KNOCK OUT FESTIVAL

19.12.2015, Karlsruhe, Schwarzwaldhalle


Pics: Jensonaut Knutson

Das Knock Out Festival gibt es seit 2005. Trotz der zehn Jahre, fand erst die nunmehr achte Auflage statt. Wir waren vor Ort.

Nachdem das Festival im letzten Jahr aus der Europahalle in die kleinere Schwarzwaldhalle umziehen musste, hagelte es hinterher Beschwerden. Ein Bonsystem und zu wenig Getränkestände sorgten für Chaos beim Biernachschub. Auch sonst lief wohl nicht alles glatt. Die Organisatoren nahmen sich die Kritik zu Herzen und überarbeiteten das Prozedere. In diesem Jahr gab es daher kaum Gründe zum Nörgeln.

Pünktlich um 17:00 Uhr betraten die Israelis ORPHANED LAND die Bühne und heizten die bereits gut gefüllte Halle mit ihrem Oriental Metal gehörig auf. Harte Gitarren trafen auf arabische Melodien, was durchaus seine Reize hatte und auch beim Publikum gut ankam.

Sänger Kobi erzählte zwischen zwei Songs über die Situation im Nahen Osten und die Probleme mit Religion und Politik. Die vielen Fans in den arabischen Nachbarstaaten können die Israelis nur sehen, wenn sie lange Reisen zu Konzerten außerhalb der Region auf sich nehmen. Kobi stellte in einem interessanten Statement fest, dass wir alle an eine Religion glauben, nämlich fuckin Heavy Metal. Coole Band.

In der Umbaupause inspizierte ich mal die Halle und fand heraus, dass es neben einer VIP-Lounge auch einen Biergarten in der Nebenhalle gab. Fünf Essenstände sorgten für das leibliche Wohl und auch an Getränkeständen mangelte es in der ganzen Halle nicht. Nur zu Stoßzeiten in den Umbaupausen konnte es zu Wartezeiten kommen. Zwischendrin hatten eher die Bedienungen Langeweile.

Als zweite Band betraten AXXIS die Bühne. Die Truppe um Bernhard Weiss, der nebenbei auch als launiger Conferencier die Bands ansagte, nahm ihren Job als Partyband ernst, nutzten die 50 Minuten Spielzeit und versorgte die meist doch schon älteren Besucher mit Songs aus mittlerweile 25 Jahren Bandgeschichte.

Dies wurde durchaus honoriert und somit entstand eine Win-Win-Situation.

Der heutige Abend stellte eine Besonderheit dar. Die aktuelle RAGE-Besetzung und das seit diesem Jahr unter dem Namen REFUGE wieder aktive Line-Up aus den späten 80ern und frühen 90ern sollten aufeinander treffen. Peavy betrat zuerst mit seiner runderneuerten aktuellen Mannschaft die Bühne, zu der sich nach ein paar Songs die alten Recken Manni Schmidt und Christos Efthimiadis gesellten.

Mit denen zockte die einzige Konstante im Bandgefüge, Peavy, weitere Gassenhauer aus der gemeinsamen Zeit von 1988 bis 1993. Zum Schluss vereinten sich beide Bands noch einmal, was eine exklusive Angelegenheit bleiben soll, die fast exakt ein Jahr nach der Bekanntgabe der Gründung von REFUGE stattfand. Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst. Für 2016 wurde übrigens ein neues RAGE-Album angekündigt. Wir sind gespannt.

Seit Jahren erzählen mir alle möglichen Leute wie geil D-A-D sind. Ich habe die Dänen auch schon bei verschiedenen Gelegenheiten gesehen, werde aber irgendwie nicht mit ihnen warm. Nennt mich einen Banausen, aber das ändert sich auch heute nicht.

Okay, dass der Bassist mit zwei Saiten auskommt ist ganz witzig und Sänger Jesper geht ab wie eine Rakete, aber dennoch läuft mir der Stoff der Jungs nicht rein. Ich nutze die Gelegenheit, um das kulinarische Angebot im Biergarten zu testen. Dort bin ich übrigens nicht der Einzige. Außerdem ergibt sich während der Stunde Spielzeit so die Gelegenheit, mal mit ein paar Bekannten zu quatschen.

Wer übrigens 70 Euro auf das Festival-Ticket drauf gelegt hat, durfte sich zum VIP adeln lassen, was einige Vorteile brachte. Neben einem kostenlosen Parkplatz, einem Päckchen mit einigen Goodies und einer eigenen Lounge, stand den Edelgästen auch ein extra abgesperrter Bereich vor der Bühne zu. Die „Normalos“ standen dahinter und somit um einiges weiter entfernt von der Bühne als vielleicht gedacht. Komisches Konzept, es wurde aber von nicht wenigen in Anspruch genommen.

Auf den vorletzten Akt des Abends waren viele gespannt. Der ehemalige Queensryche-Sänger Geoff Tate hat eine All-Star-Band um sich gescharrt und ihr den Namen OPERATION MINDCRIME gegeben. Mit dieser führte er nun das namensgebende Album von 1988 komplett auf. Während der ersten Songs war die Stimme etwas leise, was sich später änderte und so wurde der Gig eine Demonstration dafür, dass es Geoff durchaus noch drauf hat.

Warum er nun, nach der Trennung von seiner alten Band, mit der er die alten Songs seinerzeit nicht mehr aufführen wollte, nun doch wieder auf dieses Material zurück greift, wird er wohl nur selber wissen. Legitim ist es auf jeden Fall. Dass seine Mitmusiker, die sich ihre Sporen schon bei AC/DC (Drummer Simon Wright) oder Disturbed (Basser John Moyer) und weiteren Bands verdient haben, ihr Handwerk verstehen, zeigte sich. Durchaus ein geiler Auftritt mit Kultcharakter.

Kult sind die Headliner des heutigen Abends schon lange. Bereits 2011 standen die Krefelder Fantasymetaller BLIND GUARDIAN ganz oben auf dem Billing des Knock Out. Nun durften sie zurückkehren und zeigten sich vom Publikum ebenso begeistert wie dieses von der Band. Mit Beginn des Auftritts war der Biergarten fast wie leergefegt und der Bereich vor der Bühne gut gefüllt.

85 Minuten standen auf dem Plan, dass es am Ende über 90 wurden, lag an singfreudigen und textsichern Besuchern sowie der gut aufgelegten Band, die das Luxusproblem hatte aus alten und neuen Songs eine passende Mischung zu kreieren.

Das ist durchaus gelungen und wurde auch entsprechend honoriert. Ein gut aufgelegter Hansi Kürsch führte durch das Best-of-Programm und war gut bei Stimme. Drummer Frederik trieb seine Bandkollegen gut an und kurz nach ein Uhr Nachts wurden müde aber bestens gelaunte Konzertgänger in die milde Dezembernacht entlassen.

Fazit: Die Organistoren haben aus den Fehlern des vergangenen Jahres gelernt und diese nicht nur ausgemerzt, sondern sogar noch einiges mehr getan. In dieser Form darf das Knock Out Festival im nächsten Jahr durchaus wieder stattfinden. Wir sind gespannt was uns dann erwartet.

 




20.12.15
Von: Jensonaut Knutson
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