SIMON STOKES – The Incredible Simon Stokes and the Black Whip Thrill Band

(CBS /Spindizzy 1973)


SIMON STOKES wuchs bei seinen Großeltern in Massachusetts auf. Sein Großvater brachte ihn früh mit Musik in Berührung. Neben regelmäßigen Besuchen von Orchesterkonzerten sah er auch viele Konzerte von Bluesmusikern wie HANK BALLARD und BIG MAMA THORNTON, welche großen Einfluss auf seinen Werdegang als Musiker hatten.
Nachdem er einen lokalen Songwriting-Wettbewerb gewonnen hatte, zog er nach Los Angeles. Ab 1965 nahm er unter Namen wie FLOWER CHILDREN und HEATHEN ANGELS diverse Singles in Eigenregie auf. Er wurde Stammsongwriter bei Electra, bei der er, nach der Gründung der Band NIGHTHAWKS, auch einen Plattenvertrag bekam.
Sein erstes Album unter dem Namen wurde 1970 veröffentlicht. Bekannter wurde er aber mit dem nachfolgenden 73er Album `The Incredible Simon Stokes And The Black Whip Thrill Band`, das ich hier noch vorstellen werde. Der Bekanntheitsgrad stieg aber nicht nur wegen der auf dem Album enthaltenen Musik sondern auch aufgrund der schrägen und teils bitterbösen Texte über Biker, Sex und Alkohol und des Verbots des Covers, das für 1973 schon harter Tobak war und selbst manch aktuelle Metalcover in den Schatten stellt.
Trotz des Coververbots konnte SIMON STOKES bald auf eine ansehnliche Fangemeinde im Underground zurückblicken. Insbesondere in Outlawbiker-Kreisen wie den Hells Angels war er sehr beliebt und so war er auch bei einigen Bikerfilmen am Soundtrack beteiligt.
1977 veröffentlichte er noch das Album `Buzzard Of Love`, zog sich dann aber für fast 20 Jahre aus dem normalen Musikgeschäft zurück. Er wurde ein recht erfolgreicher Songwriter für Filmsongs, die man unter anderem in Poltergeist 3, Homer & Eddie und The Hard Way (aka Auf die harte Tour mit Michael J. Fox)) hören kann.
Nachdem er sich 1996 durch eine Zusammenarbeit mit dem LSD-Guru Timothy Leary wieder in der Musikszene zurückmeldete folgten 2002 noch sein eher dem Country zugehöriges Album „Honky“ und 2007 sein bisher letzten musikalisches Lebenszeichen in Form des Blues- Albums „Head“.
Nun aber zum Album selbst.
Der erste Track, The Black Whip Thrill Band´ gibt vor, wohin die Marschrichtung bei SIMON STOKES geht. Grober Blues mit Country und Rock´n Roll Einflüssen. Getragen wird das Ganze von der Stimme SIMON STOKES, der ein sehr dreckiges Organ besitzt, was in Kombination mit seiner zum Teil etwas weinerlichen Art zu singen schon sehr grob rüberkommt. Während ´The Devil Just Call My Name´ ein reinrassiger und sehr trauriger Countrysong ist, weiß man bei ´Angel Ride On´ sofort wo man dran ist. Bluesgetränkter, mit typischen Bikerlyrics versehener Rock´n Roll mit sehr geilem Piano im Hintergrund. Auch beim nächsten Track wird wieder den Bikern gehuldigt, mit einfachem, aber hartem Blues, versehen mit einem einprägsamen Leitriff.´The Wolf Pack Rides Out Tonight´. ´The Boa Constrictor Ate My Wife Last Night´ ist ein reiner, mit Barpiano unterlegter Funsong, (Man glaub sogar den Spaß zu Hören, den die Musiker bei der Aufnahme hatten) von der Grundstimmung am ehesten mit ´Nelly The Elephant´ von den TOY DOLLS zu vergleichen. War live bestimmt ein Kracher. Die B-Seite beginnt etwas ruhiger, aber keineswegs sanfter mit dem groben Blues ´Good Times They Come´, bei der SIMON STOKES wieder das ideal zum Text passende Weinerliche in die Stimme packt. ´Waltz For Jaded Lovers´ ist ein traditioneller Blues. Nur Piano, Drums, Bass und Gesang. Schön relaxt. Das Highlight der Scheibe für mich persönlich ist das nun folgende ´Should Have Married Peggy Sue´. Stilistisch schwer einzuorden (ich würde die Nummer schon zu 70er Heavyrock zählen). ziehen hier SIMON STOKES und seine Band alle Register. Besonders der Sound der Leadgitarre ist unglaublich und wunderschön. ´She´s Got The Voodoo´ ist eine große Verbeugung vor einer der besten Bands aller Zeiten -CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL, insbesondere was die Instrumentalfraktion betrifft. `Hot Summer´s Night In The City´ kratzt wieder den Heavyrock an. Hier passen auch die ganz leichten Funkanleihen.Der letzte Track der Scheibe namens ´Ballad Of Lennie And George´ ist wieder mehr Country, ruhig, aber sehr weit vom Kitsch entfernt. Dazu tragen auch die joplinartigen Gastvocals bei.
Eine Kaufempfehlung kann ich schon alleine dadurch aussprechen, das man selten eine solche Kombination aus schrägen Lyrics, groben Sound und diesem krassen Coverartwork bekommt.
Bisher gibt es keine offizielle CD-Veröffentlichung, ein Bootleg ist mir auch nicht bekannt. Für eine gut erhaltene LP muss man ca. 40,-€ hinlegen.




23.09.12
Von: Nikolaus „Rauberer“ Herrmann
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