BLACK TRIP, REDS’COOL

22. September 2015 - München, Garage Deluxe / 24. September 2015 - Weinheim, Cafe Central


München, Garage Deluxe

Dienstagabend, Oktoberfest, Bayern-Heimspiel - ob das als Erklärung reicht, warum sich nur rund 50 Nasen in der "Garage deluxe" am Münchner Ostbahnhof einfinden, muss jeder für sich selbst entscheiden. Eine Band von der Güte BLACK TRIPs hätte in einer Millionenstadt wie München auf jeden Fall mehr Besucher verdient. Traurig, aber es hilft ja nix.

Wenigstens lassen sich die Stockholmer Vintage-Metaller nicht von der überschaubaren Kulisse herunterziehen. 80 Minuten lang gibt’s stählere Leidenschaft pur, auch wenn die kleine Bühne den Bewegungsdrang des Quintetts spürbar einschränkt. Sänger Joseph Tholl lässt es sich deshalb nicht nehmen, einen Instrumentalpart spontan zum Ausflug auf die Mini-Empore zu nutzen. Bierchen in die Höh’, ein Prosit - und weiter geht’s. Mit langen Ansagen hält sich Tholl nicht auf, BLACK TRIP schießen die Songs raus wie Robert Lewandowski ein paar Kilometer weiter die Tore.

‚Goin Under‘ und das frisch erschienene Zweitalbum ‚Shadowline‘ gibt’s beinahe komplett zu hören, als Highlight entpuppt sich das epische ‚The Storm‘, eine der besten DiAnno-MAIDEN-Verbeugungen überhaupt. Auch die Zugabe ist gut gewählt. RIOTs 'Outlaw', 2013 auf einer Split-Single mit DEAD LORD veröffentlicht, sorgt für ekstatische Jauchzer in der Fangemeinde. Am Merch-Stand kommt hinterher kaum einer mit vollem Geldbeutel vorbei. 

Die Vorband namens REDS’COOL dürfte sich bei den meisten Fans zu diesem Zeitpunkt schon wieder im mentalen Papierkorb befinden. Die nicht mehr ganz jungen Herren aus St. Petersburg, die schon als Anheizer für prominente Acts wie UFO, ACCEPT, GOTTHARD oder NAZARETH tätig waren, passen mit ihrem gefälligen, aber doch ziemlich altbacken daherkommenden Hardrock nullkommanull auf diese Tour. Wenig Jubel für den Rubel…

(Ludwig Krammer)

 

Weinheim, Cafe Central

Mit knapp 65 Leuten waren überraschend "viele" Interessierte ins Cafe Central gekommen, um sich an diesem Abend die schwedischen Vintage Rocker BLACK TRIP sowie die russischen REDS’COOL im Doppelpack zu geben. REDS’COOL lieferten den von den Alben her bekannten Hardrock mit einer Reibeisenstimme, die einem mit der Zeit aber auf den Sack ging. Technisch zwar eine gute Truppe, sind die Songs doch sehr simpel und unspektakulär gestaltet. Ab und an hört man mal auf, wenn die Band etwas tighter zur Sache geht, allerdings hat man dabei jedes Mal das Gefühl, den Song von woanders her zu kennen. REDS’COOL klingen wie tausend andere Kapellen und haben noch nicht einmal originelle Songs parat, die man speziell zuordnen könnte. Abgehakt.

BLACK TRIP lieferten dann knapp 85 Minuten deutlich bessere Songs und deutlich mehr Authentizität. Wobei der Sound den Jungs doch einen dicken Strich durch die Rechnung machte. Etwas breiig und nicht wirklich transparent verringerte dieses Handicap den Spassfaktor massiv. Die Bühne war für die fünf Herren etwas zu klein, so dass das Stageacting minimalistisch ausfallen musste.

Die Schweden kloppten mächtig hin, was dazu führte, dass gerade der leichte THIN LIZZY-Faktor auf der Strecke blieb und die Band bei den schnelleren Stücken wie eine NWoBHM-Truppe klang. Klar, jammern auf höherem Niveau, aber gerade die dezent bluesige Note des Erstlings machte doch den Charme der Band aus. Vom neuen Longplayer `Shadowline` wurde verdammt viel Songmaterial serviert, was ebenso überraschte, zumal das Teil gerade erst veröffentlicht war. Joseph Tholls Stimme war gut geölt und dementsprechend gut klangen seine Gesangsparts. Bei den langsameren Stücke zeigte sich zwar eine kleine Schwäche, die machte er aber bei dem schnellen Material wieder weg.

BLACK TRIPs Manko ist jedoch, dass kaum ein Song bisher wirklich einen Klassiker darstellt, der unwiderruflich mit der Band verbunden ist. Klar, das IRON MAIDEN-verdächtige `The Storm` gehörte sicher zu den Höhepunkten, gerade weil es live deutlich zackiger und schneller runtergerödelt wurde. Aber dann kommt eine Weile nichts. Was in meinen Augen vollkommen in die Hose ging war RIOTs Klassiker `Outlaw`, den BLACK TRIP regelrecht vergewaltigten. Nee, das war Klassiker-Schändung, meine Herren, und ging so gar nicht. Dennoch freuten sich die meisten Anwesenden wie kleine Hamster, denen man einen neuen Nussriegel kredenzte.

Der Abend ging zwar schnell vorbei, aber so richtig beeindruckt war meinereiner nicht. Da hätte die Bühne mehr brennen müssen. Und aktuell, muss ich gestehen, gefallen mir die Studioversionen von 'Shadowline' besser als die Liveversionen …

(Text: Jürgen Tschamler, Fotos: Jens Knutson)

 

 

 




24.09.15
Von: Ludwig Krammer/ Jürgen Tschamler
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