IRONHAMMER FESTIVAL 2017

9. September, JUZ Live Club, Andernach


 

 

 

 

 

 

 

Wenn das JUZ in Andernach ruft, weiß der Metal-Maniac, dass harte Unterhaltung auf höchstem Niveau ansteht. So auch heuer beim IRONHAMMER, welches als Headliner gar ANVIL eingeladen hatte. Bei der geballten Qualität der vorherigen Gruppen ist es fast ein Wunder, dass man noch Reserven für die sympathischen Kanadier hat. Doch lest selbst...

 

Äußerst energetisch eröffnen IMPACTOR aus dem Hunsrück mit ihrem lospreschenden Thrash und leichten KREATOR-Anleihen. Auf geilem Niveau prügeln sie das begeisterungsfähige Publikum windelweich und bei 'Impactor' wird auch der alte SLAYER ausgepackt, sodass die Gesichter der thrashaffinen Menge deutlich von einem breiten Grinsen umrahmt werden. Großer Start.

 

Ich liebe kontrastreiche Mahlzeiten und dafür lassen die ebenfalls aus der näheren Gegend stammenden FINAL FORTUNE die goldenen Eighties los. Und zwar mit Outfits und Songs, die eine deutliche Sprache sprechen. Besser hätten DOKKEN 'Hungry For Love' wirklich nicht hingekriegt, 'Electric Lover' geht schön nach vorne los und die Ballade 'Coming Home' hätte zu dieser gewissen MTV Aufbruchszeit Dauerrotation haben können. Ich persönlich bin dankbar, dass jemand heutzutage so was noch schreibt und spielt. 'Raised On Rock' knallt fast wie MÖTLEY zu Anfangstagen und der Abschlusshit 'Dirty Nights' zieht verdienterweise noch drei Jungmosher auf die Stage zum betreuten Bangen. Famos.

 

Nun kann auch ich mal durchs Stargate schreiten und endlich eine meiner erklärten Faves unter den Pharaonenanbetern des international konkurrenzfähigen Power Metal live erleben. RA'S DAWN erheben sich majestätisch aus den Katakomben der Liveabstinenz und überraschen neben den neuen Krachern 'We Play The Music Of The Devil' und 'Crusher' mit einer Liveperformance, die der Sphinx den abgebrochenen Rüssel nach innen föhnt! Da kann ich nur noch huldigen, zumal mein Jahrhundertsong 'Twist Of Fate' erstklassig entmummifiziert wird. 'Exodus' erweist sich erwartungsgemäß als extrem powervolles Brett mit leicht progressiven Tendenzen, Thrashattacken und einem Sänger, von dem JEDE Powermetalband nur träumen kann, auch was das Stageacting betrifft. Er isst, lebt und scheißt METAL, wie es der Pressesprecher einer lederbeschürzten Epicboyband einst sinngemäß formulierte, bevor er eine Überdosis vom guten, alten Richard Wagner nahm, die ihm fortan im dickschädligen Hirn hängen blieb.

Hier und heute glänzt jeder einzelne Musiker durch grandiose Riffgewitter, der Fünfsaiter wird ausgiebig bearbeitet und das Powerdrumming treibt alle zu Höchstleistungen voran. 'Revenant Soul' zeigt ebenfalls eindrucksvoll, dass RA'S DAWN leider immer noch zur Sparte der 'unterbewertetsten Band meines Universums' zählt, was keinen Orden bringt, aber die Auszeichnung für tighte Spielfreude ist sicher. Das motörhead'sche Zugabencover 'No Class' räumt schließlich ebenfalls nochmal derbe ab. Amen! Oder heißt das Amon Ra auf ägyptisch?

 

Beim Anblick des Frontmanns von SOBER TRUTH stellt sich folgende Frage: Ist Pete Steele auferstanden, trägt Brille und ein Bäuchlein, ist auf Gitarre gewechselt und spielt wieder CARNIVORE? Die Antwort gibt es musikalisch einwandfrei auf die Fresse in Form von Independent Metal mit extrem jungem Talent an der zweiten Gitarre, Bassistin und einem Ultragroover am Drumkit. Wenn es immer so kreativ rappelt, wenn zwei Musikergenerationen aufeinandertreffen, dann bitte mehr davon. Platte gekauft.

 

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Die hessischen Frohnaturen von ABANDONED geben sich endlich wieder die Ehre im altehrwürdigen JUZ zu Andernach. Mein lieber SLAYER, was sind die seit 100 Jahren geil und wer kennt sie? Immer noch eine der kompromisslosesten Oldschoolern, die sich technisch stets weiterentwickelt haben und für mich zur ersten metallischen deutschen Bundesliga zählen. Zu aller Bangfreude wird gegen Ende tatsächlich noch unvorhersehbar rhythmisch ein bisschen MORDRED draufgesetzt. Immer wieder ein Vergnügen.

 

Und wieder schwenken wir um zur metallischen Melodiefraktion, diesmal aus dem renommierten Hause GLORYFUL from 'Rock Hard Country' Gelsenkirchen. Und noch eine Combo, die weitaus größere Aufmerksamkeit verdient hätte. Es fetzt hier mehr als bei SABATON und ist truer als HAMMERFALL - sorry Leute, wenn ich diese beiden Topseller immer als Buhmänner verwurste, ich gönne ihnen den Erfolg, aber ich benötige auch Synonyme für mainstreamige Belanglosigkeit, vielleicht liegt's auch an meiner rebellischen Underdogseele, dass mir die kleinen Feinen eher reinlaufen wie zum Beispiel jetzt gerade. Diesen ewig lachenden Drummer muss man einfach liebhaben, saustarke doppelläufige Gitarren tun ihr übriges und das Bartmonster unter der Bassistenfraktion liefert ebenfalls eine klasse Show. Songs wie der 'Warriors Code' dürfen so frisch vorgetragen auch ruhig mal mit typischem MAIDEN-Mitsingpart aufwarten. Zeitweise erinnert mich der Sänger an ARTCH oder gar SWORD. Follow The Wheel - ich tu's und erweitere meine Sammlung mit der zweiten glorreichen Vinylveröffentlichung der Mannen in der Hoffnung, dass nächstes Mal die grandiose 'Ocean Blade' ebenfalls in Vinyl geritzt ist. Weiter so.

 

Der Hammer of Doom erwischt diesmal STORMWARRIOR - will heißen, dass meine selbstauferlegte Regenerationsphase mit reichlich Fantalk (man muss ja immer auf dem Laufenden bleiben, was die Basis bewegt) mir nur den Genuss der letzten beiden Songs der Speedwikinger um Urkämpfer Lars ermöglicht. Auch ohne die Präsenz eines Yenz Leonhardt zünden die Gassenhauer und anhand der Reaktionen scheint der Auftritt so souverän gelaufen zu sein, wie man es von den Hanseaten kennt.

 

ANVIL!!! Fuck yeah! Wer den Film, der uns ja leider auch in letzter Zeit Fernsehgartenpublikum auf den Konzerten beschert, gesehen hat: sie sind ganz einfach so! Eine der gaaanz wichtigen Dreierbesetzungen, die durch die ewige Freundschaft zweier idealistischer Underdogs über die Jahre beseelt wurde. Highlights sind 'Free As The Wind' als Lemmy Gedenksong, die Doom Attacke 'This Is Thirteen'. Mir wird mal wieder klar, dass sich hier und heute die Mitbegründer einiger Stilrichtungen die Ehre geben. So viele haben aus ihren Anfängen mit steigendem Bekanntheitsgrad und sinkender Qualität so viel Kapital geschlagen, dass es einfach einer salbenden Taufe gleichkommt, in Lips' Gesicht ausschließlich 'Metal Til I Die!' lesen zu können.

Natürlich holt Lips den traditionellen Beglücker raus und rubbelt seiner Sexsaitigen Tap-Slap-Slide-mäßig einen, dass sie GWAR-mäßig übers Publikum kommen müsste. 'Daggers And Rum' erläutert uns, wer die echten Piraten sind anstatt den eineiigen Einäugern der Trendszene. Das Instrumental 'White Rhino' eröffnet für den anderen unsterblichen Freund Rob ein Drumsolo, das ich live definitiv nicht missen möchte. Scheiss-auf-alter-Mann, hier drumt jemand, der seit Anbeginn der Zeitrechnung alle Stile beherrscht und den Metal (un)kultiviert hat. Auch mit Chris am Bass fand man vor Jahren ein wahres Schätzchen. Vom aktuellen Album wird mit dem Anti-Fanatismusknaller 'Die For A Lie' extremen Formen des Irrglaubens der Mittelfinger entgegengestreckt und mir ein äußerst ernstes Thema von der Seele geschrubbt.

Der unumstrittene Klassiker 'Metal On Metal' mit seiner entspannten Art könnte für die Metalgemeinde als Alter Ego von F.G.T.H.s 'Relax' durchgehen und ich denke erneut an Toleranz, Great Britain und wer überhaupt die Nieten in die Szene gebracht hat: „Hey Rob Halford, echt jetzt - DU? Wirklich?“ Wer konnte das bei dem Outfit kommen sehen, but W.T.F.! 'Born To Be Wild' beantwortet meine Frage nach Gleichheit endgültig, denn diese Ur-Klassikerwahl lässt seit Anbeginn der Metalzeit alle kehlen den 'Heavy Metal Thunder' grölen. Grandioser Abschluss und sei euch die Unverwüstbarkeit eines OZZY gewünscht, damit ihr uns noch lange mit ECHTEM Metal begeistern könnt. Hail.

ABSCHLUSSGEBET: Möge das Licht des Stahls noch lange über den Machern dieses und anderer Festivals im JUZ scheinen! Und ihr da draußen in erreichbarer Nähe von Full Metal Country Andernach: Ich bete zum mächtigen CHROM, dass es noch nicht zu spät ist, eure heiligen Eintrittskarten für das 'A Chance For Metal' zu ersteigern, wenn euer Metal Heart auch für die Zukunft und unbekanntere Bands, die das Rampenlicht definitiv verdient haben, schlägt. Bis dahin sieht man sich vielleicht bei einem der kommenden Metalabende im JUZ, wie zum Beispiel mit den gigantischen SATAN kurz vor Jahreswechsel. Stay Heavy!




09.10.17
Von: Less Leßmeister
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