Let It Rock Festival

12.03.2017, Ludwigsburg, Rockfabrik


Fotos: Dominic Pencz

Mit dem Let It Rock Festival wollen die Veranstalter des schon etablierten H.E.A.T. Festivals ein weiteres Statement für den melodischen Metal setzen. Zur ersten Ausgabe des Festivals konnte man einen bunten Strauß etablierter Bands sowie junge Nachwuchstruppen zusammenfassen. Das Umfeld wird schwieriger für Festivals, das ist allgemein bekannt. Aus der Liebe zum Genre und der Fanfreundlichkeit  möchte man eine Party in übersichtlicher Größe, dafür ist die Rockfabrik in Ludwigsburg prädestiniert. Zwar ist ein Sonntag nicht den idealen Tag für solch eine Veranstaltung, dennoch fanden sich genug Fans ein um das Festival auch im nächsten Jahr fortführen zu wollen.

 

REBEL HOT

Die erste Band des Tages ist das italienische Quartett REBEL HOT, das allerdings noch vor etwas spärlichem Publikum aufspielt. Die Band ist musikalisch grundsätzlich in den Siebzigern verwurzelt, peppt aber ihren nicht ganz geschmeidigen Stil mit markanten Blues- und Funk-Elementen auf. Das Material stammt vom letztjährig veröffentlichten Debut und  wird technisch sauber rübergebracht. Der Funke will jedoch nicht ganz auf das bisher anwesende Publikum überspringen. Das liegt an der etwas sperrigen Spielweise, einem nur suboptimalen Sound, und einem Publikum, das musikalisch wohl eher anders getaktet ist.

20 DARK SEVEN

Aus ganz anderem Holz sind da die Lokalmatadoren von 20 DARK SEVEN gestrickt. Die Band um ex-PUMP und -BRAINSTORM Sänger Marcus Jürgens steht für tighten, druckvollen Heavy Rock mit fetter Groove-Komponente.

Gerade wurde das zweite Album `Momentum` veröffentlicht und nicht wenige Songs von diesem Album finden sich im Set der Süddeutschen wieder. Das neue Line up wirkt gut eingespielt, macht Druck und Sänger Marcus Jürgens überzeugt mit einer sauberen Gesangsperformance.

Das gute Stageacting und die teils schwäbischen Ansagen kommen mehr als gut an. Songs  wie `Come Undone`  oder `Shotgun Heart` lassen die Stimmung ansteigen. Allerdings kämpft die Truppe mit einem sehr schwammig-matschigen Sound, was den ganzen Spaß ein bisschen eintrübt. Gerade im Bereich der Gitarren hat dieser einen eher negativen Effekt. Ansonsten ein solider Auftritt der deutschen Hoffnungsträger.

HUMAN ZOO

Eine deutlich unter ihrem Wert gehandelte Band steht als nächstes auf der Bühne: HUMAN ZOO. Wie zuvor 20 DARK SEVEN  gleich die nächste Band aus dem schwäbischen Umland.

HUMAN ZOO liefern einen ungezwungenen, spielfreudigen Auftritt ab, bei dem vor allem Sänger Thomas Seeburger äußerst positiv auffällt. Der knackige Melodic Metal lässt keine Wünsche offen und durch das implementieren eines Saxophons in den Sound, wirkt das Gesamtpaket noch spannender. Wogegen Seeburger Ansagen auf schwäbisch für Lacher sorgen. Die Band wirkt gut eingespielt und bewegt sich ordentlich auf der Bühne. Die Keyboards haben im Sound von HUMAN ZOO eine dominierende Rolle, verweichlichen jedoch den Sound nicht und somit klingt das alles rund und heavy. Höhepunkt  sind `Raise Your Hands`, `My Own Illiusion` und das finale `Over The Horizion`.

Das Sextett hat übrigens neben Autograph an diesem Tag den besten Sound. Eine sympathische Band mit einem souveränen Auftritt ohne Schwächen.

MICHAEL BORMANN`S JADED HARD

Beim nächsten Act war schon im Vorfeld klar wohin die musikalische Reise führen würde, wobei einige die Namensgebung MICHAEL BORMANN´s JADED HARD und nicht JADED HEART verwirrte. Michael Bormann ist von Beginn an prächtig bei Stimme und liefert mit seiner Truppe eine astreine Rockshow ab. Spielfreude, Energie und eine starke Setlist überzeugen die Anwesenden umgehend. Das Gros der Setlist besteht aus Songs der Neunziger Jahre, wobei man vom starken `Slaves And Masters` Album gleich drei Stücke liefert: `No Hesitation`, `Help` sowie `The Dream Is Over`. Mit `Dangerous Destiny` vom 2002er Album `The Journey Will Never End` zieht die Stimmung noch einmal an.

Bormann gibt sich locker und man merkt ihm an, dass er echt Bock auf den Gig hat. Mit dem krachenden `Inside Out` verabschiedet sich die Band und hinterlässt zufriedene Gesichter.

TRANCE

Die neu reformierten Pfälzer TRANCE haben es nicht leicht die Stimmung auf dem hohen Level zu halten die Bormann und seine Jungs vorlegten. TRANCE sind für nicht wenige eh ein Diskussionsthema. Bis auf Gitarrist Markus Berger sowie Bassist Thomas Klein aus den Anfangstagen der Band setzt man auf Neuzugänge. Sänger Joachim Strubel ist äußerst agil auf der Bühne, versucht Stimmung zu  machen, was manchmal allerdings kitschig wirkt. Stimmlich hat er nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Gesang von TRANCE zu tun, deutlich zu schrill verwüstet er die Songs der frühen Alben.

Zwar kommen TRANCE beim Publikum recht gut an, aber insgesamt wirkt das Stageacting steif und wenig erfreulich. Gerade bei den alten Stücken fällt auf, dass man diese zu metallisch runterbügel. Dabei liest sich die Setlist wie ein Best-of-Album: `HM Queen`, `Break The Chains`, `Shock Power`, `Victory` etc… dazwischen präsentiert man einen neuen Track mit dem Titel `Live & Heavy` vom Comeback `The Loser Strikes back`. Bei diesem Song offenbart sich der qualitative Unterschied zum alten Material überdeutlich. Dennoch, die Leute haben Spaß, die Band hat Spaß und somit ist Zweck des Auftritts erfüllt.

DEMON

Bei den Briten von DEMON kann man ohne Bedenken von einer Hitmaschine sprechen. Seinem Co-Headliner Status macht man an diesem Abend alle Ehre. Sänger Dave Hill, mittlerweile auch in die Jahre gekommen, liefert einen gute, aber keine souveräne Gesangsperformance, dennoch wirkt der Auftritt rund und enthusiastisch.

Das Sextett agiert professionell und liefert mit Songs wie `Night Of The Demon`, `The Plague` oder dem grandiosen `Standing On The Edge` einen Klassiker nach dem anderen.

Dave kommuniziert knapp mit den Fans, beschränkt sich ganz auf die musikalische Kraft der Band. Was kann auch schon schiefgehen bei Hymnen wie `Liar`, `Life On The Wire` oder gar bei den beiden Überfliegern die man zum Schluss des Sets liefert: `Don´t Break The Circle` sowie `One Helluva Night`! DEMON sind ohne Wenn und Aber ihrer Co-Headliner Position gerecht geworden.

AUTOGRAPH

Der Headliner-Status der Amis AUTOGRAPH, die zum allerersten Mal überhaupt in Deutschland aufspielen, ist mehr als gerechtfertigt. Mit knapp einstündiger Verspätung steht die Band endlich auf der Bühne. Zwar fehlt mit Sänger Steve Plunkett das Aushängeschild, diesen ersetzt Neusänger Simon Daniels (ex-Jailhouse) stimmlich wie optisch jedoch sehr würdevoll.

Die beiden Originalmitglieder, Steve Lynch (g) sowie Randy Rand (b), strahlen Rock`n`Roll Charme und Charisma aus und sind echte Aktivposten auf der Bühne. Optisch liefern AUTOGRAPH diese von Amibands geprägte Rockstar-Attitüde und das kommt an. Aktuell hat die Band eine selbstveröffentlichte EP mit dem Titel `Louder` am Start, von der gleich drei Songs auf der Setlist stehen. 

Mit `You Are Us, We Are You` hat man einen echten Kracher kreiert der live perfekt funktioniert. Simon Daniels Gesang unterscheidet sich von Plunketts nicht unwesentlich, aber er versucht ihn auch erst gar nicht zu kopieren, so verleiht er den Autograph-Songs eine neue, eigene Note. Das funktioniert bestens.

Dass zum großen Finale der Überhit `Turn Up The Radio` noch einmal die müden Knochen der Fans zum schwingen bringt, versteht sich von selbst. AUTOGRAPH geben mit diesem Auftritt dem Festival einen würdigen Abschluss  und man darf gespannt sein, wann sich die Kalifornier erneut in unsere Gefilde wagen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




19.06.17
Von: Jürgen Tschamler
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