THE ELECTRIC FAMILY

Interview mit Tom "The Perc" Redecker


Pics: Band

Kürzlich erschien nach vielen Jahren ein neues Werk der ELECTRIC FAMILY . Da uns ´Terra Circus´ (Review siehe hier) ziemlich überraschte, musste ein Interview mit Bandleader  Tom "The Perc" Redecker schnellstens her.

Hier die Niederschrift von unserem kleinen Plausch:

Hallo Tom, letztlich war es dann doch eher ein Zufall, dass sich THE ELECTRIC FAMILY-Musiker im Studio versammelten und so ein neues Werk herauskam. Also, wieso hat es so lange gedauert, ein neues Album der ELECTRIC FAMILY auf die Beine zu stellen?

Dafür gibt’s nachvollziehbare Gründe. Harry Payuta war nach Mittelamerika ausgewandert, Volker Kahrs leider zwischenzeitlich verstorben, und ich hatte sehr viel Arbeit mit meinem Label 'Sireena Records'.

Oder war die Stimmung in der Großfamilie nicht so gut und mochte nicht an ein Album denken?

Nein die Stimmung war immer gut. Wir haben sogar kurz nach dem letzten Album ´Royal Hunt´ bereits mit den Aufnahmen zum Nachfolger begonnen. Aber es waren tatsächlich Zeitgründe, die uns erst einmal einen Strich durch die Rechnung machten.

Kann man Euch tatsächlich in 2017 als verschworene Gemeinschaft, als Kommune wie einst GREATFUL DEAD oder TON STEINE SCHERBEN betiteln?

Ich weiß, das Gerücht hält sich nachdrücklich, dass wir wie eine Kommune zusammengelebt haben. Aber dem war nie so. Wir sind nur zum Musizieren zusammengekommen, ansonsten machte jeder sein Ding. Sind ja eine Menge Musiker darunter, die auch noch in anderen Projekten tätig sind.

So vom Gefühl her, wärt Ihr in den 70s als großartige Krautrockband gut aufgehoben gewesen, oder?

Weiß ich gar nicht so recht, wir haben sicherlich Krautrock-Elemente in unseren Titeln, aber genauso Einflüsse von Folk, Psychedelic, Punk und Ethno. Deshalb finde ich die Jetzt-Zeit eigentlich durchaus geeignet für ein Projekt wie THE ELECTRIC FAMILY.

Electric Family, 1997


Aber einen Stammbaum der Bandmitglieder oder Studiomusiker ist bei Euch schwer anzufertigen, teilweise war es tatsächlich ein Kommen und Gehen?

Es gab immer einen festen Stamm von Members, dazu gesellten sich nach Lust und Laune die übrigen Mitmusiker, die ja aus dem gesamten Land anreisten. Oder wir gingen in Studios z.B. nach Berlin und haben dort mit Berliner Musikern aufgenommen. Oft wird das wie ein Sprung ins kalte Wasser, weil sich die Titel erst bei den Aufnahmen ergeben. Aber echte Musiker lieben solche Herausforderungen.

Sogar der großartige Volker Kahrs von GROBSCHNITT gehörte zu Anfangsformation! Hast Du eine besondere Anziehungskraft, auserlesene Musiker für die FAMILY zu begeistern?

Volker kannte ich schon viele Jahre zuvor aus seiner GROBSCHNITT-Zeit. Ich stamme ja aus der Nähe von Hagen und habe die Band damals zigmal erlebt. Anfang der Neunzigerjahre habe ich Volker in der Nähe von Bremen wieder aufgetrieben, wo ich zwischenzeitlich gelandet war. Er war bei meinem Projekt THE PERC MEETS THE HIDDEN GENTLEMAN mit an Bord, und wir gründeten zusammen das Projekt TARAS BULBA. Und natürlich war er auch sofort bei THE ELECTRIC FAMILY dabei. Sein Tod 2007 kam für uns alle überraschend, er war ein Riesentalent mit so großartigen Ideen.

Zu deiner zweiten Frage, nein, eine besondere Anziehungskraft habe ich sicherlich nicht. Aber die Mitwirkung bei der FAMILY ist wie schon vorher gesagt eine Herausforderung, und ich denke, das macht für die Kollegen den größten Reiz aus.

Obwohl es unzählige bekannte Musiker sind, die der FAMILY angehörten. Vermisst Du manche heutzutage besonders und würdest liebend gerne wieder mit diesen zusammenarbeiten?

Ich bin sicher, dass die meisten gleich wieder mit dabei wären, aber bei ´Terra Circus´ wollten wir eine überschaubare Besetzung haben. Und mit Harry Payuta, Rolf Kirschbaum und Hanno Janssen sind ja quasi Ur-Mitglieder mit dabei. Beim nächsten Album, das hoffentlich nicht wieder 10 Jahre braucht, kann es wieder anders aussehen. Die Berliner Fraktion scharrt schon mit den Hufen! Leider wird auch Hagen Liebing, unser Berliner FAMILY-Bassist, nicht mehr dabei sein. Er verstarb vor wenigen Monaten.


Stimmt es, dass THE ELECTRIC FAMILY nur existieren, weil nicht alle aus deiner Formation THE PERC MEETS THE HIDDEN GENTLEMAN Zeit für einen Festival-Auftritt hatten?

Stimmt, aber Emilio Winschetti alias THE HIDDEN GENTLEMAN war damals im Sommer 1996 nicht abkömmlich. Ich wollte aber gern dort auftreten und habe schnell eine Combo aus Freunden zusammengestellt, und wir sind als THE PERC´S ELECTRIC FAMILY dort aufgelaufen. Daraus wurde dann THE ELECTRIC FAMILY.

Da Ihr immer noch Songs von THE PERC spielt, kann die ELECTRIC FAMILY eigentlich sogar als Nachfolgecombo angesehen werden, oder würdest Du nicht so weit gehen?

Titel von TPMTHG haben wir nur in der Anfangszeit gespielt, dann hatten wir ja genügend eigenes Material. Besonders anfangs wurde THE ELECTRIC FAMILY immer gern mit THE PERC MEETS THE HIDDEN GENTLEMAN verglichen. Es mag manch leichte Ähnlichkeit geben, aber es ist doch ein grundsätzlich anderes Projekt. Gerade bei ´Terra Circus´ sieht man das doch deutlich, weil auch Rolf und Harry eigene Titel beigesteuert haben, ich also nicht mehr allein für die Songs verantwortlich bin.

Wie entstehen bei Euch denn die Songs, allein aus Jam-Sessions heraus?

Teils teils. Und das macht wahrscheinlich den besonderen Charme eines ELECTRIC FAMILY-Albums aus. Es gibt Titel, die sind vorentwickelt, die dann im Studio gemeinsam zuende gebracht werden. Und es gibt Titel, die aus dem Stand auf Zuruf entstehen, quasi Resultat einer Jam-Session. Beide Vorgehensweisen machen Spaß, beides geht nur mit wirklich guten und offenen Musikern.

Coverversionen scheinen Euch ebenso im Blut zu liegen. Früher habt Ihr schon die ROLLING STONES und PINK FLOYD gecovert, ein nicht einfaches Unterfangen bei den großen Vorbildern. Wie sucht Ihr die aus und geht sie an?

Die Originalversion muss zu uns passen. Wir covern Titel nicht einfach, sondern entwickeln sie nach unseren Vorstellungen, ohne das Copyright zu verletzen. Dafür ist unser Respekt vor den Schreibern zu groß. Wir nutzen ein anderes Instrumentarium z. B. Pedal Steel Guitar bei ´Careful With That Axe, Eugene´ oder Sitar bei ´Bitch´ von den STONES. So werden die Songs ein bisschen zu unseren Titeln.

Electric Family, 2017


… und heute spielt Ihr sehr gelungen die SISTERS OF MERCY und noch gewagter CAN nach!

´Lucrecia, My Reflection´ von den SISTERS groovt einfach so großartig, das mussten wir uns einfach vornehmen. Eine Nummer, wo vor allem Harry an der Sitar und Gitarrist Rolf Kirschbaum sich richtig austoben konnten. Und ´Mary, Mary, So Contrary´ von CAN ist so ein wunderbares Stück Rockmusik, fast 50 Jahre alt. Das mussten wir einfach machen, und ich bin noch immer begeistert von dem Titel. Rolf singt ihn einfach dermaßen leidenschaftlich, und diese Jazzorgel von Anders Becker im Schlussteil, einfach großartig!

Was steht auf dem Tourneeplan der FAMILY in 2017?

Das wird eher 2018 was. In diesem Jahr lässt die Planung nicht viel zu, vielleicht noch einen Einzelgig im Herbst. Ansonsten richten wir uns auf 2018 ein, wo mehr passieren soll!

 




22.05.17
Von: Michael Haifl
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