FOREIGNER, BLACK STAR RIDERS

25.05.2017, Frankfurt, Jahrhunderthalle


Manchester hat auch Auswirkungen auf das BLACK STAR RIDERS/FOREIGNER Konzert an diesem Abend in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Man steht vor der Halle ungeduldig in einer von drei langen Schlangen und es geht nur langsam voran, da die Sicherheitskontrollen doch äußerst Zeitaufwendig sind. Da hilft es auch nicht, alle zwei/drei Minuten auf die Uhr zu schauen, 20 Uhr rückt unaufhaltsam näher. Dann sind die ersten Töne der BLACK STAR RIDERS zu hören, der Blick wandert erneut verzweifelt auf die Uhr und auf die Menschenschlange vor einem, die nicht wirklich kürzer geworden ist. Einerseits verständlich, anderseits auch nicht wirklich cool, dass man                                                                         nicht wartet bis alle drin sind oder eventuell einfach früher                                                                             mit  dem Einlass beginnt.

Endlich im Gebäude drin, sprinte ich die Treppen hoch, um in die Halle zu gelangen. Da bei dieser Veranstaltung Sitzplatzzwang herrscht und die ganzen Sitzplätze derweil im Dunkeln liegen, ist auch hier Durcheinander angesagt. So werden verzweifelt Hinweise auf Sitzplatzreihen sowie Sitzplatznummern gesucht. Die zwei Damen, die mit Taschenlampen Hilfestellungen geben sollen, sind deutlich zu wenig und auch überfordert. Überhaupt, warum ein Sitzplatz-Zwang, vor der Bühne, bei einem Rockkonzert? Geht man davon aus, dass die Leute hier alle gebrechlich und alt sind und einen Sitzplatz benötigen? Da kann ich mir auch zuhause eine FOREIGNER Live-DVD reinziehen. Sicher ist der Altersdurchschnitt sehr hoch, unter 35 Jahren finden sich hier sehr wenige Menschen, aber zwischendrin finden sich auch Kuttenträger, wie der junge Mann mit STEEL PANTHER- und POISON-Patches auf seiner Jeansjacke, der schon bei den BLACK STAR RIDERS kaum auf dem Sitzplatz zu halten ist.

Also die ersten zehn Minuten der Band um Fronter Ricky Warwick verpasst, bis endlich jedermann auf seinem Plätz „sitzt“. Der Sound ist auffallend warm, sehr gediegen und die ex-THIN LIZZY Truppe kommt überraschend gut an.

Interessanterweise erwähnen sie in keiner Sekunde Verbindungen zu THIN LIZZY und spielen mit `The Boys Are Back In Town` auch nur einen Song aus dieser Ära, der allerdings lautstarken Applaus erhält. Ansonsten rocken sie sich stilsicher durch die letzten beiden BLACK STAR RIDERS-Alben. `Bound For Glory´, `Finest Hour` oder `Kingdom Of The Lost` grooven schön rein. Warwick dominiert das Bühnengeschehen mit coolen Rockstarposen.

Gitarrist Scott Gorham ist sich seines legendären Status bewusst, überlässt allerdings Warwick den Vortritt. Schlagzeug Neuzugang Chad Szeliga liefert wuchtig und mit technisch sauberem Spiel. Trotz guten Gesamteindruckes wirken die Musiker doch sehr abgebrüht und eine gewisse statische Note ist dem Auftritt nicht abzusprechen. Spontane Reaktionen oder Aktionen auf die lauten Publikumsreaktionen bleiben aus. Schlussendlich aufgrund der exzellenten musikalischen Qualität des Materials ein guter Auftritt, auch wenn man das Gefühl hat, dass die Band sich aufgrund der sitzenden Menschen nicht wirklich wohl fühlt.

40 Jahre FOREIGNER werden mit einer klassischen Tour gefeiert, auch wenn mit Gitarrist Mick Jones nur noch ein Original-Mitglied in der Band tätig ist. Aber Jones ist der Mann, der die meisten Hits für die Hit-Maschine FOREIGNER geschrieben hat. Das Line-up, das er um sich aufgebaut hat, besteht aus exzellenten Musikern wie u. a. Basser Jeff Pilson (ex-DOKKEN, DIO, MSG) oder eben dem überragenden Sänger Kelly Hansen, der maßgeblich für das Wiedererstarken der Band verantwortlich ist.

Das der Abend ein Siegeszug für die sieben Musiker werden würde, war von Beginn an klar. Beim Erscheinen der Musiker auf der Bühne springt alles auf…. Ein bisschen Rock`n`Roll hat jeder alte Knochen noch in den Beinen und das ist gut so. Denn was FOREIGNER hier abliefern, ist ein perfekt inszeniertes Hitfeuerwerk, das einem erst einmal bewusst macht, wie wertvoll diese Band für die Rockmusik ist.

Sänger Kelly Hansen dominiert ganz klar das Geschehen. Locker, gesanglich absolut Top reißt er die Anwesenden förmlich mit. Und der rocken´n´rolligsten Moment des Abends ergibt sich aus der Aufforderung des Sängers an das Publikum, ihre Ärsche aus den Stühlen zu hieven und doch direkt vor die Bühne zu kommen. Als das nur zögerlich geschieht, springt der an AEROSMITHs Steven Tyler erinnernde Sänger von der Bühne und arbeitet sich auf den Stühlen bis in die hinteren Reihen vor. Respekt, Herr Hansen!

Kollektives Mitsingen ist bei Smashern wie `Urgent`, `Head Games`, `Double Vision, `Juke Box Hero`, `Feels Like The First Time`, `Waiting For A Girl Like You` etc. ... selbstredend. Stillstehen fast unmöglich.

Die zu den Songs schön abgestimmte Lightshow rundet ein stimmiges Gesamtbild ab. Störend ist eigentlich nur ein Keyboard- sowie Drumsolo, das man nun wirklich nicht braucht. Die Musiker selbst zeigen sich äußerst aktiv auf der Bühne.

Der schon erwähne Pilson post wie in seinen besten jungen Jahren, während Bandleader Mick Jones den ruhenden Pol der Band darstellt. Bei der Einzelvorstellung der Musiker erhält er neben Hansen den lautesten Applaus. Er ist der Boss.

FOREIGNER liefern auf ihrer 40-Anniversary Tour das erwartete Hitpaket und gehen dabei keinerlei Risiken ein. Ein erfreulicher Abend, der einen 30 Jahre jünger aus der Halle laufen lässt ...

 

[Fotos alle aus der achten Reihe ...]




28.05.17
Von: Jürgen Tschamler
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