DESTRUCTION, FLOTSAM & JETSAM, ENFORCER, NERVOSA

18. September 2016, Ludwigsburg, Rockfabrik


Fotos: Jürgen Tschamler/Joachim Schlums (Nervosa)

 

 

 

 

 

 

 

 

Aktuell ist eines der besten Thrash-Pakete des Jahres 2016 unterwegs. Unter dem Slogan „ Europe Under Attack 2016“ ackern sich DESTRUCTION, FLOTSAM & JETSAM, ENFORCER, sowie das brasilianische Mädelstrio NERVOSA durch die europäischen Clubs und hinterlassen eine Schneise der Verwüstung.

Obwohl gerade einmal etwas mehr als 300 Nasen an diesem Sonntag in Ludwigsburg ihren Arsch vom Sofa bekommen haben, geben die Bands alles. Man hätte schon annehmen können, dass solch ein hochkarätiges Package mindestens 500 Leute ziehen würde, doch irgendwie scheint nach dem Festivalsommer noch eine gewisse Sättigung zu herrschen. Zudem macht sich wohl gerade ein Tour-Overkill bemerkbar und Sonntage zählen mittlerweile nicht gerade zu den bestbesuchten Tourtagen.

 

NERVOSA

Die Brasilianerinnen eröffnen den Abend um 18.20 Uhr mit simplen, aber effektiven Old-school-Geballer. Nach dem überraschenden Ausscheiden von Drummerin Pitchu Ferraz haben Fernanda und Prika die Kanadierin Samantha Landa als Ersatz geholt, zumindest für letzte USA Tour und die aktuelle Europatour. Die zierliche Kanadierin macht einen guten Job ebenso wie Fernanda Lira. Eine exzellente Frontfrau, die mit wilden Gesten das Geschehen auf der Bühne dominiert.

Gitarristin Prika liefert zwar eine ordentliche Salve an Riffs, beim Stageacting jedoch ist sie eher passiv. Leider ist der Sound ziemlich matschig und entzog der Gitarrenpower ihre Stärke. Dennoch sind die 30 Minuten trotzdem schnell rum und die Band verließ unter Zugaberufen die Bühne.

 

ENFORCER

Man kann die Schweden mit ihrem speedigen Metal als Außenseiter in diesem Tourpackage sehen. Doch während ihres 50-minütigen Auftritts lassen die Jungs nichts anbrennen und liefern bestes Bangermaterial. Gerade die ganz schnellen älteren Songs sind die echten Highlights des Gigs.

Die Jungs wissen zu posen, allen voran Sänger und Gitarrist Olof Wikstarnd. Dem stehen seine Kollegen, Gitarrist Joseph Tholl und Basser Tobias Lindkvist, in nichts nach. Schwerpunkt des Auftritts sind die Songs vom letzten Longplayer `From Beyond`. Optisch sind ENFORCER eine echte Bombe, über die Songauswahl kann man diskutieren. Ich hätte mir mehr schnellere Songs gewünscht. Auch ENFORCER kämpfen mit dem Sound, der den Stücken doch etwas von ihrer Power und Aggressivität nimmt.

 

FLOTSAM & JETSAM

Die Arizona-Thrasher haben in den letzten paar Jahren wieder zu alter Form gefunden und sind live aktuell eine echte Waffe. Dazu kommt ein Backkatalog, der mit Killern gespickt ist. 

Dass bei 50 Minuten Spielzeit (zu) viele Klassiker auf der Strecke bleiben würden war eigentlich klar. Trotzdem ist der Gig großartig. Der Einstieg mit 'Seven Seals' und `Dreams Of Death` lockert schon einmal die Nackenmuskulatur. Eine rasende Version von `Hammerhead` lässt das Publikum durchdrehen, ein `Desecrator` trifft präzise ins Ziel.

Bewegungfreudig und absolut tight vergehen die 50 Minuten im Nu, den Schlusspunkt bildet die Hymne `No Place For Disgrace`. Volle Punktzahl für die Amis, die mit dem wenig transparenten Sound zu kämpfen haben.

 

DESTRUCTION

Nach diesem Hammergig der Flots müssen DESTRUCTION schon ordentlich Luft holen um auf Augenhöhe mithalten zu können. Doch Schmier nimmt's gelassen und prügelt in den nächsten 80 Minuten sprichwörtlich die Scheiße aus seinem Bass. Der Zwei-Meter-Hüne dominierte wieder einmal mit seiner kantigen Ausstrahlung sowie löblichen Sprüchen das Geschehen auf der Bühne.

Das Trio hat zwar ebenfalls keinen überragenden Sound, jedoch den besten des Abends. Das Problem analog zu FLOTSAM & JETSAM: zu viel erstklassiges Material für deutlich zu wenig Spielzeit.

Das neue `Under Attack` eröffnet den Gig. Dann brettert die Band mit den Highlights `Nailed To The Cross`, `The Butcher Strikes Back`, `Mad Butcher`, `Thrash Attack`, `Bestial Invasion` und `Curse The Gods` wie ein TGV durch den Gig. DESTRUCTION kamen, spielten, siegten. So sollte es sein.

 

Fazit: Da die Tour noch bis Mitte Oktober in Europa unterwegs ist, sollte man sich dieses Vierer-Package nicht entgehen lassen. Mehr unverfälschten, hochklassigen Metal kann man sich an einem Abend kaum verabreichen.




19.09.16
Von: Jürgen Tschamler
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