AUDREY HORNE, DEAD LORD, DEAD CITY RUINS

16.9.2015 - München, Backstage Club


Dass ein Rocksänger von der Bühne heruntersteigt, um auf Augenhöhe mit den Fans durchdrehen zu können, ist im Zeitalter moderner Funkmikrofone keine Sensation mehr. Dass ihm allerdings die beiden Gitarristen hinterherspringen und den Platz vor der Bühne zur Pocket-Arena für ein Axtduell umfunktionieren, das erlebt man dann doch eher selten. Beim phänomenalen Gig von AUDREY HORNE im Münchner Backstage Club wurde mal wieder klar, dass die besten Konzerte zumeist in den ganz kleinen Läden stattfinden. Und das lag nicht nur an den schweißtreibenden norwegischen Hook-Schmieden um Front-Derwisch Torkjell „Toschie“ Rød, sondern auch an den beiden Vorbands: DEAD LORD aus Stockholm und DEAD CITY RUINS aus dem fernen Melbourne.

 

DEAD CITY RUINS 

Die Australier, laut Eigenaussage seit März in Europa unterwegs ("Wir sind froh über jede Couch und dürfen hin und wieder auch in Kneipen proben"), brachten den Club mit ihrer Mischung aus Achtziger-Metal und hartem Rock'n'Roll souverän auf Betriebstemperatur. Sänger Jake Wiffen kommt eher nach Ozzy Osbourne als Brian Johnson, auch die Songs klingen mehr nach England als Down Under, wenngleich die Jungs bei den Twingitarren-Parts noch etwas üben müssen. Trotzdem ein starker Gig. Wiffens Balanceakt über die Bar bei fortgesetztem Gesang muss ihm erstmal einer nachmachen.

 

DEAD LORD

DEAD LORD beschränkten sich bei ihren Aktivitäten auf die Bühnenbretter und lieferten trotz aller Zappelei eine Lehrstunde in Sachen Groove und Tightness. Lockenwunder Hakim Krim und sein haariger Partner an der Flying-V, Olle Hedenström, könnten ihr Geld durchaus auch als Slapstik-Duo verdienen, sollte ihnen irgendwann die Lust am Saitenspiel vergehen. Wie Olle subtil in die Bierflasche spuckte, bevor er selbige freundlich lächelnd an Hakim weiterreichte, war eine willkommene Inspiration für das bevorstehende Oktoberfest.

Leider gibt's dort keine vernünftige Musik. Bei DEAD LORD hingegen wurde das Fan-Ohr mit einem erlesenen Querschnitt aus beiden Alben verwöhnt. Der Hit 'Onkalo' bekam einen 'The Trooper'-Wurmfortsatz spendiert, den Gipfel des Gigs markierte die neue, an 'Child In Time' erinnernde Ballade 'A Bold Move'. Nach der Zugabe 'Ghost Town' war es Zeit für etwas Frischluft. Der Höhepunkt des Abends sollte schließlich erst noch kommen.

 

AUDREY HORNE

Die Erkennungsmelodie der Muppet's Show - und ab geht die AUDREY mit 'Straight Into Your Grave'. "And my name ist Axl Rose" stellt sich Toschie den dicht gedrängt stehenden Fans vor. Auch sonst ist der gelernte Tätowierer kein Kind von Humorlosigkeit. Schlagzeuger Kjetil Greve muss den wilden Fronter regelmäßig mit dem Drumstick verscheuchen, wenn sich Toschie mal wieder am Becken vergreift oder den Kollegen mit schrägem Klatschen aus dem Takt bringen will. Zwischendurch genehmigt sich Mr. Rose zum Wasser ein paar kleine Schnäpschen - nein, er ist auch kein Kind von Nüchternheit.

Und die Musik? Schlicht brillant! 'There Goes A Lady', 'Blaze Of Ashes', 'Out Of The City' - Hit jagt Hit. Wohl dem, der auf eine solche Auswahl an Klassealben zurückgreifen kann. Und auf einen Co-Entertainer wie Bassist Espen Lien, der das Energielevel bei Toschies gelegentlichen Verschnaufpausen zähnefletschend hochhält. Der 'Redemption Blues' und 'Threshold' (vom 'Le Fol'-Album) sind exzellent gewählte Zugaben, mehr Fannähe als beim eingangs erwähnten Publikumsausflug geht sowieso nicht. AUDREY HORNE - ihr seid der Hammer!




18.09.15
Von: Ludwig Krammer
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