Wir leben noch

von Michael Haifl, 6. Dezember 2017

Immer nur Fragen, plakative Fragen schmücken heute wie gestern die Titelblätter der Magazine und ebenso der durchhaltenden Hardrock-Postillen.

Vor 21 Jahren wuchtete derselbe Chefredakteur die provokative Frage auf sein Titelblatt, ob der Metal tot sei, der 2017 die einstige, letztlich nicht haltlose Ansage mit einer neuerlichen Fragestellung zurücknimmt und gegenwärtig "Waren die Neunziger wirklich so schlimm?" zur Diskussion stellt.

Denn tatsächlich, der Metal war nie tot. Einige leben sogar bis heute von ihm. Und aktuell blüht der Underground wieder auf. Ob er nochmals die Ausmaße und Schönheit der 80er und 90er erreichen wird, muss die Zukunft weisen. Ewig Gestrige, die keinerlei Veränderung in ihrem Leben und ihrer Musik zulassen, haben wahrscheinlich bereits seit bald dreißig Jahren mit ihrer geliebten Musikrichtung abgeschlossen. Zwar fegte der Grunge die damalige Hardrock- und Metal-Szene von den vorderen Töpfen der Nahrungskette hinfort, in den Underground zurück, doch reichhaltige Entfaltungsmöglichkeiten ließen ihn in wunderlichsten Blütenkelchen erstrahlen.

Jede Dekade, jede Zeit gebärt eigene Schönheiten. Ob wir diesen mit investigativem Journalismus oder reißerischer Aufmachung begegnen und die ihnen zustehende Aufmerksamkeit schenken, entscheiden die Verantwortlichen jeder Publikation. Die Aufmerksamkeit sollte zielgerichtet den allerschönsten Gewächsen gelten. Daher muss niemand monatlich in den Raum stellen, ob der Black Metal tot sei, und hernach zudem den Tod des Death Metal erklären. Alles vor Jahren so abgedruckt.

Dagegen entspricht das Gros der heutigen Online-Magazine früheren Fanzines, mit dem Ziel der Widmung und Förderung junger aufstrebender Kapellen. Eine kleine, eingeschworene Gemeinschaft beschäftigt sich mit dem wichtigsten oder zweitwichtigsten im Leben: der Musik. Vollkommen unabhängig und ohne kommerziellen Hintergedanken steht die Musik im Vordergrund. Es mag auch hier schwarze Schafe geben, die auf diesem Wege günstig ihre Musik beziehen wollen und mit gefühlt dreißig Redakteuren fünf Kritiken im Kalenderjahr hervorzaubern. In Zeiten von Streaming-Diensten gibt es aktuell freilich billigere Wege seine Musik zu goutieren. Aber Online-Magazine müssen keine Seiten mit erbetenen Interviews füllen. Sie müssen keine Rücksicht auf Anzeigen schaltende Geschäftspartner nehmen. Es müssen keine Auflagen verkauft werden. Niemand muss marktschreierisch über den kapitalistischen Tisch gezogen werden. Die Musik ist das A und O, der Anfang und das Ende, das Leben.

Es lebe die Musik. Es lebe der Metal.