Beeindruckend.

 

Willkommen im 'Zombieland'! MEGAHERZ im ewig währenden Wettstreit mit den beiden ehemaligen von EISBRECHER. Immerhin hat man sich mittlerweile ein Facepaintimage zugelegt, um sich von den übermächtigen Alex und Pix abzusetzen. Dies mag für die Masse funktionieren, aber die gezwungenen Mitsingrefrains können das Eis bei mir nicht so ungezwungen brechen wie die Auftritte der Aussteiger. Das 'Miststück' wird natürlich weiter von beiden Bands geboten, doch nun genug verglichen. Lex ist ein geiler Frontmann, doch die eingeschlagene Richtung geht mir zu stark in Richtung Fernsehgarten. Kleiner Gag am Rande: die Podeste für die Gitarristen scheinen in St. Tropez gefertigt, doch Ventilator und wehende Haarpracht bleibt weiterhin dem hammerschwingenden König vorbehalten.

 

EBM die Vierte. Langsam wird das Tanzvolk warm und das dänische Kultprojekt LEATHER STRIP liefert mit Hits wie 'Body Machine Body' und 'We Will Follow' eine beeindruckende, schweißtreibende zwei-Mann-Show. Es gibt nicht viele Kreativsaurier wie Claus Larsen, der ein Jahr vor dem dreißigjährigen Gründungsjubiläum nach vielen Experimenten wieder so überzeugend abliefert. Respekt!

 

CRÜXSHADOWS ist allen Unkenrufen zum Trotz in meiner dunklen Welt immer noch eine der Bands, bei denen das Gesamtpackage stimmt. Heute besteht dies aus viermal bildhübscher Frau in allen Haarfarben, einmal Rotschopfgeiger und natürlich Rogue, dem ständig in Bewegung rumhuschenden Derwisch mit seinem charismatischen Organ. Für alle Geschmäcker glanzpoliert natürlich, aber so professionell UND leidenschaftlich dargeboten lasse ich mich optisch und akustisch perfekt unterhalten. Der Auftritt wird letztendlich wie erhofft gekrönt mit einem der größten Hits des Tages: 'Marilyn, My Bitterness'. Alles richtig gemacht.

 

Eigentlich wollte ich nun Kommerzflucht begehen, jedoch sind die hamburger MONO INC. nach ihrem Ausrutscher auf Graf'schen Pfaden in deutsche Schlagergefilde aus dem ZDF Fernsehgarten wieder zurückgekehrt und bieten solides Handwerk. Sänger Martin und Basser Manuel scheinen die Bühnenoutfits aus Rock'n'Rolfs Kramkiste entliehen zu haben und das Highlight war wie immer die sympathische Schlagwerkerin und Backgroundsängerin Katha Mia, die einen nicht unerheblichen Teil zu der Gesamtperformance beisteuert. Es gibt wieder Hoffnung!

 

Egal wie gut FRONT LINE ASSEMBLY sich im Hangar schlagen, erinnert mich mein inneres Metronom daran, dass mein Tagesbedarf an EBM gedeckt ist. Sorry Guys.

 

SCHANDMAUL? DUDELDIDUDELDIÖÖÖ. Geht heute nicht gar mehr, dann lieber einen Met im Mittelalterdörfchen, gefolgt von Camptime.

 

Aber nicht lange. Die Schule ruft. Die Düsseldorfer Schule. Zurück in die Zukunft. Dort wo alles begann. Wenn man fünfmal am Tag EBM erlebt, darf man die Gründerväter eines Genres nicht verpassen. Und ab geht’s. 'Der Mussolini', 'Sex unter Wasser' oder 'Das ist Liebe' führen auf der Stage und bei Connaisseuren vornedran zur gemeinsamen Ekstase - Künstler und Publikum werden eins, während diejenigen, die kein Ohr für richtig Oldschool haben, in fassungsloser Verwunderung rein gar nichts begreifen.


„Alle müssen mal kapieren, wer der Sheriff ist.“ Ich hab's kapiert. Wie auch so vieles anderes im Umkreis des damaligen elektronischen Aufbruch in dessen Kontext die Produzentenlegende und Tonmeister Conny Plank nicht nur wegen meiner lokalpatriotischen Ader genannt werden muss. War er doch maßgeblich an dieser Entwicklung und Soundrevolution beteiligt und hat immens vielen Bands Schützenhilfe geleistet, um hier nur mal KRAFTWERK, DIE KRUPPS oder ULTRAVOX zu nennen. Doch back to business, 'Alle gegen Alle' und 'Als wär's das letzte Mal' machen dich nochmal richtig platt. Mit ihren mantrahaft sich wiederholenden minimalistischen Botschaften im Kontext des Beats waren und werden Gabi Delgado und Robert Görl immer die Hebamme der Electronic Body Music sein: D.A.F.

 

Ähnlich wie beim Bang Your Head mit AXXIS (hier lesen) haben die Veranstalter die möglicherweise beste Konzertpartyabschlussband festgenagelt, heute ganz in weiss. Wer kann 80iger, DEPECHE MODE und EBM? Yepp, AND ONE, die Allrounder der Szene spielen zum Tanz auf und lassen den 'Technoman' auf uns los, kriegen uns ganz nah mit 'Get You Closer', blasen einen Hit nach dem anderen raus, bis ich total 'Wasted' bin und holen den 'Krieger' in mir raus mit der fantastischen EURYTHMICS-Reminiszenz 'Sweet Dreams'. Neben dem allgegenwärtigen Entertainer Steve Naghavi hat auch Joke Jay seinen Soloeinsatz bei 'Ein Leben lang' und beweist, dass auch er ein starker Sänger ist. Quasi das 'Second Voice' der Band, was uns mit 'Shouts Of Joy' antworten lässt. Und nochmal: AND ONE in dieser Topform ist nicht nur eine Bank für den Veranstalter, sondern ein wahres Geschenk für die Fans. Amen.

 


Das war's mal wieder, liebe Brüder und Schwestern. Leben und leben lassen - we're all just Freaks. Somit sei allen Open Mindern unter euch, die wie ich den Kopf schütteln aufgrund wachsender Intoleranz innerhalb unserer Metalszene, ein Festival dieser Art ans Herz gelegt und bei zwei Bühnen sollte man immer eine Ausweichmöglichkeit finden, wenn's mal gar zu befremdlich klingen sollte. Unite!

 

http://www.meraluna.de



 




19.11.17
Von: Less Leßmeister
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