BLOODBOUND, CRYSTAL VIPER, THOBBE ENGLUND, REXORIA

05.04.2017, Weinheim, Cafe Central


Fotos: Jürgen Tschamler

 

 

 

 

 

 

 

Der Klassiker: Die Homepage des Clubs sagt 19 Uhr Einlass, erste Band 19.30 Uhr. Man schlägt somit sieben bis acht Minuten vor 19.30 Uhr im Club auf und stellt jedoch verwundert fest, dass bereits eine Band spielt. Verdammt, was ist denn jetzt wieder schief gelaufen?

So fragt man den einen oder anderen Bekannten, doch die meisten sind auch erst fünf bis zehn Minuten zuvor eingelaufen. Genau kann keiner sagen, wer da schon auf der Bühne steht. Erst als die leicht kompakte Sängerin in skandinavischem Englisch den Bandnamen erwähnt, ist endlich klar, dass dies der Opener des Abends ist: REXORIA.

Das schwedische Quartett um Frontfrau Frida Ohlin liefert jedoch schlicht banalen skandinavischen Heavy Metal mit seinen tausend Mal gehörten Melodien und Riffs. Frida selbst klingt bei manchen Songs nicht ganz so klassisch wie die ganzen Classic-beeinflussten Trullas, sondern kombiniert diese Einflüsse mit einer teils angenehmen Heavy Metal-Stimme. Und dennoch, die Songs wirken derart altbacken und vorhersehbar, dass man wohl erst nach dem vierten oder fünften Bier den musikalischen Erguss toll findet. Zudem kommt hinzu, dass der Sound leicht matschig klingt, was dem ganzen Auftritt nicht wirklich förderlich ist.

Und dennoch wackeln fast 50 Prozent der Anwesenden, knapp 110 Leute haben sich etwa hier eingefunden, brav mit dem Kopf und regen die Faust oder die Pommesgabel in die Clubatmosphäre. Resümierend daraus, war es vielleicht nicht einmal so schlecht, dass man nur noch 15 Minuten des Auftritts mitbekommen hat.

 

Als nächstes kommen ex-SABATON THOBBE ENGLUND und seine Begleitband an der Reihe. Englund, der im August 2016 SABATON verließ, kann inzwischen auf vier Soloalben zurückblicken. Nicht wenige sind daher nur wegen dem „ex-SABATON“ Gitarristen gekommen, wie nicht zu überhören ist.

Englund ist selbst von dem überlauten Willkommensgeschrei überrascht. Knappe 50 Minuten lang gibt es dann Stumpf-Metal der banalsten Sorte. Dazwischen Soloeinlagen des besagten Herren und immer wieder 08/15-Geballer. Dass Englund außerdem singen kann, ist ein Gerücht.

Er nervt schlicht mit einer Stimme, die nicht geeignet ist, Live zu singen. Die Songs selbst sind absolutes Klischee, die Leute freut es trotzdem und sie klatschen und bangen grinsend zu den Bierzelt-Riffs. Keine Ahnung, warum das hier so abgefeiert wird, ist das Gebotene doch wirklich nur Zweitliga-Geballer.

Die schnellen Songs sind teilweise okay, werden aber immer wieder von schlecht klingenden Soli ausgebremst.

Die Jungs auf der Bühne scheinen ihren Spaß zu haben, derweil die Luft in dem kleinen Laden immer stickiger und heißer wird. Die Sauna lässt grüßen. Englund freut sich trotz der Hitze, dass die ersten Reihen ihn anhimmeln und beklatschen. Ich frage mich allerdings andauernd, „Warum“ das Gebotene solch überbordende Stimmung hervorruft? Liegt es tatsächlich nur am ex-SABATON Bonus? Ach ja, der Sound ist auch daneben, was das Ganze noch unerträglicher macht.

 

Mit CYRSTAL VIPER kommt endlich als Drittes eine Band auf die Bühne, die die Erwartungen erfüllt, auch wenn Frontfrau/Sängerin/Gitarristin Marta Gabriel bei den ersten zwei bis drei Songs stimmlich noch nicht wirklich auf Betriebstemperatur ist.

Die Hitze ist inzwischen jedoch enorm, was den Musikern auf der Bühne schon nach dem dritten Song mächtig zusetzt. Auch hier ist der Sound nicht ganz perfekt, aber besser als bei den zwei Acts zuvor. Die Polen liefern eine souveräne Setlist, wobei einige Songs des neuen Albums wie `When The Sun Goes Down`, `I Fear No Evil` oder `The Witch Is Back`umgehend zünden. 

 Während Marta durch die Doppelbelastung Gesang/Gitarre am Mikro sozusagen zwangsläufig festklebt, post Basser Blaze J. Grygiel amtlich. Gitarrist Andy Wave ist dagegen voll in sein Gitarrenspiel vertieft und nicht wirklich ein Aktivposten. Marta selbst bleibt der strahlende Mittelpunkt und hat mit knuffigen Metalansagen die Fans schnell auf ihrer Seite. Kleiner Höhepunkt des Sets: `Gladiator, Die By The Blade`!

Somit ein solider Auftritt in dem inzwischen zu einer Sauna verkommen Club. Der Schweiß trieft in Strömen und man kann es der Band nicht verdenken, dass sie froh ist, bei der brutalen Hitze von der Bühne zu können.

 

BLOODBOUNDs erste Headliner Tour in Deutschland läuft unter dem Titel "Dragons And Witches Tour" und daher geht die Band wohl auf Nummer sicher und liefert eine solide Setlist von Klassikern der letzten Alben. 

Unfassbar aber was für eine Hitze hier inzwischen herrscht. Die Fans drängen sich nun dicht an dicht vor der Bühne, ein vordringen, um Fotos zu machen, ist unmöglich. Die Luft steht, eine Art Dampf aus Schweiß, Hitze und den Nebelmaschinen raubt einem fast die Sicht auf die Bühne. Derweil schwitzt sich Fronter Patrik Johansson mit seinem schweren Umhang einen Wolf. Dass die beiden kleinen, niedlichen aufgeklebten Hörner nicht abfallen, überrascht.

Die Bühne ist fast zu klein für die Schweden, die dennoch recht aktiv sind. Die Fans sind textsicher und gröhlen zu Hymnen wie `Stand And Fight`, `In The Name Of  Metal` oder `Dragons Are Forever` lautstark mit. Der Sound ist auch hier nicht optimal und leicht matschig. Zwischendurch gibt’s Bassbrummen für umme. Dass die Band `Metal Monster` nicht spielt, ist dann doch verwunderlich. Dafür beendet sie den Gig mit dem wohl besten BLOODBOUND-Song ever: `Nosferatu`.

Allerdings wird dieser in einem Tempo runter geprügelt, dass die epische Klasse des Songs darunter leidet und der Sound das ganze Ding massakriert. Daher kann schlicht behauptet werden: Der Track wurde komplett ruiniert. Dennoch haben BLOODBOUND eine überzeugende Vorstellung gegeben und deutlich gezeigt, dass sie das, was sie machen, mit Power und Herz auch live liefern können.

 

(Fotos von BLOODBOUND waren schlichtweg nicht möglich. Im Abstand von fünf Metern war nur nebeliges Rauschen auf den Aufnahmen zu erkennen. Man verzeihe dies.)




09.04.17
Von: Jürgen Tschamler
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