TRIBE AFTER TRIBE – Tribe After Tribe

(Megaforce Records/Warner 1991)


Auch nach über 20 Jahren besitzt das selbstbetitelte Album von TRIBE AFTER TRIBE diese magische Ausstrahlung, diese unfassbare Intensität, diese unglaubliche Einmaligkeit die im krassen Gegensatz zu den Verkaufszahlen steht. Schon im Vorfeld der Veröffentlichung, noch vor der Internetära, machten Megaforce Records richtig Alarm was den nächsten Release des Labels anbetraf. Eine Band aus Südafrika, kurz vor der Verhaftung in den Townships in die USA geflohen, würde neue Akzente in der Rock Musik setzen. Nun ja, die üblichen Promotersprüche eben. Zudem hatte noch niemand zu diesem Zeitpunkt von diesem Trio je was gehört. Aber in dem Augenblick in dem das Album veröffentlicht wurde stand die Presse hier und jenseits des Atlantiks Kopf. Als selbstbetiteltes Debut über Warner veröffentlicht, hatte die Band sogar die Chance mit PEARL JAM zu touren.... aber in letzter Konsequenz half das alles nichts. Das Album hat bis heute nicht die breite Masse erreicht und wird bis in alle Ewigkeit ein göttliches, verkanntes, geniales Werk bleiben.

Was hier musikalisch passiert ist schwer in die richtigen Worte zu fassen. Zudem ist es nicht möglich die Atmosphäre dieser Songs so zu beschreiben, dass man eine Vorstellung von dem hat was da einen aus den Boxen anspringt und in Schwingungen versetzt. Harte, rifflastige Rock Musik, teils im alternativen Genre angesiedelt, trifft auf afrikanische Tribalelemente, beides verbindet sich zu unglaublichen Grooves und die wiederum mit afrikanischen Chören. All dies trifft auf Jamsessions extatischen Ausmaßes und dennoch wirkt alles wie aus einem Guß. An Intensität kaum zu überbietende Rocksongs die einen in einen Strudel der Gefühle reißen. Beginnend mit ´Remember`, wird das Album mit tribalmäßige Drums und Rhythmen eröffnet, eine unglaublich gefühlvolle Gitarre dringt in den Vordergrund, afrikanische Dschungelgeräusche untermalen diese akustischen Riffs, ein sauberer, sehr klarer Gesang setzt ein. Der Song steigert sich langsam, man fühlt eine angenehme Anspannung. Die afrikanischen Soundelemente unterlegen der packende Riffwand die sich im Einklang mit einer immer dominierenden Drumwand zu einem Monstergroove vereint. Der Song endet ähnlich wie er bekam, leise, akustisch. Ein sanfter Gitarrenriff eröffnet `Built A Subway`, wiederum springen Drums ein und dominieren den Track der inzwischen von intensiven, harten Riffs nach vorne getragen wird. Der Song pendelt zwischen raffinierter Heavyness und balladesker, teils mit afrikanischen Fragmenten unterlegter Dynamik. Je länger der Song geht desto intensiver wird eher. Harte Gitarren prägen den Track gegen Ende, bevor dieser abrupt endet und in `Sally` übergeht. `Sally` ist einer der am schnellsten zugänglichen Songs da er straight nach vorne geht und mit einem fantastischen Rhythmus ausgestattet ist. Die exotischen Schreie und der unglaubliche Groove machen dieses Stück zu einem wahren Fünf -Minuten-Meisterwerk. Die wohl beste Akustiknummer die ich jemals gehört habe liefern TRIBE AFTER TRIBE mit ´Just For A While`. Die Intensität dieses Tracks kann man nicht in Worte fassen. Der Klang der Gitarre und diese persilcleane Stimme von Robbi Robb sind Emotionen pur. Das sind diese magischen Momente der Rockmusik die einen all den Schrott den man sich anhören muß, vergessen lassen. `Come To See You Fall´ ist ein Mix aus `Just For A while` und ´Remember` mit markantem Groove und wiederum afrikanischen Einflüßen. `The Mode` ist ein eher ruhig beginnendes Stück in der Art von ´Just For A While` und wird im weiteren Verlauf dezent energischer und gegen Ende rockiger. Wieder prägt ein satter Rhythmus den Song. ´White Boys In The Jungle´ ist der wohl aussagekräftigste Song des gesamten Albums. Tribaldrums, afrikanischer Rhythmus, knallharte Riffeinlagen und ein unauslöschlicher Refrain, unterlegt mit erneut Dschungelschreien, machen diesen Song zu einem der härtesten Stücke des Albums. Das folgende `Rolling Stoney` holt einen durch seine balladeske Struktur wieder runter. Aber auch hier wieder „nur“ Akustikgitarre und Gesang- und dennoch absolut faszinierend. Mit minimalistischen Mitteln ist es immer noch möglich unglaubliche Songs zu spielen die vor Energie nur so sprühen. Härter geht es wieder bei `What Are We Now` zur Sache. Wenn es einem bisher nicht aufgefallen sein sollte, hier MUSS es auffallen: Diese außergewöhnliche Gitarrenarbeit, dieses intensive Drumming und dieses begnadete Songwriting. Andere Bands wären froh solch einen Song wie ´Everything And More` zu schreiben, im Falle TRIBE AFTER TRIBE ist das eher ein unspektakulärer Song im Vergleich zu dem was bisher auf dem Album geboten wurde `Out Of Control` kompensiert noch einmal all die außergewöhnlichen Stärken in Form von exzessiven Tribaldrums, Rückkoppelungsorgien, afrikanischen Elementen und diesem charismatischen Gesang von Robbi Robb. Das albumschließende ´Poor Afrika` zeigt deutlich woher die Band kommt und was sie so tiefgreifend geprägt hat. Ein herausragender Track der die Besonderheiten von TRIBE AFTER TRIBE noch einmal in den Vordergrund transportiert: Diese avantgardistische Kombination aus afrikanischen und westlichen Einflüssen sind bis heute einmalig. Afrikanische Soundelemente kopulieren mit harten Gitarrenriffs und heraus kommt ein Album das in seiner Gesamtheit unvergleichlich ist. `Tribe After Tribe` ist eines dieser raren Alben das nie seine Faszination verliert, auch nach über 20 Jahren. Dass die Band schon zuvor in Südafrika, vor ihrer Flucht aus der Apartheid, ein Album (`Power`) eingespielt hatte, wurde erst später bekannt und dann noch einmal außerhalb von Südafrika veröffentlicht (2003). Der direkte Nachfolger von `Tribe After Tribe` hieß dann 1993 `Love Under Will` und konnte nur bedingt an den fantastischen Vorgänger anknüpfen. Zwar waren die afrikanischen Einflüsse noch vorhanden, allerdings deutlich weniger als auf dem Vorgänger. Dennoch konnte die Band mit `Ice Below` eine Art Hit in den einschlägigen College Radio Stationen der USA landen. 1997 kam noch `Pearls Before Swine` und 2002 `Enchanted Entrance` raus. Hier könnte man jetzt noch viel weiter abschweifen und auf die THREE FISH Alben eingehen die Bandleader Robbi Robb mit PEARL JAM`S Jeff Ament einspielte, aber das wäre zuviel des Guten. TRIBE AFTER TRIBE sind aktuell immer noch live zu sehen. Ihr letztes Studioalbum nannte sich `M.O.A.B.-Stories from Deuteronomy` und wurde 2008 veröffentlicht. Hörenswert, allerdings mit deutlichen Abstrichen in Sachen Originalität, was wohl vor allem an Robbi´s ausufernder Drogen.... aber lassen wir das. Eine zeitlang wurde `Tribe After Tribe` für gutes Geld gehandelt. Inzwischen finden sich auf der US-Seite von Amazon.com einige Dealer die wohl Restbestände aufgetan haben und da kann man für um die 10 – 12 Dollar zuschlagen- und das sollte man angesichts dieser einmaligen musikalischen Ergüsse dieses gigantischen Werkes.




22.10.12
Von: Jürgen Tschamler
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